Juli, 2007



Max Dauthendey - Der Regen scheint besessen


h1 30. Juli 2007 22:23 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Der Regen scheint besessen

Ich hör’ den Regen dreschen
Und übers Pflaster fegen.
Der Regen scheint besessen
Und will die Welt auffressen.

Ich muß mich näher legen
Ins Bett zu meiner Frauen.
Wird sich ihr Äuglein regen,
Kann ich ins Blaue schauen.

von Max Dauthendey

Ludwig Uhland - Lied eines Armen


h1 30. Juli 2007 22:04 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Lied eines Armen

Ich bin ein so gar armer Mann
Und gehe ganz allein.
Ich möchte wohl nur einmal noch
Recht frohen Mutes sein.

In meiner lieben Eltern Haus
War ich ein frohes Kind;
Der bittre Kummer ist mein Teil,
Seit sie begraben sind.

Der Reichen Gärten seh’ ich blüh’n,
Ich seh’ die goldne Saat:
Mein ist der unfruchtbare Weg,
Den Sorg’ und Mühe trat.

Doch weil’ ich gern mit stillem Weh
In froher Menschen Schwarm
Und wünsche jedem guten Tag
So herzlich und so warm.

O reicher Gott! du ließest doch
Nicht ganz mich freudenleer;
Ein süßer Trost für alle Welt
Ergießt sich himmelher.

Noch steigt in jedem Dörflein ja
Dein heilig Haus empor;
Die Orgel und der Chorgesang
Ertönet jedem Ohr.

Noch leuchtet Sonne, Mond und Stern
So liebevoll auch mir,
Und wenn die Abendglocke hallt,
So red’ ich, Herr, mit dir.

Einst öffnet jedem Guten sich
Dein hoher Freudensaal,
Dann komm’ auch im Feierkleid
Und setze mich an’s Mahl.

von Ludwig Uhland

Otto Julius Bierbaum - Er glaubt nur noch einen letzten Wunsch zu haben


h1 30. Juli 2007 20:07 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Daß deine Hand auf meiner Stirne liegt,
Wenn mich das Sterben in der Wiege wiegt,
Die leis hinüber ins Vergessen schaukelt,
Von schwarzen Schmetterlingen schwer umgaukelt.
Ein letzter Blick in deine braunen Sonnen:
Vorüber strömen alle unsre Wonnen
In einer bitter-süßen Letztsekunde;
Ein letzter Kuß von deinem warmen Munde,
Ein letztes Wort von dir, so liebeweich:
Dann hab ich, eh ich tot, das Himmelreich,
Und tauche selig in den großen Frieden:
Der Erde Holdeste war mir beschieden.

von Otto Julius Bierbaum

Emanuel Geibel - Minnelied


h1 30. Juli 2007 19:41 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Minnelied

Es gibt wohl manches, was entzücket,
Es gibt wohl vieles, was gefällt;
Der Mai, der sich mit Blumen schmücket,
Die güldne Sonn’ im blauen Zelt.
Doch weiß ich Eins, das schafft mehr Wonne,
Als jeder Glanz der Morgensonne,
Als Rosenblüt’ und Lilienreis;
Das ist getreu im tiefsten Sinne
Zu tragen eine fromme Minne,
Davon nur Gott im Himmel weiß.

Wem er ein solches Gut beschieden,
Der freue sich und sei getrost!
Ihm ward ein wunderbarer Frieden,
Wie wild des Lebens Brandung tost.
Mag alles Leiden auf ihn schlagen:
Sie lehrt ihn nimmermehr verzagen,
Sie ist ihm Hort und sichrer Turm;
Sie bleibt im Labyrinth der Schmerzen
Die Fackelträgerin dem Herzen,
Bleibt Lenz im Winter, Ruh im Sturm.

Doch suchst umsonst auf irrem Pfade
Die Liebe du im Drang der Welt;
Denn Lieb’ ist Wunder, Lieb’ ist Gnade,
Die wie der Tau vom Himmel fällt.
Sie kommt wie Nelkenduft im Winde,
Sie kommt, wie durch die Nacht gelinde
Aus Wolken fließt des Mondes Schein;
Da gilt kein Ringen, kein Verlangen,
In Demut magst du sie empfangen,
Als kehrt’ ein Engel bei dir ein.

Und mit ihr kommt ein Bangen, Zagen,
Ein Träumen, aller Welt versteckt;
Mit Freuden mußt du Leide tragen,
Bis aus dem Leid ihr Kuß dich weckt;
Dann ist dein Leben ein geweihtes,
In deinem Wesen blüht ein zweites,
Ein reineres voll Licht und Ruh;
Und todesfroh in raschen Fluten
Fühlst du das eigne Ich verbluten,
Weil du nur wohnen magst im Du.

