April, 2007



Heinrich Heine - Abschied


h1 30. April 2007 21:37 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Schöne Wiege meiner Leiden,
Schönes Grabmahl meiner Ruh,
Schöne Stadt, wir müssen scheiden, -
Leb wohl! Ruf’ ich dir zu.

Leb wohl, du heil’ge Schwelle,
Wo da wandelt Liebchen traut;
Leb wohl, du heil’ge Stelle,
Wo ich sie zuerst geschaut.

Hätt’ ich dich doch nie gesehen,
Schöne Herzenskönigin!
Nimmer wär’ es dann geschehen,
Daß ich jetzt so elend bin.

Nie wollt’ ich dein Herz rühren,
Liebe hab’ ich nie erfleht;
Nur ein stilles Leben führen
Wollt’ ich, wo dein Odem weht.

Doch du drängst mich selbst von hinnen,
Bitt’re Worte spricht dein Mund;
Wahnsinn wühlt in meinen Sinnen,
Und mein Herz ist krank und wund.

Und die Glieder matt und träge
Schlepp’ ich fort am Wanderstab,
Bis mein müdes Haupt ich lege
Ferne in ein kühles Grab.

Heinrich Heine 

Heinrich Heine - Auf Flügeln des Gesanges


h1 25. April 2007 21:37 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Auf Flügeln des Gesanges,
Herzliebchen, trag’ ich dich fort,
Fort nach den Fluren des Ganges,
Dort weiß ich den schönsten Ort.

Dort liegt ein rotblühender Garten
Im stillen Mondenschein;
Die Lotosblumen erwarten
Ihr trautes Schwesterlein.

Die Veilchen kichern und kosen,
Und schau nach den Sternen empor;
Heimlich erzählen die Rosen
Sich duftende Märchen ins Ohr.

Es hüpfen herbei und lauschen
Die frommen, klugen Gazell’n;
Und in der Ferne rauschen
Des heiligen Stromes Well’n.

Dort wollen wir niedersinken
Unter dem Palmenbaum,
Und Lieb’ und Ruhe trinken
Und träumen seligen Traum.

Heinrich Heine 

Heinrich Heine - Die liebste Stimme


h1 20. April 2007 21:35 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Sterne mit den goldnen Füßchen
Wandeln droben bang und sacht,
Daß sie nicht die Erde wecken,
Die da schläft im Schoß der Nacht.

Horchend stehn die grünen Wälder,
Jedes Blatt ein grünes Ohr,
Und der Berg, wie träumend streckt er
Seinen Schattenarm hervor.

Doch was rief dort? In mein Herze
Dringt der Töne Widerhall,
War es der Geliebten Stimme -
Oder nur die Nachtigall?

Heinrich Heine 

Hoffmann von Fallersleben - Was mir wohl übrig bliebe


h1 19. April 2007 21:47 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Was mir wohl übrig bliebe,
Wenn alles von mir flieht?
Es bleibt noch die Liebe
Und mit ihr manches Lied.
Und mit der Liebe teil’ ich
Des Lebens Fröhlichkeit,
Und mit den Liedern heil’ ich
Der Liebe Gram und Leid.

Hoffmann von Fallersleben 

Heinrich Heine - Ehmals glaubt’ ich, alle Küsse


h1 15. April 2007 20:44 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Ehmals glaubt’ ich, alle Küsse,
Die ein Weib uns gibt und nimmt,
Seien uns durch Schicksalsschlüsse
Schon urzeitlich vorbestimmt.

Küsse nahm ich und ich küßte
So mit Ernst in jeder Zeit
Als ob ich erfüllen müßte
Taten der Notwendigkeit.

Jetzo weiß ich: überflüssig
Wie so manches, ist der Kuß,
Und mit leichtern Sinnen küss’ ich,
Glaubenslos im Überfluß.

Heinrich Heine 

Hoffmann von Fallersleben - Wem Liebe ward zu Eigentume


h1 13. April 2007 21:46 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Wem Liebe ward zu Eigentume,
Dem ward zu eigen die ganze Blume.
Denn Schönheit ist nur Blumenduft,
Gehauchet in die freie Luft
Für alle, für diesen und jenen
Zum Hoffen und Wünschen und Sehnen.
O glücklich, wem zum Eigentume
Mehr ward als nur der Duft der Blume.

Hoffmann von Fallersleben 

Heinrich Heine - Fichtenbaum und Palme


h1 10. April 2007 20:44 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Ein Fichtenbaum steht einsam
Im Norden auf kahler Höh’!
Ihn schläfert; mit weißer Decke
Umhüllen ihn Eis und Schnee.

Er träumt von einer Palme,
Die fern im Morgenland
Einsam und schweigend trauert
Auf brennender Felsenwand.

Heinrich Heine 

Hoffmann von Fallersleben - Wenn alles schläft in stiller Nacht


h1 9. April 2007 21:45 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Wenn alles schläft in stiller Nacht,
Die Liebe wacht.
Sie wandelt leise von Haus zu Haus,
Und teilt die schönsten Gaben aus;
Sie bringet Trost für altes Leid,
Bringt neue Lust und Fröhlichkeit. -
Laß, Liebe, deine Gabe mich sein,
Flicht mich in deine Träume mit ein,
Daß d i e, nach der mein Herz verlanget
Und sehnsuchtsglühend banget,
Im Träume mich sieht
Und hört mein Lied.

Hoffmann von Fallersleben 

Heinrich Heine - Fischermädchen


h1 5. April 2007 20:40 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Du schönes Fischermädchen,
Treibe den Kahn ans Land;
Komm zu mir und setze dich nieder,
Wir kosen Hand in Hand.

Leg an mein Herz dein Köpfchen,
Und fürchte dich nicht so sehr;
Vertraust du dich doch sorglos
Täglich dem wilden Meer!

Mein Herz gleicht ganz dem Meere,
Hat Sturm und Ebb’ und Flut,
Und manche schöne Perle
In seiner Tiefe ruht.

Heinrich Heine 

Hoffmann von Fallersleben - Wer noch zweifelt einen Tag


h1 4. April 2007 21:43 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Wer noch zweifelt einen Tag,
Ob ihm Liebe Liebe gibt;
Wer zu denken noch vermag,
Daß er liebet, wenn er liebt -
Hat ein Leben nie begonnen
Und vollendet nie ein Leben,
Und der Erde schönste Wonnen
Wird ihm auch kein Himmel geben.

Hoffmann von Fallersleben