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Liebesgedichte von Ahlefeld



Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Sehnende Erwartung


h1 21. Oktober 2009 10:37 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Sehnende Erwartung 

Es lärmt der Markt – Geräusch erfüllt die Straßen,
Die Glocke klingt, die Thür geht auf und zu,
Und fremde Stimmen, fremde Schritte schallen
Dem lauschenden, getäuschten Ohr entgegen,
Das jedem Selbstbetruge freudig glaubt.

Doch ach umsonst! es regt sich frohes Leben,
Und Thätigkeit im tosenden Gedränge
Der lauten Stadt, die – wie ein wogend Meer
Den isolirten Felsen rings umspühlt -
Mich Einsame umgiebt. – Ach Deine Stimme
Vernehm’ ich nicht – harmonisch würde dann
Das wild verworrene Geräusch mich grüßen,
Das jetzt betäubend mir die Brust beklemmt.
Zerstreuung möcht’ ich im Gewühle suchen,
Doch mitten unter Menschen fühl’ ich mich allein
Mit Deinem Bilde, das in meiner Seele
Mild wie der Mond in ew’ger Klarheit strahlet.
Ja, immer stehst Du vor mir, rein und liebend,
Für mich der Inbegriff des höchsten Glücks.
Aus Deinem Ernste saug’ ich meinen Schmerz,
Begeistrung weht Dein Athem mir entgegen
Und neuen Muth erweckt in mir Dein Blick.

O weile nicht – der Trennung finstre Wolken
Umziehen bald den Horizont des Lebens
Und weite Ferne drängt sich zwischen uns.
So gönne mir die letzten, goldnen Strahlen,
Die meine dunkle Bahn mir noch erhellen.
Denn schnell entflieht die Zeit – auf ihren Schwingen
Nimmt sie die Blüthen unsers Daseyns mit,
Und nur die Reue bleibt, die um versäumte Stunden
Den Trauerflor vergebner Wehmuth breitet.
O laß ihr keinen Augenblick verhüllen,
Den wir dem Schicksal abgewinnen dürfen,
Und eile sehnend, wie ich Dich erwarte,
Dem Herzen zu, das Dir entgegen schlägt.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Die Verlassene


h1 21. Oktober 2009 10:30 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Die Verlassene 

Erklinge still, du Lied der treuen Liebe,
Nur Seufzerhauch sey deine Melodie.
Kein lauter Klang darf sich mit dir vermählen,
Denn leise nur spricht die Melancholie.

Erbebt, ihr Saiten innerer Gefühle,
Bei der Erinn’rung wundersüßem Schmerz,
Bei dem Gedanken der vergangnen Zeiten,
Und wiegt in Schlummer das erregte Herz.

Wo bist du hin, du Stunde des Entzückens,
Als seines Auges klarer Himmelsstrahl,
Wie Sonnenlicht in eines Kerkers Dunkel,
Sich in die Tiefe meiner Seele stahl?

Wo bist du hin, als seiner Stimme Zauber
Zum erstenmahl mein bebend Herz durchdrang
Und räthselhafter Ahndung leises Tönen
Mir im bewegten Busen tief erklang? -

Ach du entflohst – doch schön’re Stunden kamen,
Die Scheu verschwand, ein ruhigeres Glück
Entblühte mir in der geliebten Nähe,
Und rief den innern Frieden mir zurück.

Da wagt’ ich’s erst mir selbst es zu gestehen,
Daß ich ihn liebte, und in seinem Blick
Lag mir, im Glanz der Hoffnung aufgeschlossen,
Die Zukunft, und ein lächelndes Geschick.

Und mich durchschauerte, wie eines Gottes Nähe,
Sein ernstes Wort, das Liebe zu mir sprach.
Ein Echo, das in meinem Innern wohnte,
Klang jede Sylbe seiner Rede nach.

Er mußte scheiden – viele Monden schwanden,
Mein trauernd Herz erhielt sich ihm getreu.
Still flossen meine Tage hin, wie Thränen,
Und meine Liebe blieb mir immer neu.

Da kehrt’ er wieder – zitternd ihm entgegen
Zu fliegen, und an der geliebten Brust
Ein freudiges Willkommen! ihm zu stammeln,
Schien mir des Daseyns höchste, reinste Lust.

Doch nun verstummet, leise Klagetöne,
Erneuert nicht den ewig heißen Schmerz.
Es kehrte die Gestalt des Freundes wieder,
Doch ach – erkaltet war für mich sein Herz.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - An den Abendstern


h1 20. Oktober 2009 10:25 - Gedicht eingereicht von romantikerin

An den Abendstern 

Du blickst so lächelnd auf mich nieder,
Du heller, lieber Abendstern,
Als hörtest Du die leisen Lieder
Der ahnungsvollen Schwermuth gern.