Das ist die köstlichste der Gaben,
Die Gott dem Menschenherzen gibt,
Die eitle Selbstsucht zu begraben,
Indem die Seele glüht und liebt.
O süß Empfangen, sel’ges Geben!
O schönes Ineinanderweben!
Hier heißt Gewinn, was sonst Verlust.
Je mehr du schenkst, je froher scheinst du,
Je mehr du nimmst, je sel’ger weinst du -
O gib das Herz aus deiner Brust.

In ihrem Auge deine Tränen,
Ihr Lächeln sanft um deinen Mund,
Und all dein Denken, Träumen, Sehnen,
Ob’s dein, ob’s ihr, dir ist’s nicht kund.
Wie wenn zwei Büsche sich verschlingen,
Aus denen junge Rosen springen,
Die weiß, die andern rot erglüht,
Und keiner merkt, aus wessen Zweigen
Die hellen und die dunklen steigen:
So ist’s; du fühlest nur: es blüht.

Es blüht; es ist ein Lenz tiefinnen,
Ein Geisteslenz für immerdar;
Du fühlst in dir die Ströme rinnen
Der ew’gen Jugend wunderbar.
Die Flammen, die in dir frohlocken,
Sind stärker als die Aschenflocken,
Mit denen Alter droht und Zeit;
Es leert umsonst der Tod den Köcher,
So trinkst du aus der Liebe Becher
Den süßen Wein: Unsterblichkeit.

Spät ist es - hinter dunkeln Gipfeln
Färbt golden sich der Wolken Flaum;
Tiefrötlich steigt aus Buchenwipfeln
Der Mond empor am Himmelssaum.
Der Wind fährt auf in Sprüngen, losen,
Und spielet mit den weißen Rosen,
Die rankend blühn am Fenster mir.
O säuselt, säuselt fort, ihr Lüfte,
Und tragt getaucht in Blumendüfte
Dies Lied und meinen Gruß zu ihr!

von Emanuel Geibel

Otto Julius Bierbaum - Er drückt dies etwas schwärmerischer aus


h1 27. Juli 2007 20:06 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Laue Sommernacht; am Himmel
Stand kein Stern; im weiten Walde
Suchte wir uns tief im Dunkel,
Und wir fanden uns.

Fanden uns im weiten Walde
In der Nacht, der sternenlosen,
Hielten stauend uns im Arme
In der dunklen Nacht.

War nicht unser ganzes Leben
So ein Tappen, so ein Suchen?
Da: In seine Finsternisse,
Liebe, fiel dein Licht.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Du, mein Glück


h1 27. Juli 2007 20:06 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Meine Seele, eine Taube,
Lang verflogen und verirrt,
Regt nun zwischen lauter Blüten
Auf dem schönsten Frühlingsbaume
Ihre Flügel leis vor Glück.

Du mein Baum voll lauter Blüten!
Du mein Glück! Du meine Ruh!
Meiner Sehnsucht weiße Taube
Regt die Flügel, regt die Flügel
Dir im Schoß. Süße! Süße!
Welch ein Wunder: Ich und du!

von Otto Julius Bierbaum

Ludwig Uhland - Klein Roland


h1 25. Juli 2007 22:02 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Klein Roland

Frau Berta saß in der Felsenkluft,
Sie klagt ihr bitt’res Los.
Klein Roland spielt in freier Luft,
Des Klage war nicht groß.

“O König Karl, mein Bruder hehr!
“O daß ich floh von dir!
Um Liebe ließ ich Pracht und Ehr’,
Nun zürnst du schrecklich mir.

“Die Dame hat nach meinem Sinn,
Den besten Diener der Welt.
Sie ist wohl Bettelkönigin,
Die off’ne Tafel hält?

So edle Dame darf nicht fern
Von meinem Hofe sein.
Wohlauf, drei Damen! auf, drei Herrn!
Führt sie zu mir herein!”

Klein Roland trägt den Becher flink
Hinaus zum Prunkgemach:
Drei Damen auf des Königs Wink,
Drei Ritter folgen nach.

Es stund nur an eine kleine Weil’,
Der König schaut in die Fern’
Da kehren schon zurück in Eil’
Die Damen und die Herrn.

Der König ruft mit einem Mal:
“Hilf, Himmel! seh ich recht?
Ich hab’ verspottet im off’nen Saal
Mein eignes Geschlecht.

