August, 2007



Max Dauthendey - Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm


h1 15. August 2007 22:25 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm

Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm,
Sie nehmen den Sonnenschein gern in den Arm.
Der Schnee rund um den Stamm entweicht,
Soweit des Baumes Wurzel reicht.
Die Schneeglocken hocken da rund in Scharen
Begrüßt von den Staren.
Auf graslosem Boden blaß Keim bei Keim,
Beim fahlen Baum duftet’s nach Honigseim,
Es duftet nach Liebe, dem Frost entronnen,
Erste Blüte und letzter Schnee sich dort sonnen.

von Max Dauthendey

Emanuel Geibel - Rühret nicht daran


h1 15. August 2007 19:44 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Rühret nicht daran

Wo still ein Herz von Liebe glüht,
O rühret, rühret nicht daran!
Den Gottesfunken löscht nicht aus -
Fürwahr, es ist nicht wohlgetan!

Wenn’s irgend auf dem Erdenrund
Ein unentweihtes Plätzchen gibt,
So ist’s ein junges Menschenherz,
Das fromm zum erstenmale liebt.

O gönnet ihm den Frühlingstraum,
In dem’s voll ros’gen Blüten steht!
Ihr wißt nicht, welch ein Paradies
Mit diesem Traum verloren geht.

Es brach schon manch ein starkes Herz,
Da man sein Lieben ihm entriß,
Und manches duldend wandte sich
Und ward voll Haß und Finsternis;

Und manches, das sich blutend schloß,
Schrie laut nach Luft in seiner Not
Und warf sich in den Staub der Welt;
Der schöne Gott in ihm war tot.

Dann weint ihr wohl und klagt euch an,
Doch keine Träne heißer Reu’
Macht eine welke Rose blühn,
Erweckt ein totes Herz aufs neu’.

von Emanuel Geibel

Otto Julius Bierbaum - Er verreist und denkt an sie


h1 13. August 2007 20:10 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Schönes Kind, ich denk an dich,
Weil die Geigen klingen
Und im Herzen wunderlich
Stille Stimmen singen.

Schönes Kind, die Geige weiß,
Wie ich dich ersehne,
Darum klingt so schluchzend heiß
Ihre Kantilene.

Schönes Kind, mir bebt das Herz.
O, wie starr das Leben.
Und die Liebe ist der Schmerz.

von Otto Julius Bierbaum

Anna Ritter - Im herbstlichen Wald


h1 10. August 2007 22:37 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Im herbstlichen Wald

Der Herbstwind peitscht verirrten Glockenklang
In böser Luft den Waldessaum entlang,
Bis seine Seufzer todesmüd’ verschweben.
Stumm liegt der Wald. - Kein heller Vogelsang
Umgirrt die Stämme mehr, die ernst und bang
Hinauf zum sonnenlosen Himmel streben. -
Das Buchwerk hält mit knorrigem Geäst
Des letzten Jahres tote Blätter fest,
Und streicht ein Windhauch wimmernd drüber her,
So sieht es aus, als ob ein zuckend Leben
In jenen Resten noch gefangen wär’!
Sie bäumen sich, sie suchen sich zu heben,
Und sinken wieder … qualvoll … todesschwer.

Ihr öden Hallen, einst des Frohsinns Haus,
Und nun so still - ich komm’, euch zu besuchen,
Es wuchs mein G l ü c k im Schatten dieser Buchen
Und mit den Liedern zog es jüngst hinaus!
Auf diesen Wegen, die das Sommerlaub
Dem frechen Blick der Neugier keusch versteckt,
Ging meine Liebe hin!

Nun liegt im Staub,
Was sie behütet! Keine Sehnsucht weckt
Ihr Lachen mehr …

O du verlassner Wald
Verlassnes Herz: getrost, nun kommt er bald,
Der weiße Tod, der eure Not bedeckt
Mit tiefem Schweigen!

von Anna Ritter

Ludwig Uhland - Schäfers Sonntagslied


h1 10. August 2007 22:06 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Schäfers Sonntagslied

Das ist der Tag des Herrn!
Ich bin allein auf weiter Flur,
Noch eine Morgenglocke nur!
Nun Stille nah und fern.

Anbetend knie’ ich hier.
O süßes Graun! geheimes Wehn!
Als knieten viele ungesehn
Und beteten mit mir.

Der Himmel, nah und fern,
Er ist so klar und feierlich,
So ganz, als wollt’ er öffnen sich.
Das ist der Tag des Herrn!

von Ludwig Uhland

Otto Julius Bierbaum - Er springt mit ihr in die Ehe


h1 10. August 2007 20:09 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Es geht ein Wind durchs weite Land,
Drängt Mund an Mund, weht Hand an Hand
Und ist als wie ein Singen.

Hat dich und mich zusammengeweht;
Und wenn er auch mal stille steht:
Wir beide wollen springen.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Er singt


h1 7. August 2007 20:09 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Das Glück weht zwei zusammen,
Der weiche, warme Wind,
Daß wie des Herdes Flammen
Sie gluteneinig sind.

Die Stürme heulen im Schlote;
Laß heulen den gierigen Braus!
Herdfeuer glimmt, das rote,
Und nimmer löscht er aus.

von Otto Julius Bierbaum

Emanuel Geibel - Nachtlied


h1 6. August 2007 19:43 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Nachtlied

Der Mond kommt still gegangen
Mit seinem goldnen Schein,
Da schläft in holdem Prangen
Die müde Erde ein.

Im Traum die Wipfel weben,
Die Quellen rauschen sacht;
Singende Engel durchschweben
Die blaue Sternennacht.

Und auf den Lüften schwanken
Aus manchem treuen Sinn
Viel tausend Liebesgedanken
Über die Schläfer hin.

Und drunten im Tale da funkeln
Die Fenster von Liebchens Haus;
Ich aber blicke im Dunkeln
Still in die Welt hinaus.

von Emanuel Geibel

Max Dauthendey - Der Regen wandert über den Fluß


h1 5. August 2007 22:24 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Der Regen wandert über den Fluß

Der Regen wandert über den Fluß,
Und Wasser durchs Wasser waten muß.
Es ist, als schwimmen die Ufer fort,
So triefend stehen die Berge dort.
Und Regen und Fluß durchs Land hingehn
Und können ihr eigenes Ende nicht seh’n.
So wanderten Sehnsucht und Blut oft zusammen
Und alle Ufer überschwammen.

von Max Dauthendey

Otto Julius Bierbaum - Er merkt etwas


h1 4. August 2007 20:08 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

-: “Ich hab dich lieb” …
Ich hör das so.
Könnt ich es glauben,
Wär ich wohl froh.

-: “Ich hab dich lieb” …
Welch holder Ton!
Wie Geig und Flöte …
Ich hörte ihn schon.

-: “Ich hab dich lieb” …
Sags immer, Kind!
Ich weiß, daß Lügen
Geschenke sind.

von Otto Julius Bierbaum