Erotische Gedichte



Sturmnacht - Hugo von Hoffmannsthal


h1 18. Februar 2010 21:56 - Gedicht eingereicht von romantikerin
Sturmnacht

Die Sturmnacht hat uns vermählt
In Brausen und Toben und Bangen:
Was unsre Seelen sich lange verhehlt,
Da ist’s uns aufgegangen.

Ich las so tief in deinem Blick
Beim Strahl vom Wetterleuchten:
Ich las darin mein flammend Glück,
In seinem Glanz, dem feuchten.

Es warf der Wind dein duftges Haar
Mir spielend um Stirn und Wangen,
Es flüsterte lockend die Wellenschar
Von heißem tiefem Verlangen.

Die Lippen waren sich so nah,
Ich hielt dich fest umschlungen;
Mein Werben und dein stammelnd Ja,
Die hat der Wind verschlungen …

Hugo von Hofmannsthal (1890)

Gerechte Strafe - Ludwig Thoma


h1 15. Februar 2010 21:36 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Gerechte Strafe

Hierzulande war ein Gymnasiste,
Welcher sich mit Namen Hans behieß,
Und bewirkt’, daß man aus Bildungskreisen
Ihn zum Bürgerstand hinunterstieß.

Denn an einem Mittwoch Nachmittage
Schlich er sich in einem Restorang,
Wo er eine rote Mütz’ aufsetzte
Und von seiner Burschenfreiheit sang.

Dieses hörte jählings ein Professor,
In der Köchin ihrem Schlafgemach.
Hier vernahm er das Verbindungswesen
Und er ging dem Sachverhalte nach.

Leider fand man eine Kneipenzeitung,
Die den Jugendfreund empören muß,
Denn es zeigten sich die Gymnasisten
Ganz vertraut schon in Geschlechtibus.

Der Herr Rektor hat am Leib geschlottert,
Als er las so deutlich und verrucht,
Was er selbst in seinen jungen Jahren
Nur in aller Heimlichkeit gesucht.

Und er ging mit tief empörten Schritten,
Zum Minister, der es staunend las,
Und bei dem moralischen Entsetzen,
Was er selbst getrieben, ganz vergaß.

Aus der Schule wurde Hans verwiesen,
Weil man ihn hierfür zu schlecht befand,
Und er mußte wegen Sittenroheit
Ohne weitres in den Kaufmannstand.

(Ludwig Thoma, 1867-1921)

Gleichgültigkeit - Ludwig Thoma


h1 15. Februar 2010 07:39 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Gleichgültigkeit

Als ich gestern lag in meinem Bette,
Klopfte es so gegen Mitternacht.
Meine Meinung war, es sei Jeannette,
Und natürlich hab’ ich aufgemacht.
Leise kam es jetzt hereingeschlichen,
Setzte sich an meines Bettes Rand,
Hat mir über meinen Kopf gestrichen
Mit der ziemlich großen, dicken Hand.
Doch ich merkte bald an ihren Formen:
Dieses Weib ist ja Jeannette nicht,
Deren Hüften nicht von so enormem
Umfang sind und solchem Schwergewicht.
Trotzdem schwieg ich. Denn ich überlegte:
Nicht das Wer, das Wie kommt in Betracht,
Außerdem, die Absicht, die sie hegte,
War entschieden löblich ausgedacht.
Was bedeutet dieserhalb ein Name?
In der Liebe ist das einerlei.
Man verlangt nur, daß es eine Dame
Und von angenehmem Fleische sei.

(Ludwig Thoma, 1867-1921)

Gottesgericht - Ludwig Thoma


h1 4. Februar 2010 21:32 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Gottesgericht

Ein Enterich hat jüngst im Freien
Der Liebe ohne Scheu gefrönt.
Natürlich waren sie zu zweien,
Und was sie taten, ist verpönt.

Er hatte das Rezept gefunden
Zu jenem alten Wonnespiel,
Wobei er oben und sie unten
Ins Auge des Betrachters fiel.

Ha! Wie ihm alle Sinne schwinden,
Da schien es manchem offenbar,
Daß jedes ethische Empfinden
In diesem Tier erloschen war.

Ein solches Beispiel öffentlicher
Verdorbenheit kommt selten vor.
Doch Gottes Mühlen mahlen sicher,
Hier war es ein Benzinmotor.

Das Rad zerquetscht sie in der Rinne
Und preßt den Enterich auf sie,
Es war wohl in gewissem Sinne
Auch eine Schicksalsironie.