Hilf, Himmel! Schwester Berta, bleich,
Im grauen Pilgergewand!
Hilf, Himmel! in meinem Prunksaal reich
Den Bettelstab in der Hand!”

Frau Berta fällt zu Füßen ihm,
Das bleiche Frauenbild.
Da regt sich plötzlich der alte Grimm,
Er blickt sie an so wild.

Frau Berta senkt die Augen schnell,
Kein Wort zu reden sich traut.
Klein Roland hebt die Augen hell,
Den Öhm begrüßt er laut.

Da spricht der König im milden Ton:
“Steh’ auf du Schwester mein!
Um diesen deinen lieben Sohn
Soll dir verziehen sein.”

Frau Berta hebt sich freudenvoll:
“Lieb Bruder mein! wohlan:
Klein Roland dir vergelten soll,
Was du mir Gut’s getan.

Soll werden seinem König gleich,
Ein hohes Heldenbild;
Soll führen die Farb’ von manchem Reich
In seinem Banner und Schild.

Soll greifen in manches Königs Tisch
Mit seiner freien Hand;
Soll bringen zu Heil und Ehre frisch
Sein seufzend Mutterland.”

von Ludwig Uhland

Emanuel Geibel - Mein Herz ist wie die dunkle Nacht


h1 25. Juli 2007 19:40 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Mein Herz ist wie die dunkle Nacht

Mein Herz ist wie die dunkle Nacht,
Wenn alle Wipfel rauschen;
Da steigt der Mond in voller Pracht
Aus Wolken sacht -
Und sieh, der Wald verstummt in tiefem Lauschen.

Der Mond, der helle Mond bist du:
Aus deiner Liebesfülle
Wirf e i n e n, e i n e n Blick mir zu
Voll Himmelsruh’ -
Und sieh, die ungestüme Herz wird stille.

von Emanuel Geibel

Otto Julius Bierbaum - Das Mädchen ohne Bräutigam


h1 24. Juli 2007 20:05 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Wenn ich Braut bin, wenn ich Braut bin,
Will ich haben kein weißes Kleid,
Kein weißes Kleid;
Aus schwarzer Seide, so soll es sein,
Aber viele, viele weiße Rosen drein,
Große, weiße Rosen gestickt.
So will ich gehen, so will ich gehen,
Ganz langsam, langsam an den Altar,
Aber rote Rosen, ganz dunkelrote Rosen
Im Haar.

Und mein Brauthemd? Mein Brauthemd?
Wie soll das sein?
Vom allerfeinsten Linnen
Und schneeweiß soll es sein.
Bloß oben am Hals von Spitzen ein Rand
Und unter den Spitzen ein blaßblaues Band.
So soll mein weißes Brauthemd sein.
Und dein Bräutigam, Mädel, wie soll der sein?
Schön und stark soll mein Bräutigam sein,
Nicht gar so baumlang, aber auch nicht klein,
Und nicht schniegelbügelglatt;
Mit den Augen soll er lachen
Wenn er im arm mich hat.

Kennst du so einen?

Gott, bist du dumm! Ich kenne keinen,
Wenn ich einen kennte und hätte ihn lieb,
Mir keine Zeit zum Ausmalen blieb.
Nähm ihn, wie er wäre, ob groß oder klein;
Auch das Brautkleid sollte mir einerlei sein.
Würde nach seinem Auge mich kleiden
In schwarze oder weiße Seiden.
Weiß doch, daß mir alles steht.

So ist dir gar nicht ernst, was du sagst?

Nein bist du dumm, wie so ernst du fragst!
Bloß, daß die Zeit vorübergeht,
Bis er kommt, den ich und der mich mag,
Vermal ich bunt mir so den Tag.
Ach, dann, wenn er da ist, dann, ach, dann,
Mal ich mir weder Kleid noch Mann.
Dann tu ich … Was denn? Hasche mich, du!
Na, so komme doch, lauf doch, greif doch zu!
Gott, bist du langsam! Wenn ihr alle so seid,
Brauch ich niemals ein Hochzeitskleid.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Das Lied vom bißchen Sonnenschein


h1 21. Juli 2007 20:04 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Es ist ein bißchen Sonnenschein,
Auf meinen Weg gefallen,
Da hört ich gleich des Glücks Schalmein
Aus allen Himmeln hallen
Und glaubte gleich,
Das Himmelreich,
Das Himmelreich sei mein.

Der Sonnenschein ist weggeglänzt,
Er galt ncht meinem Wege,
Ich habe mich zu früh bekränzt,
Nun kreischt des Grames Säge:
Der Winter naht,
Der Potentat,
Es hat sich ausgelenzt.

von Otto Julius Bierbaum