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Liebesgedichte von Ball



Hugo Ball - Kind und Traum


h1 8. November 2009 17:49 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Kind und Traum und früher Garten
Wandeln wir durch lauter Licht.
Reifer Früchte runde Schatten
Malen sich auf dein Gesicht.

Wipfel neigen grün die Zweige
Tief in den erfüllten Grund.
Wanderselig, wundertrunken
Übt ein Vogel seinen Mund.

Sieh, es hat die schöne Sonne
Sich in deinem Haar verfangen,
Deiner Augen blaue Sterne
Sind schon in mein Lied gegangen.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Ein Traum


h1 7. November 2009 17:44 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Ein Traum 

Im dunkelblauen Sunde
Landeten wir spät.
Es stand eine rote Wunde,
Der Mond überm Rudergerät.

Wir nahmen ein wenig Zehrung
Aus einem schmalen Boot,
Und stiegen über die Nehrung
Ins Morgenrot.

Durch wehende Oliven
Stiegen wir leicht hinan,
Und sahen ringsum schlafen
Die Länder im Mittagsbann.

Wir saßen an steinernen Tischen
Und tranken uns weidlich satt,
Von Brot und trockenen Fischen
Wurden die Lippen matt.

Um unsere Ohren stäubte
Das Meer, ein Muschelgetön,
Ein Veilchenduft betäubte
Die Sinne uns im Föhn.

Wir tauchten in die Fluten
Und schwammen weit hinaus.
Die Möven kamen und ruhten
Am Strande bei uns aus.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Entrückt und nah


h1 6. November 2009 17:41 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Entrückt und nah 

Entrückt und nah, belebend und doch Schein,
So seh ich, Liebste, dich vor mir errichtet.
Ein Umriß, der vor meinen Blicken flüchtet
Und dem es doch bestimmt ist, Bild zu sein.

Die Hände haben längst darauf verzichtet
Zu fassen nach Gestalt von Fleisch und Bein.
Genug zu wissen, daß du Brot und Wein
Und zartes Feuer bist, das mich belichtet.

Die Augen werden einst in Moder fallen.
Was war ich ohne dich? Ein irres Lallen,
Ein Dunkel und ein Rausch der Bitternisse.

Laß wehen durch mein Wort die lichten Küsse.
Laß sinken in mein dämmerndes Gedicht
Vom Brunnenrande her dein Angesicht.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Die überwachten Stunden


h1 6. November 2009 17:36 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Die überwachten Stunden
Fallen einander zu.
Und ach, die müden Kinder
Lächeln und gehen zur Ruh.

Und ihre traurigen Stirnen
Leuchten und senken sich tief.
In den verschütteten Nächten
War es, daß ich dich rief.

Fremd erschien mir die Nähe
Töricht Ziel und Sinn
In deine schützenden Hände
Sank ich vergehend hin.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Fruehlingstaenzerin


h1 11. Juni 2007 07:19 - Gedicht eingereicht von romantikerin

FRÜHLINGSTÄNZERIN

In deinen Blicken wiegt sich der Frühling.
Rosengeflecht und ein Apfelzweig
Schaukeln ihn duftend einher.

Auf deiner Lippen Granat- und Marmorsitz
Streiten zehntausend Lerchen in süßem Tumult,
Wähnend sie säßen im Morgenrot.

Wo deine lieblich errötenden Füße schreiten,
Schlägt aus dem Boden ein holder Schwall von Musik
Und erstürmt sich den Himmel.

Wippend dem zierlichen Schmetterling gleich
Schreitest du tanzerhobenen Arms
Wie über schwankendes Seil.

Wenn deine tastenden Brüste den Atem der Gärten verspüren,
Heben und senken sie sich, zugespitzt,
In verworrnen Gedanken.

Zierlich ist deine Seele, dem Rotkehlchen gleich,
Und so ängstlich, dass sie bei plötzlichem Wort
Flatternd im Käfig sich stößt.

Hugo Ball







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