(Ludwig Thoma, 1867-1921)

Das Ärgernis - Ludwig Thoma


h1 31. Januar 2010 10:29 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Das Ärgernis

Was ist das doch in diesen Tagen
Ein Summen, Surren, Hasten, Jagen!
Am Boden welch ein froh Gewühl!
Ein jeder Käfer zeigt Gefühl
Und muß sein Weibchen wild umfassen.
Die ganze Welt ist ausgelassen,
Und jedes Tier begreift sein Leben
In Liebe nehmen, Liebe geben.
Das ist ein Werben, Jubeln, Klagen
In diesen schönen Frühlingstagen!

Ein Ochse steht am Wiesenrand,
Und sein kastrierter Viehverstand
Muß unberührt von diesem Treiben
Und dieser Sinnenfreude bleiben.
Er fühlt im Fressen sich gestört
Von allem, was er sieht und hört.
Da wird gejagt und wird getanzt
Und sich ganz einfach fortgepflanzt!

Das unbekümmerte Gewühl
Verletzt sein tiefstes Schamgefühl.
Wie kann es nur der Schöpfer sehen,
Daß solche Dinge hier geschehen?!
Ihm kommt es ganz abscheulich vor,
Und klagend blickt sein Aug’ empor.
– Ja, ja! Man sieht ’s dem Ochsen an:
Das Rindvieh ist ultramontan.

(Ludwig Thoma, 1867-1921)

Karneval - Ludwig Thoma


h1 15. Januar 2010 10:24 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Karneval

Väter, hört mich, Mütter, hört die Mahnung,
Jetzt kommt wieder jene Zeit - versteht! -,
Wo so manche Tugend ohne Ahnung
Der Besitzerin abhanden geht.

Beutesuchend schleicht umher das Laster;
Wer ist sicher, dass ihm nichts geschieht,
Wenn man jetzt der Busen Alabaster
Und beim Hofball auch die Nabel sieht?

Von den Blicken kommt es zur Berührung,
Irgendwo zu einem Druck der Hand,
Und so manches Mittel der Verführung
Sei aus Scham hier lieber nicht genannt!

Wenn an hochgewölbte Männerbrüste
Sich das zarte Fleisch der Mädchen drängt,
Regen sich von selbst die bösen Lüste
Und was sonst damit zusammenhängt.

Darum Eltern, wenn die Geigen klingen
Und die Klarinette schrillend pfeift,
Hütet eure Tochter vor den Dingen,
Die sie hoffentlich noch nicht begreift!

(Ludwig Thoma, 1867-1921)

Am Busen der Natur - Ludwig Thoma


h1 6. Januar 2010 08:09 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Neulich ist mein Alter
Mit mir promeniert,
Und er hat mich schleunig
Auf das Land geführt,
Weil man dort, so sagt er,
Noch das Echte sieht,
Was uns stärkt fürs Leben
Und dabei erzieht.

Auf ein Schwalbennestchen
Hat er hingespitzt,
Wo die Schwalbenmutter
Auf den Eiern sitzt.
Siehst du, Wally, sagt er,
Dieses ist Natur;
Nimm an diesem Tierchen
Dir ein Beispiel nur.

Lerne hier begreifen
- ’s wäre höchste Zeit -,
Daß den wahren Segen
Bringt die Häuslichkeit.
Nicht in Kleidern, sagt er,
Suche all dein Glück,
Kehre reuig wieder
Zur Natur zurück!

Als wir weitergingen,
Blieb ich plötzlich stehn,
Denn ein schönes Schauspiel
Hab’ ich da gesehn.
Sieben Hennen standen
Um den Gockelhahn,
Eine jede hatte
Ihre Freud’ daran.

Siehst du, Adolf, sagt’ ich,
Dieses ist Natur,
Nimm an diesem Tierchen
Dir ein Beispiel nur!
Wenn das Echte wirklich
Uns erzieht und stärkt,
Warum, Adolf, fragt’ ich,
Hab’ ich nichts gemerkt?

(Ludwig Thoma, 1867-1921)

Ein Blick ins Damenbad - Ludwig Thoma


h1 4. Januar 2010 21:08 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Nicht all und jedes, meine Beste,
Ist reizend, was Ihr Kleid verhehlt.
Denn manches, was das Mieder preßte,
Wird schwabbelig, wenn dieses fehlt.

Ein hübscher Stiefel, schöne Strümpfe
Beschwindeln uns oft sonderbar.
Man sieht mit Schrecken, daß die Nymphe
Gespickt mit Hühneraugen war.

