Liebesgedichte von Ahlefeld



Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Beim Abschied


h1 31. Oktober 2009 11:43 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Beim Abschied

Wirst Du in der Ferne mein gedenken,
Wenn die Welt geräuschvoll Dich zerstreut?
Wirst Du oft mir stille Stunden schenken,
Der Erinnrung unsres Glücks geweiht?

Wird kein neues Band mir Dein Vertrauen,
Keines Deine Liebe mir entziehn?
Kann ich ganz auf Deine Treue bauen,
O so nimm mein Herz auf ewig hin!

Immer bleibt es zärtlich Dir ergeben,
Auch wenn nie mein Blick Dich wiedersieht.
Wenn getrennt von Dir mein trübes Leben
Wie ein Seufzerhauch vorüber flieht.

Ach so viele heucheln nur Gefühle
Einer nie gekannten Innigkeit;
Und in dem zerstreuenden Gewühle
Endet schnell der Schwur der Ewigkeit.

Darum will ich nicht Dir Treue schwören,
Aber fest und liebend halt’ ich sie,
Und die Zukunft soll Dir ewig lehren
Deiner Freundinn Herz vergißt Dich nie.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Sehnsucht im Frühling


h1 29. Oktober 2009 11:39 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Sehnsucht im Frühling 

Wenn Philomelens bange Liebesklage
Mir neu ertönt im leisen Pappelhain,
Da denk’ ich sehnend der vergangnen Tage,
Und seufze schmerzlich: ach, ich bin allein!

O fühltest Du mit mir das warme Leben,
Das neu erwacht, rings um mich her sich regt,
Das Leben der Natur, die mit dem ew’gen Streben
Im Jugendglanz sich jetzt empor bewegt.

Denn zwiefach schön war mir des Jahres Morgen
Mit seinem holden Lächeln neben Dir.
O banne schnell der Liebe leise Sorgen,
Und eil’ auf ihren Flügeln her zu mir.

Dann will ich Dir die schönsten Kränze binden,
Die mir des Frühlings bunter Segen beut.
Gesellig soll sich Epheu um sie winden,
Das als der Treue Sinnbild Dich erfreut.

Nur dann, wenn ich Dich freudig wiedersehe,
Entschlummert sanft in mir der Sehnsucht Schmerz,
Er flieht mich nur in Deiner theuren Nähe,
Denn Du allein beglückst und füllst mein Herz.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Der arme Fischer


h1 29. Oktober 2009 11:33 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Der arme Fischer
Wenn des Flusses klare Wellen
Mondbeglänzt vorüberziehn,
Schau ich trübe nach den hellen
Fenstern ihres Schlosses hin.

Und es zittern bange Schauer
Mir durch Mark und durch Gebein,
Denn in hoffnungsloser Trauer
Muß ich mich der Sehnsucht weihn.

Ach ich kann sie nicht erreichen! –
An der Gluth, die mich zerstört,
Wird mein Leben bald verbleichen,
Ungeliebt und ungehört.

Seit mein Auge sie gesehen,
Ist verwandelt mein Gemüth,
Und ich muß vor ihr vergehen,
Wie ein Frühlingstag verblüht.

Seht, mein leichtes Fahrzeug schwanket
Nicht mehr munter auf der Fluth,
Denn der Fischer ist erkranket
Und erloschen ist sein Muth.

O wie freudig wollt’ ich sterben,
Könnt’ ich nur im Tode mir
Einen Blick der Huld erwerben,
Eine Thräne nur von ihr!

Aber ach, auf ihrer Höhe
Ahnet wohl die Stolze nicht,
Dass für sie in stummen Wehe
Bald das Herz des Fischers bricht.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Vergänglichkeit


h1 28. Oktober 2009 11:17 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Vergänglichkeit
Vergänglich ist das festeste im Leben -
Was trauerst Du, daß Liebe auch vergeht?
Laß sie dahin in’s Reich der Zeiten schweben,
Leicht, wie des Lenzes Blüthenhauch verweht.

Doch halte fest ihr Schattenbild im Herzen,
Und segne dennoch freudig Dein Geschick,
Schließt auch sich eine Reihe bittrer Schmerzen
An Deines Glückes kurzen Augenblick.

Du hast gelebt, denn Liebe nur ist Leben!
Sie nur allein webt um den dunklen Traum,
Dem wir den Nahmen unsers Daseyns geben,
Der höchsten Wonne glanzerfüllten Saum.

