Mai, 2007



Ludwig Uhland - Der gute Kamerad


h1 25. Mai 2007 17:01 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Der gute Kamerad

Ich hatt’ einen Kameraden,
Einen bessern find’st du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
In gleichem Schritt und Tritt.

Eine Kugel kam geflogen,
Gilt’s mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
Er liegt mir vor den Füßen,
Als wär’s ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad’.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib’ du im ew’gen Leben,
Mein guter Kamerad!

Autor: Ludwig Uhland 

Ludwig Uhland - Der blinde König


h1 20. Mai 2007 16:55 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Der blinde König 

Was steht der nord’schen Fechter Schar
Hoch auf des Meeres Bord?
Was will in seinem grauen Haar
Der blind König dort?
Er ruft, in bitterm Harme
Auf seinen Stab gelehnt,
Daß über’m Meeresarme
Das Eiland widertönt.

“Gib, Räuber, aus dem Felsverließ
Die Tochter mir zurück!
Ihr Harfenspiel, ihr Lied so süß,
War meines Alters Glück.
Vom Tanz auf grünem Strande
Hast du sie weggeraubt,
Dir ist es ewig Schande,
Mir beugt’s das graue Haupt.”

Da tritt aus seiner Kluft hervor
Der Räuber, groß und wild,
Er schwingt sein Hünenschwert empor
Und schlägt an seinen Schild:
“Du hast ja viele Wächter,
Warum denn litten’s die?
Dir dient so mancher Fechter,
Und keiner kämpft um sie?”

Noch stehn die Fechter alle stumm,
Tritt keiner aus den Reih’n;
Der blind König kehrt sich um:
“Bin ich denn ganz allein?”
Da faßt des Vaters Rechte
Sein junger Sohn so warm:
“Vergönn’ mir’s, daß ich fechte!
Wohl fühl’ ich Kraft im Arm.”

“O Sohn! der Feind ist riesenstark,
Ihm hielt noch keiner stand.
Und doch! in dir ist edles Mark,
Ich fühl’s am Druck der Hand.
Nimm hier die alte Klinge!
Sie ist der Skalden Preis,
Und fällst du, so verschlinge
Die Flut mich armen Greis!”

Und horch! es schäumet und es rauscht
Der Rachen über’s Meer.
Der blinde König steht und lauscht,
Und alles schweigt umher;
Bis drüben sich erhoben
Der Schild’ und Schwerter Schall
Und Kampfgeschrei und Toben
Und dumpfer Widerhall.

Da ruft der Greis so freudig bang:
“Sagt an, was ihr erschaut!
Mein Schwert, ich kenn’s am guten Klang,
Es gab so scharfen Laut.”
“Der Räuber ist gefallen,
Er hat den blut’gen Lohn.
Heil dir, du Held vor allen,
Du starker Königssohn!”

Und wieder wird es still umher,
Der König steht und lauscht:
“Was hör’ ich kommen über’s Meer?
Es rudert und es rauscht.”
“Sie kommen angefahren,
Dein Sohn mit Schwert und Schild,
In sonnenhellen Haaren
Dein Töchterlein Gunhild.”

“Willkommen!” ruft vom hohen Stein
Der blinde Greis hinab,
“Nun wird mein Alter wonnig sein
Und ehrenvoll mein Grab.
Du legst mir, Sohn, zur Seite
Das Schwert von gutem Klang,
Gunhilde, du Befreite,
Singst mir den Grabgesang.”

Autor: Ludwig Uhland 

Ludwig Uhland - Das Schwert


h1 10. Mai 2007 16:50 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Das Schwert 

Zur Schmiede ging ein junger Held,
Er hatt’ ein gutes Schwert bestellt,
Doch als er’s wog in freier Hand,
Das Schwert er viel zu schwer empfand.

Der alte Schmied den Bart sich streicht:
“Das Schwert ist nicht zu schwer noch leicht,
Zu schwach ist euer Arm, ich mein’,
Doch morgen soll geholfen sein.”

“Nein, heut’! bei aller Ritterschaft!
Durch meine, nicht durch Feuers Kraft.”
Der Jüngling spricht’s, ihn Kraft durchdringt,
Das Schwert er hoch in Lüften schwingt.

