Oktober, 2007



Richard Dehmel - Schutzengel


h1 16. Oktober 2007 20:22 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Nicht vom Kirchhof will ich Efeu pflücken;
Glänzt von Efeu doch das ganze Dörfchen.
Davon will ich pflücken
Für mein Kämmerchen, -
Spricht der junge, junge Jägersmann.

Guten Tag, du schönes, schönes Mädchen.
Gib mir doch dein liebes, liebes Händchen.
Weißt, ich suche Efeu
Für mein Kämmerchen; -
Darf ich wohl von deinem Efeu p f l ü c k e n ?

Komm herein, du schöner, schöner Jäger.
Will dir vielen, vielen Efeu geben …
Hinten um mein Fenster,
Um mein Kämmerchen,
Schmiegt sich dicht der dunkle, dunkle Efeu.

Kommt das kleine Brüderchen gelaufen:
Schwesterchen, was w i l l der große Jäger? -
Und ich küßt’ es auf die reine Stirne
Und ging still nach Hause
In mein Kämmerchen:
Ich, der junge, junge Jägersmann …

von Richard Dehmel

Richard Dehmel - Mondnacht


h1 13. Oktober 2007 20:22 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Silbern vom Gewölk ins Land,
kühlend fließt die Flut
Aus des Mondes milder Hand,
Dämpfend alle Glut.

Durch den Wald ein Schimmer schwebt
Tauchet in den Fluß
Und das schwarze Wasser bebt
Unter seinem Kuß.

Hörst du, Lieb? Die Welle fleht:
Küsse, küsse mich.
Und von Schauern sanft umweht,
Sanfte küss’ ich dich.

von Richard Dehmel

Otto Julius Bierbaum - Zuversicht


h1 7. Oktober 2007 20:20 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Dich zu lieben, das wird Ruhe sein,
Hand in Hand, getrost und ohne Bangen;
Kein Verzagen -: Glauben; kein Verlangen -:
Frucht und Friede, Freiheit und Verein.

Aber Lust wird in der Ruhe sein
Sommerlust, ein Schauen und Genießen,
Jene Lust der windbewegten Wiesen,
Die voll Blumen sind und still gedeihn.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Was eigentlich die Kleine will,


h1 4. Oktober 2007 20:20 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Was eigentlich die Kleine will,
Das mag der Teufel wissen!
Bald guckt sie mich gar glühend an,
Als wär sie hingerissen.
Wovon? Wozu? Ich ahn es nicht;
Der Teufel mag es wissen.
Dann aber wieder macht sie mir
Ein Lärvchen, furchtbar sauer,
Daß mirs durchs ganze Rückenmark
Hinfährt wie kalter Schauer.
Weshalb? Warum? Ich weiß es nicht,
Bin immer gleich beflissen.
Was eigentlich die Kleine will:
Der Teufel mag es wissen.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Wartelohn


h1 1. Oktober 2007 20:19 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Morgenjunge Herrlichkeit,
Hell die Welt und frisch der Wind,
Wartend klopft mein Herz geschwind -:
Eine Minute schon über die Zeit!
Ach, wie oft schon sagt ich’s, Kind:
Pünktlichkeit!
Und ich spähe augenweit,
Und ich schaue fast mich blind,
Ist das Mädel nicht gescheit?
Zehn Minuten schon über die Zeit!
Soll ich ein Ewigkeit
Warten und sehnen!? - Langsam rinnt
Der Minuten Folge, breit
Wie ein Teerstrom. - Zeit, o Zeit!
Deine Minuten wie Stunden sind! …
Sieh, da flattert ihr blaues Kleid,
Flattert im Wind!
Alles Warten ist verschwunden,
Hat sich Mund auf Mund gefunden,
Blick in Blick sich eingesenkt.
Dehnten jetzt sich die S e k u n d e n
Aus zu langen Dämmerstunden,
Wärs kein Umstand, der uns kränkt,
Da der Wind mit leisem Neigen
Ein Panier aus Frühlingszweigen
Über unsern Küssen schwenkt.

von Otto Julius Bierbaum