So zürne nicht des Schicksals finstern Mächten,
Wenn sie des Lebens Sonne Dir entziehn.
Nicht ewig läßt sie sich in unsre Bahn verflechten,
Ach, sei zufrieden, daß sie einst Dir schien.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Die Geschenke


h1 27. Oktober 2009 11:11 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Die Geschenke
Um in der Ferne meiner zu gedenken,
Bedarfst Du wohl der äußern Zeichen nicht.
In Deiner Brust unsterblich mich zu denken,
Macht mir Dein Schwur zu ewig heil’gen Pflicht,
Und doch darfst Du die Gaben nicht verschmähen,
Womit ich wünsche Dich geschmückt zu sehen.

So nimm den Ring von meinem Haar umgeben
Und laß ihn nie von Deiner theuern Hand;
Er sei Dein Talisman im wilden Leben,
Und der Erinnrung goldnes Unterpfand;
Und auch noch dann wenn jede Hoffnung schwindet,
Sei er der Kreis, der magisch uns verbindet.

Und nimm die Uhr, die Dir mit leisem Schlage
Verklungne Stunden wiederholen kann:
Ach hätte sie die Macht, vergangne Tage
Uns zu erneun, wie kostbar wär’ sie dann!
Doch an die Flucht der Zeit darf sie Dich mahnen,
Und eine bessre Zukunft wird Dir ahnen.

Die Nadel nimm, geziert mit Edelsteinen,
Und trage sie an Deiner treuen Brust.
Sie wird der Welt als leerer Schmuck erscheinen,
Denn fremd ist ihr die schmerzlich süße Lust,
Womit die Liebe sucht, in holden Bildern
Der reinen Gunst, des Scheidens Weh zu mildern.

Bewahre heilig, was ich Dir gegeben,
Denn ach – wer weiß, ob wir uns wiedersehn;
Ob unsre Wege durch das weite Leben
Nicht nach verschiednen, öden Zielen gehn,
Wo fern von Dir, in still verschwiegnen Thränen,
Mich heimlich aufzehrt meines Herzens Sehnen.

So nimm sie denn, die freundlichen Geschenke,
Die Dir des Abschieds dunkle Stunde bringt.
In der Erinn’rung theure Schatten senke
Den nassen Blick, wenn Dich der Gram bezwingt,
Dann wird mein Bild Dich liebevoll umschweben,
Und die Vergangenheit auf’s neue Dir beleben.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Dora’s Abendlied


h1 26. Oktober 2009 11:06 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Dora’s Abendlied
Still tritt der Mond in weiter Himmelsferne
Aus des Gewölkes nächtlich grauem Flor,
In goldner Reinheit schimmernd jetzt hervor,
Umgeben von dem hellen Chor der Sterne;
Ihn, den ich mir zum Freunde auserkohr,
Ihn, dem ich klagte, was ich längst verlohr,
Begrüßt mein Blick in stiller Nacht so gerne.

Er leuchtet freundlich mir statt aller Kerzen,
Strahlt leisen Trost in die beklommne Brust,
Und schenkt in Thränen mir der Wehmuth Lust.
Wer nimmt des Kummers Last von meinem Herzen,
Wer hat um ihren Umfang je gewußt! -
Ach tief verschlossen in der wunden Brust
Ist all’ mein Weh – sind alle meine Schmerzen.

Du, den ich längst nicht mehr zu nennen wage,
Und dessen Bild mich dennoch stets umschwebt!
Du, der im Innern meines Herzens lebt,
Wo ich nur Dich, und Schmerz und Sehnsucht trage,
O wenn Dein Blick hinauf zum Himmel strebt
Und holde Träume Dir der Mondschein webt,
So denk’ auch Du an unsres Glückes Tage.

Sie sind dahin – in weite Ferne bannte,
Von Dir getrennt, mich grausam mein Geschick.
Erloschen ist in Thränen nun der Blick,
In dem sonst Muth und Hoffnung lodernd brannte.
Der ersten Liebe nahmenloses Glück
Rief meines Schicksals Stimme ernst zurück,
Eh’ ich des Lebens vollen Werth erkannte.

Seitdem verhüllt mit ihrem schwarzen Schleier
Die Schwermuth mir die weite offne Welt;
Des Himmels hehres, sternbesäetes Zelt,
Des Mondes Glanz, der oft in stiller Feier
Der Nächte ödes Dunkel mir erhellt,
Und ahnungsvoll die bange Brust mir schwellt,
Eröffnet nur mein Herz der Wehmuth freier.

Ist mir auf ewig jenes Glück verschwunden?
Ist schmerzliches Entbehren nur mein Loos?
Und wird allein des Grabes finstrer Schooß
Mich schützen vor des Leidens bangen Stunden,
So reiße schnell mich von dem Leben los,
Willkommner Tod, denn in der Erde Schooß
Verbluten sanft des Herzens tiefe Wunden.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Frühling ohne Wiederkehr


h1 25. Oktober 2009 10:57 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Frühling ohne Wiederkehr 

Lieblich ist des Lenzes erstes Lächeln,
Wenn in Blüthenbäumen laue Luft sich wieget,
Und des Baches eisbefreite Welle
Nicht mehr stockend, durch die Fluren rinnt.