Wenn alles schläft, erweckt die Feier
Der stillen Nacht wie Melodie
Der Sehnsucht Klage, und ihr Schleier
Verräth die heißen Thränen nie.

Dann strahlst Du, holder Himmelsfunken,
Mir Trost in’s kranke Herz herab,
Und es ersteht mir, wonnetrunken,
Die Hoffnung aus der Zeiten Grab.

Oft schon, wenn ich mit heißem Sehnen
Begrüßte meiner Liebe Bild,
Da lachtest Du in meine Thränen
Und machtest meinen Kummer mild.

Oft, wenn ich mich des Lebens freute,
Da folgte Himmels blauer Weite,
Wie Freundesblick, Dein Silberschein.

Und es bewegte ernst und leise
Mit wunderbarer Ahnung mich,
Wenn in dem ewig festen Gleise
Dein reiner Schimmer still erblich.

Du schienest dann mir zuzuwinken:
“Leb’ wohl, bis wir uns wiedersehn!
“Jetzt muß mein letztes, mattes Blinken
“Im Morgenduste untergehn!”

Noch weilt mein Auge mit Vertrauen
Auf Deinem hohen, fernen Licht;
O möchtest Du doch ahnend schauen,
Was seine stumme Bitte spricht.

Wenn Er – Du weißt ja, wen ich meine -
Sein Auge still zu Dir erhebt,
So grüß’ ihn mit dem schönsten Scheine,
Daß freudiger sein Herz erbebt.

Und strahl’ ihm süßen, reinen Frieden;
Ach nimm den meinigen dazu!
Und ist ihm einst ein Schmerz beschieden,
So glänz’ ihm Hoffnung, Muth und Ruh.

Und stets, Du freundlichster der Sterne,
Erheitre ihn mit Deinem Licht,
Und sag’ ihm leis’: auch in der Ferne
Vergißt Dich Deine Freundin nicht!

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - An meinen Lieblingsbaum


h1 19. Oktober 2009 10:21 - Gedicht eingereicht von romantikerin

An meinen Lieblingsbaum 

Die Träume, die in stillen Feierstunden,
Die dunkler Schatten mir so oft verlieh,
Die süße Ruh, die ich bei Dir gefunden,
Mein Lieblingsbaum, o die vergeß’ ich nie!

Oft sah ich neben Dir die Sonne untergehen,
Entzückt von ihres Anblicks Majestät.
Oft hat des Herbstes lindes, kühles Wehen
Mit Deinem bunten Laub mich übersäet.

Vor meinen Blicken schwebten holde Bilder,
Im lichten Glanz der Jugendfantasie,
Da träumt ich mir des Schicksals Härte milder,
Und jeder Mißton wurde Harmonie.

Und liebend grub ich einst in Deine Rinde
Den Nahmenszug, der in mir brannte, ein;
Auch darum wirst Du mir, Du stille Linde,
Vor allen Bäumen ewig theuer seyn.

Wenn sich in Deinen blüthenvollen Zweigen
Des Westes leiser Odem kaum bewegt,
Fühlt mein Gemüth sich durch das tiefe Schweigen
Der heiligen Natur so ernst erregt.

Dann denk’ ich all’ der Wünsche, die vergebens
In meine Seele kamen, und entflohn,
Und seufze: wär’ der kurze Traum des Lebens
Vorüber, wie so manche Hoffnung schon.

Und wäre einst nach meiner Tage Mühen,
O Baum, den stets mein Herz mit Liebe nennt,
Ein stilles Grab mir unter Dir verliehen,
Du wärest dann mein liebstes Monument.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Bei Übersendung eines Vergißmeinnicht


h1 18. Oktober 2009 10:17 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Bei Übersendung eines Vergißmeinnicht
Diese Blume, deren blaue Blüthe
Deutungsvoll der schönste Nahme schmückt,
Der als Wunsch mir längst im Herzen glühte,
Hab’ ich einsam heut’ im Thal gepflückt.

Süß umschwebt von Deinem theuern Bilde,
Schien sie würdig zur Gesandtin mir;
Hin in ferne, trennende Gefilde,
Bringe sie den Gruß der Freundschaft Dir.

Ehe sie Dir naht wird sie verbleichen -
Schnell verlöschet ihrer Farbe Licht,
Doch die Bitte möge Dich erreichen,
Die ihr Nahme zärtlich zu Dir spricht.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Der Liebende an eine verwelkte Blume


h1 17. Oktober 2009 10:12 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Der Liebende an eine verwelkte Blume

Diese Blume – ach sie kam von ihr!
Auch verwelkt noch ist sie heilig mir.
Längst sind ihre Farben hingeschwunden,
Wie die Seligkeit vergangner Stunden -
Aber dennoch bleibt sie heilig mir,
Diese Blume – denn sie kam von ihr.