Autor: Ludwig Uhland 

Ludwig Uhland - Das Schloß am Meere


h1 8. Mai 2007 16:46 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Das Schloß am Meere
Das hohe Schloß am Meer?
Goldig und rosig wehen
Die Rosen drüber her.

Es möchte sich drüber neigen
In die spiegelklare Flut;
Es möchte streben und steigen
In der Abendwolken Glut.

“Wohl hab’ ich es gesehen,
Das hohe Schloß am Meer,
Und den Mond darüber stehen
Und Nebel weit umher.”

Der Wind und des Meeres Wallen,
Gaben sie frischen Klang?
Vernahmst du aus den Hallen
Saiten und Festgesang?

“Die Winde, die Wogen alle
Lagen in tiefer Ruh,
Einem Klagelied aus der Halle
Hört’ ich mit Tränen zu.”

Sahest du oben gehen
Den König und sein Gemahl?
Der roten Mäntel Wehen?
Der goldnen Kronen Strahl?

Führten sie nicht mit Wonne
Eine schöne Jungfrau dar,
Herrlich wie eine Sonne
Strahlend im goldnen Haar?

“Wohl sah ich die Eltern beide,
Ohne der Kronen Licht,
Im schwarzen Trauerkleide;
Die Jungfrau sah ich nicht.”

Autor: Ludwig Uhland

Ludwig Uhland - Das Glück von Edenhall


h1 7. Mai 2007 16:46 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Das Glück von Edenhall

Von Edenhall der junge Lord
Läßt schmettern Festtrompetenschall,
Er hebt sich an des Tisches Bord
Und ruft in trunk’ner Gäste Schwall.
“Nun her mit dem Glücke von Edenhall!”

Der Schenk vernimmt ungern den Spruch,
Des Hauses ältester Vasall,
Nimmt zögernd aus dem seid’nen Tuch
Das hohe Trinkglas von Kristall,
Sie nennen’s: Das Glück von Edenhall.

Darauf der Lord: “Dem Glas zum Preis
Schenk roten ein aus Portugal!”
Mit Händezittern gießt der Greis,
Und purpurn Licht wird überall,
Es strahlt aus dem Glücke von Edenhall.

Da spricht der Lord und schwingt’s dabei:
“Dies Glas von leuchtendem Kristall
Gab meinen Ahn am Quell die Fei,
Drein schrieb sie: Kommt dies Glas zu Fall,
Fahr’ wohl dann, o Glück von Edenhall!

Ein Kelchglas ward zum Los mit Flug
Dem freud’gen Stamm von Edenhall;
Wir schlürfen gern in vollem Zug,
Wir läuten gern mit lautem Schall;
Stoßt an mit dem Glücke von Edenhall!”

Erst klingt es milde, tief und voll,
Gleich dem Gesang der Nachtigall,
Dann wie des Waldstroms laut Geroll,
Zuletzt erdröhnt wie Donnerhall
Das herrliche Glück von Edenhall.

“Zum Horte nimmt ein kühn Geschlecht
Sich den zerbrechlichen Kristall;
Es dauert länger schon als recht,
Stoßt an, mit diesem kräft’gen Prall
Versuch’ ich das Glück von Edenhall.”

Und als das Trinkglas gellend springt,
Springt das Gewölb’ mit jähem Knall,
Und aus dem Ritz die Flamme dringt;
Die Gäste sind zerstoben all’
Mir dem brechenden Glück von Edenhall.

Einstürmt der Feind mit Brand und Mord,
Der in der Nacht erstieg den Wall,
Vom Schwerte fällt der junge Lord,
Hält in der Hand noch den Kristall,
Das zersprungene Glück von Edenhall.

Am Morgen irrt der Schenk allein,
Der Greis, in der zerstörten Hall’;
Er sucht des Herrn verbrannt Gebein,
Er sucht im grausen Trümmerfall
Die Scherben des Glücks von Edenhall.

“Die Steinwand,” spricht er, “bricht zu Stück,
Die hohe Säule muß zu Fall,
Glas ist der Erde Stolz und Glück,
In Splitter fällt der Erdenball
Einst gleich dem Glücke von Edenhall.”

Autor: Ludwig Uhland

Heinrich Heine - Im Mai


h1 1. Mai 2007 20:33 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab’ ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen

Heinrich Heine