Dann ermuntern sich zu neuem Leben
Die verblichnen Wiesen aus dem Winterschlafe,
Und das Gras wacht auf, und decket träumend
Wiederum den Schooß der Mutter Erde.

Und die Blumen öffnen ihre Kelche -
Alle die im späten Herbste starben
Richten sich aus ihrem dunklen Grabe
Neu empor im Glanz der Auferstehung.

O Natur – wie milde giebst Du wieder
Was Dein feierlicher Gang zerstöret.
Fest im stillen, ewig gleichen Kreislauf,
Folgt auf Deinen Ernst ein mildes Lächeln.

Nicht Vernichtung, nur ein leiser Schlummer
Hält des Frühlings holde Lust gefangen;
Bald, bekränzt mit Veilchen, kehrt er wieder
Süß umhallt von Nachtigallentönen.

Doch wann kehrt der Liebe Frühling wieder?
Ach, verscheucht hat ihn die Nacht der Trennung
Und der Winterschauer einer ew’gen Ferne
Tödtet rauh das zarte Grün der Hoffnung.

Des Beisamenlebens Stundenblumen
Starben hin im Seufzerhauch des Abschieds.
Kummervoll benetzt von heißen Thränen,
Sind der Freude Rosen längst verblichen.

Keine Sonne wird sie neu erwecken -
Keines Wiedersehens goldner Schimmer
Winkt des Glückes lichterfüllte Tage
Aus dem Grabe der Vergangenheit hervor.

Traurig zieht der Jahreszeiten Wechsel
Meinem still umwölkten Blick vorüber.
Ach es folgt der Frühling auf den Winter,
Aber nimmer kehrt der Liebe Frühling wieder!

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Der Mond und Er


h1 24. Oktober 2009 10:53 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Der Mond und Er 

Lächelndes schönes Gestirn, zu Deiner unendlichen Höhe
Wend’ ich den traurigen Blick, und er erheitert sich oft.
So auch erheb’ ich zu Ihm die schwermuthsvollen Gedanken,
Und dann scheint mir die Welt nicht mehr ein Kerker zu seyn.

Freundlich winkt mir sein Bild, wenn ich Dich einsam betrachte.
Still und schweigend wie Du, wandelt Er ferne von mir.
Aber es nahet mir hold auf muthlos umdämmerten Bahnen,
Sanft wie Dein leuchtender Schein, seiner Erinnerung Gruß.

Unerreichbar bist Du, o Mond, in der Ferne des Himmels,
Dennoch verklärst Du die Nacht still mit erquickendem Glanz;
So erfüllet auch Er mit Licht und Kraft mir den Busen,
Ewig mir ferne wie Du, ist er dem Geiste doch nah.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Ahndung


h1 23. Oktober 2009 10:49 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Ahndung 

Laue Lüfte säuseln,
Und die Wellen kräuseln
Flüsternd sich im Meer;
Mondenstrahlen beben
Auf der Fluth und schweben
Glänzend hin und her.

Holde Melodieen
Aus der Ferne ziehen
Klingend durch die Nacht;
Und die Espen zittern,
Wie in Ungewittern
Wenn der Sturm erwacht.

Ist es Geisternähe,
Die mit Wohl und Wehe
Schauernd füllt mein Herz?
Steigen Engellieder
Aus den Lüften nieder,
Lindernd meinen Schmerz? -

Süße Fantasieen,
Eilet nicht zu fliehen,
Labt den matten Sinn.
Ach in höh’re Räume
Ziehn der Ahndung Träume
Mitleidsvoll ihn hin.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Für Dich


h1 22. Oktober 2009 10:45 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Für Dich
Kennst Du das Wort, das allgewalt’ge Schwingen
Dem Geiste leiht, das schwerste zu vollbringen?
Das göttergleich, gesunknen Muth befeuert,
Und starke Kraft in schwacher Brust erneuert?
Das bittre Opfer, sonst dem Schmerz geweiht,
Für mich erhöht zur höchsten Seeligkeit?
Kennst Du das Wort, dem nie ein andres glich?
Der Liebe Losung ist’s, es heißt: Für Dich!

Für Dich dem Tode still mich hinzugeben,
Dünkt süßer mir, als ohne Dich zu leben.
Doch knüpfte auch, im innigsten Vereine,
Mein Schicksal liebevoll sich an das Deine,
So würd’ ich dennoch gern von Daseyn scheiden,
Befreite Dich mein Tod von Schmerz und Leiden,
Und selbst in banger Qual beglückte mich
Des Zauberwortes Himmelsklang: Für Dich!

von Charlotte von Ahlefeld





Liebesgedichte von Ahlefeld