Ich spreche nicht von Hinterfronten,
Die, ungebührlich aufgebauscht,
Uns nur so lang bezaubern konnten,
Als schwere Seide sie umrauscht.

Das Nackte kann die Tugend stärken,
Und vieles reizt uns nur umflort.
Ich konnt’ es durch die Wand bemerken,
Als ich ein Loch hineingebohrt.

(Ludwig Thoma, 1867-1921)

Die verhassten Stacheln


h1 3. Dezember 2009 19:15 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Was spitz und stachlicht ist, das hasst das Frauen-Zimmer
Es schreit, wenn ihre Hand ein scharfes Ding berührt,
Wenn es die Rosen bricht, schilt es die Stacheln immer,
Die deren Purpur-Zier zur Wache bei sich führt.
Das Honig liebt es zwar, doch aber nicht die Bienen,
Deren scharf Gewehr oft ihre Haut verletzt,
Es liebt das weiche Blatt der glänzenden Jesminen,
Die Dornen aber nicht, die in den Zaun gesetzt.
Die Nadel muss ihm zwar im Putze Dienste leisten,
Allein die Spitze ist, sobald sie sticht, veracht’.
Dies ging’ noch alles hin, doch kränkt uns dies am meisten,
Dass unsers Mundes-Zier auch wird dazu gemacht.
Sie mögen herzlich gern von uns die Küsse nehmen,
Wenn unser Mannheit-Schmuck nicht um die Lippen steht,
Denn aber will der Mund sich nicht dazu bequemen,
Wenn ihnen nur der Bart in ihre Haut eingeht.
Sind aber, Kinder, euch die Stacheln auch verhasset,
Die eurer Jungfernschaft den lieben Tod antun?
Nein! denn er wird von euch an solchem Ort gefasset,
Dass ihr im Stechen könnt in süßer Wollust ruhn.
Der Stachel ists, der euch alleine will gefallen,
Da ander Stacheln euch zumahl verhasset sein,
Den Stachel liebet ihr an uns vor andern allen,
Weil er so zärtlich sticht euch eine Wunde ein.
Allein, ihr seid betört, dass ihr den Stachel liebet,
Der mit dem süßen Stich euch allzu schädlich ist,
Gesetzt, dass euch ein Dorn, ein Bart Verletzung giebet,
So stirbt die Ehr doch nicht, die bald das Grab-Mahl küsst.
Hasst doch die Stacheln nicht, die euch nicht schaden können,
Vertragt der Dornen Stich des Bartes auch darbei,
Der Schmerz, der davon kommt, pflegt leichte zu zerrinnen,
Und glaubt, der süsse Stich macht viel Beschwererei.

Autor: Celander (um 1700)

Lieben und geliebet werden ist das höchste Vergnügen


h1 2. Dezember 2009 19:13 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Was ist Vergnüglichers im ganzen Rund der Erden,
Als Lieben und zugleich mit Ernst geliebet werden?
Was ist Annehmlichers als ein ambrierter Kuss,
Den reine Liebe schenkt aus innerm Herzen-Fluss?
Was ist erquickender als schöne Brust-Granaten,
Worinnen Milch und Blut zur Kühlung hingeraten?
Was ist Bezaubernders als der gewölbte Schoß,
Der uns entzücket, macht der satten Sinnen los?
Was ist verzuckerter als feuriges Umhalsen,
Das Honig-Kuchen macht aus bittern Wermuts-Salzen?
Was ist anmutiger als ein polierter Leib
Von zartem Helfenbein zur Nächte Zeit-Vertreib?
Was ist Gewünscheters, als Leib an Leiber leimen,
Und feuchten Perlen-Tau in Liebes-Muscheln schäumen?
Was ist entzückender als in der Muschel ruhn,
Wo Lust und Kitzelung der Wollust Tor auftun?
Was ist begierlicher, als da den Eintritt nehmen,
Wo Perl und Perlen-Milch das seichte Feld besämen?
Nichts ist Vergnüglichers, nichts, das mehr Wollust schafft,
Als wenn nur gleicher Will in beider Herzen haft’.
Nichts ist, das mehr erquickt, das mehr die Geister blendet,
Als wenn man seine Brunst im Schoß zur Kühlung sendet,
Nichts ist verzuckerter, nichts kommt gewünschter an,
Als wenn man in der Lieb sich recht ergötzen kann.

Autor: Celander (um 1700)

Rezepte für Sexy Alkoholfreie Cocktails - Leckere erotische Drinks!





Erotische Gedichte