Liebesgedichte von Arnim



Ludwig Achim von Arnim - ABREISE DER GELIEBTEN


h1 5. November 2009 17:32 - Gedicht eingereicht von romantikerin

ABREISE DER GELIEBTEN

Wie lebt der Kranke noch sein Leben
Dem schon der Tod vorherverkündet,
Sie reist von hier, ich bin dem Tod gegeben
Ein Wurm sich so schon vor dem Tritte windet,
So lauft ihr Ameisen eh sich der Feind genahet,
Ihr fürchtet euch eh ihr Verwüstung sahet.

Wie Atmen wird ein süß Gewöhnen
Der Schlaf die bangen Sorgen lähmt,
Wie Sehnsucht weicht im Blick des Schönen,
Der Übermut sich vor der Weisheit schämt,
Nicht fester hängt die Pflanze an der Erde,
Als ich von deiner Nähe festumschlossen werde.

O dann wird mein Gebet erwachen,
Ich bin gestraft daß ich es oft versäumet,
Es schwebet über dir im Wolken Nachen,
Und meine Seele von dem Wege träumet:
Was soll ich weihen deinem Wiederkehren,
Den Wunsch den nur die Liebe kann gewähren.

Autor: Ludwig Achim von Arnim

Ludwig Achim von Arnim - LIEBESLIED


h1 4. November 2009 17:29 - Gedicht eingereicht von romantikerin

LIEBESLIED 

Was jagt mich,
So matt und müde?
Ich such dich
In meinem Liede,
Ich such dich
In meinem Jagen;
Hier muß ich
Die Buchen fragen.

Die Frage
Im Widerhalle
Wird Klage,
Daß Laub schon falle;
Es falle
Weil es ermattet,
Es walle,
Wenn es dir schattet,

Das Windspiel
Mit deinem Bande,
Vergißt Spiel
Und spürt im Sande;
Es legt sich
Mit seinem Munde,
Es hört dich,
Verliert die Kunde.

Es weint dann,
Wie Kinder weinen,
Und gräbt dann
Mit seinen Beinen;
Begräbt sich
Im tiefen Sande,
Begrabt mich
Im Heldenlande,

In weichen Armen
In stillem Kuß,
Zu lang mir Armen
Fehlt der Genuß.
Begrab mich
Und meine Lieder,
Bald komm ich
Und hol dich wieder.

Autor: Ludwig Achim von Arnim

Ludwig Achim von Arnim - AN FRÄULEIN BETTINE BRENTANO


h1 3. November 2009 17:22 - Gedicht eingereicht von romantikerin

AN FRÄULEIN BETTINE BRENTANO
Wach auf du halbgeschlossne Blüt,
Zeig Dich in vollem Glanze,
Der Schmetterling ist rings bemüht
Und kitzelt Dich im Tanze,
Die Schäflein ziehn zur Weide bald
Einsiedler singen schon im Wald,
Du hältst die Blätter Dir vors Aug,
So schlafe nur, ich schlafe auch!

Ruh still, du rotbestäubte Frucht
Du schwebst und lebst auf Blättern,
Dich sucht das Reh in seiner Flucht,
Eichhörnlein zu dir klettern,
Es hebt sich die betaute Brust
Und alles ist Dir unbewußt,
Die ganze Luft wird busenwarm,
Wie ruhst du still auf meinem Arm.

Autor: Ludwig Achim von Arnim

Ludwig Achim von Arnim - LIEBESZWEIFEL


h1 2. November 2009 12:14 - Gedicht eingereicht von romantikerin

LIEBESZWEIFEL
Ob ich liebe, möcht ich wissen!
Ruhest Du in meinen Armen
Sinkt Dein Auge ohn Erbarmen
Nieder auf das selge Kissen.
Wie bei Sonnenfinsternissen
Alle muntern Vögel schlafen
Also fühl ich mich entschlafen
Will Dein Aug mich nicht begrüßen.

Ob ich liebe, möcht ich wissen!
Bin ich ganz mit mir alleine
Nenne ich Dich stets die Meine
Und muß immer Dich vermissen,
Dem magnetschen Schlaf entrissen
Muß ich wie Dein Traumbild leben,
Die Gedanken, dir ergeben
Lockst Du ab zu fernen Küssen.

Autor: Ludwig Achim von Arnim  

Ludwig Achim von Arnim - KALTE HÄNDE, WARMES HERZ


h1 1. November 2009 12:09 - Gedicht eingereicht von romantikerin

KALTE HÄNDE, WARMES HERZ

Kalte Hände, warmes Herz,
Hab ich wohl empfunden,
Nahe Tränen, fernen Schmerz
In den Abschiedstunden;
In der Hände letztem Druck
Froren sie zusammen;
Doch das Herz war heiß genug,
Löste sie in Flammen.