Tausend blühen schimmernd jetzt im Hain -
Farb’ und Duft erfüllt ihr kurzes Seyn -
Aber mich reizt ihre Schönheit nicht,
Wenn nicht ihre Hand sie für mich bricht.
Längst verblichne Blume, Du allein
Sollst mir Weihgeschenk des Frühlings seyn.

Thränen trüben schwellend meinen Blick,
Denk’ ich an den schönen Tag zurück,
Wo sie Dich im Morgenthau mir pflückte,
Und ich zärtlich an mein Herz Dich drückte.
Theure Blume – mein entfloh’nes Glück
Kehrt wie deine Farbe nie zurück!

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - An Gräfin Caroline B.


h1 16. Oktober 2009 10:08 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Der Blumen Sprache möchtest Du ergründen,
Um sanft in ihr Dein Innres zu ergießen?
Um in des Kranzes Harmonie zu winden
Des Herzens Blüthen, die sich still erschließen,
Die noch umhüllt von zarter Knospen Grün,
Nur leise Dir im Hauch der Ahndung blühn.

Allein es ward mir nicht die Macht gegeben,
Zu deuten Dir den seelenvollen Sinn,
Der in der Blumen still entsproßtem Leben
Uns zeigt der Mystik magischen Gewinn,
Die im geheimnisvoll gewebten Schleier
Die Seele füllt mit nahmenloser Feier.

Ich kenne nur der Blumen stilles Blühen,
Und ihr Vergehn im Schooße der Natur.
Nur drei sah ich enträthselt einst erglühen,
Im reinen Lichte einer schönern Flur,
Und diese drei will ich Dir liebend brechen,
Bedarfst Du mehr, Dein Innres auszusprechen? -

So nimm denn aus des Sommers reicher Fülle,
Die Lilie, der Unschuld Ebenbild,
Die in der schimmerlosen, weißen Hülle
Den Balsamodem spendet, süß und mild.
In ihr kannst Du mit stillem Selbstvertrauen
Dein eignes Ich in schöner Reinheit schauen.

Die blaue Winde, die die zarten Ranken
Im linden Hauche jedes Lüftchens regt,
Und seufzend säuselt in dem steten Schwanken,
Das ihrer Blüthe tiefen Kelch bewegt -
Sie ist der Sehnsucht Bild, die – tief verschwistert
Dem Sterblichen – in jedem Busen flüstert.

Die Liebe, die des Lebens Kronen windet,
Hat sich die Purpurrose vorbehalten.
Wenn ihre Gluth der Lilie sich verbindet,
Muß sich des Daseyns höchstes Glück gestalten.
In ihres Duftes wonnevollem Gruße
Berührt der Himmel uns mit süßem Kuße.

Mischt sich der Sehnsucht leicht erregtes Beben
In Deines Herzens ruhiges Entzücken,
Wenn Dir der Unschuld Genien das Leben
Im Morgenglanz der Jugend lächelnd schmücken,
So dufte in der Zukunft dunklem Schooße
Dir lohnend einst der Liebe Purpurrose.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Sonett


h1 15. Oktober 2009 10:06 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Als mir, von goldner Freiheit noch umfangen,
Des Daseyns Fülle blühend sich erschloß,
Da war’s ein dunkles, heiliges Verlangen,
Das über mich der Sehnsucht Flammen goß.

Da blickt ich froh und kühn in die Gefilde
Der Zukunft hin, von Morgenroth beglänzt;
Das Leben schien in ungetrübter Milde
Von der Natur mir tausendfach umkränzt.

Und doch – von allen Blüthen, die es schmücken,
Von allen Freuden, die das Herz beglücken,
Verdient nur eine, daß man sie beweine.

Es ist das süße, trunkene Entzücken,
Das nur durch Schweigen wagt sich auszudrücken
In stummer Liebe seeligem Vereine.

von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht Charlotte von Ahlefeld - Glück der Liebe


h1 17. März 2006 15:09 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Glück der Liebe

Einem Schmetterlinge gleicht die Liebe;
Wie er flatternd über Blumen schwebt,
So entflieht sie oft auf leichten Schwingen,
Und nur selten kehrt sie uns zurück.

Um gewaltsam ihre Flucht zu hemmen,
Strebt das kranke Herz mit leisem Weh;
Möcht’ ihr gern die raschen Flügel binden,
Gern sie bannen in der Treue Kreis.

Aber wie des Schmetterlinges Farben
Selbst in zarten Händen untergehn,
So vernichten Fesseln auch die Reize,
Die der Liebe freie Regung schmücken.

Darum öffne ihrem kurzen Glücke
Willig und geniessend Geist und Herz;
Aber will es wankelmüthig weichen
Trauere dann - doch halt es nicht zurück!
von Charlotte von Ahlefeld







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