Kalt so fühl ich Deine Hand,
Noch in meiner liegen,
Und des Herzens heißen Brand
An mein Herz sich schmiegen:
Kalte Hände, warmes Herz
Mußt Du mir erhalten,
Keinem drück die Hand zum Scherz,
Daß nicht Herzen kalten.

Autor: Ludwig Achim von Arnim

Ludwig Achim von Arnim - DER DURSTIGE


h1 5. Oktober 2009 11:57 - Gedicht eingereicht von romantikerin

DER DURSTIGE

Ach Gott, wie tät mir gut
Ein Kuß auf meinem Mund,
Die Lippe wär’ nicht wund
Von Durst und heißer Glut:
Ich wäre dann gesund
Und ruhig lief mein Blut,
Ach Gott, wie tät mir gut
Ein Kuß auf ihrem Mund.

Die Liebe wär’ dann aus,
Ich würde fleißig sein,
Es fiel mir manches ein,
Ich bliebe dann zu Haus,
Ich flieg’ dem Leuchtwurm nach,
Ihn löscht kein Dunkel aus,
Es fliegt zu Liebchens Haus,
Wenn niemand drinnen wach.

Ach Gott, so muß ich hin
In jeder nächt’gen Stund’,
Es wird schon allen kund,
Daß ich verliebet bin;
Ob ich geliebet bin,
Ach Gott, tu es mir kund,
Durch ihren schönen Mund,
Zu ihr muß ich jetzt hin.

Ach Gott, heut schließ mich ein
In ihre Lippen dicht,
Im nächtlichen Gesicht,
Sind sie wie Wellenschein,
Ach brennen heiß und licht,
Erlösche mich darein,
Es kann nicht anders sein
Und ich versag’s mir nicht.

Autor: Ludwig Achim von Arnim  

Ludwig Achim von Arnim - ERSTE LIEBE


h1 5. September 2009 12:03 - Gedicht eingereicht von romantikerin

ERSTE LIEBE

Die erste Liebe
Ihr lieben Kind
Macht hell und trübe
Als wie der Wind,
Die erste Liebe,
Die ist so dumm,
Sie bleibt viel lieber
Ganz still und stumm.

Denn die geblendet
Die sind so dumm,
Ein Wörtchen redet
Und sie sind stumm,
Auf tausend Wegen,
Sie suchen sich,
Und sich begegnen,
Weg drehn sie sich.

Sie möchten wieder
Sich recht ansehn,
Und schlagen nieder
Die Augen schön,
Ihr wollt nicht lernen
Und seid nicht klug,
Sonst sagt ich gerne
Was Recht und Fug.

Da seht sie stehen
Bei einer Blum,
Und beide sehen
Danach sich um
Und beide lassen
Die Blume da,
Denn beide fassen
Zugleich danach

Die Köpfe stießen
Dabei zusamm
Und beide grüßen
Sich dann voll Scham:
Sie sehn zusammen
Der Sterne Lauf,
Und jede Flamme
Die zehrt sie auf.

Wo eingesperret
Die Nachtigall,
Sie singt und plärret
Ganz laut die Qual,
Er läßt sich fangen
Der Freund zu ihr,
Wer so gefangen
Ist freier hier.

Lernt von den Bienen
Im Blumenschoß,
Fröhlig Erkühnen
Führet sie bloß;
Lasset das Zieren
Eh ihr sie pflückt,
Jene schon führen
Honig entzückt.

Lehrte der Biber
Bauen ein Haus
Ach nur die Liebe
Füllet das Haus,
Lernt von den Tieren
Ihr Menschenkind,
Euch aufzuführen
Wie ihr gesinnt.

Gäb nicht die Liebe
Atem voll Klang
Frühling erhübe
Nimmer den Sang,
Lernt von den Vögeln
Saget warum
Hört ihr die Regeln
Bleibet doch stumm.

Die erste Liebe u.s.w.

Autor: Ludwig Achim von Arnim  

Ludwig Achim von Arnim - Mir ist zu licht zum Schlafen


h1 11. Juni 2007 07:16 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Mir ist zu licht zum Schlafen

Mir ist zu licht zum Schlafen,
Der Tag bricht in die Nacht,
Die Seele ruht im Hafen,
Ich bin so froh erwacht.

Ich hauchte meine Seele
Im ersten Kusse aus,
Was ist’s, daß ich mich quäle
Ob sie auch fand ein Haus.

Sie hat es wohl gefunden
Auf ihren Lippen schön,
O welche sel’ge Stunden,
Wie ist mir so geschehn!

Was soll ich nun noch sehnen?
Ach, alles ist in ihr.
Was fühlen, was erflehen?
Es ward ja alles mir.

Ich habe was zu sinnen,
Ich hab’, was mich beglückt:
In allen meinen Sinnen
Bin ich von ihr entzückt.

Autor: Ludwig Achim von Arnim





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