Liebesgedichte von Bierbaum



Otto Julius Bierbaum - Zwei Liebesbriefe


h1 10. Oktober 2007 20:21 - Gedicht eingereicht von romantikerin

1.

Über die Ferne hin,
Täler hin, Berge hin,
Durch alle Tage und Nächte hin,
Sing ich zu dir, o Geliebte.
Hörst du mich?

Lausche dem Rauschen der Bäume im Regen,
Lausche dem Winde, der über die Halme
Mit dem zärtlichen Fittiche hinstreift,
Lausche dem hohlen Munde der Nacht;
Lausche in dich.

Lausche geschlossenen Auges, höre,
Höre dein Herz, das rauschende, höre,
Höre dein Blut: es trägt meine Stimme,
Trägt meine Liebe durch all dein Leben:
Zu dir, um dich
Tönt mein Rufen,
Tönt meine sehnsuchtsvolle Seele,
Die dich sucht.

Über die Ferne hin,
Berge hin, Täler hin,
Durch alle Tage und Nächte hin
Sing ich zu dir, o Geliebte,
Singt meine Seele zu dir.

2.

Wenn mein Herz auch müde ist,
Müde von zu vielen Schmerzen,
Ist dies müdeste der Herzen
Doch zu dir in Glut entbrannt.

Ach, daß du mir ferne bist.

Doch mein Herz ist deiner Güte,
Wie dem Himmelslicht die Blüte,
Sonnenstrahlenzugewandt.

Und so wird durch deine Strahlen
Aller Schmerzen, aller Quallen
Bald mein Herz entladen sein,
Denn der Liebe Licht heilt schnelle.
Sende, spende deine Helle,
Du mein lieber Sonnenschein.

von Otto Julius Bierbaum

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Otto Julius Bierbaum - Zuversicht


h1 7. Oktober 2007 20:20 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Dich zu lieben, das wird Ruhe sein,
Hand in Hand, getrost und ohne Bangen;
Kein Verzagen -: Glauben; kein Verlangen -:
Frucht und Friede, Freiheit und Verein.

Aber Lust wird in der Ruhe sein
Sommerlust, ein Schauen und Genießen,
Jene Lust der windbewegten Wiesen,
Die voll Blumen sind und still gedeihn.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Was eigentlich die Kleine will,


h1 4. Oktober 2007 20:20 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Was eigentlich die Kleine will,
Das mag der Teufel wissen!
Bald guckt sie mich gar glühend an,
Als wär sie hingerissen.
Wovon? Wozu? Ich ahn es nicht;
Der Teufel mag es wissen.
Dann aber wieder macht sie mir
Ein Lärvchen, furchtbar sauer,
Daß mirs durchs ganze Rückenmark
Hinfährt wie kalter Schauer.
Weshalb? Warum? Ich weiß es nicht,
Bin immer gleich beflissen.
Was eigentlich die Kleine will:
Der Teufel mag es wissen.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Wartelohn


h1 1. Oktober 2007 20:19 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Morgenjunge Herrlichkeit,
Hell die Welt und frisch der Wind,
Wartend klopft mein Herz geschwind -:
Eine Minute schon über die Zeit!
Ach, wie oft schon sagt ich’s, Kind:
Pünktlichkeit!
Und ich spähe augenweit,
Und ich schaue fast mich blind,
Ist das Mädel nicht gescheit?
Zehn Minuten schon über die Zeit!
Soll ich ein Ewigkeit
Warten und sehnen!? - Langsam rinnt
Der Minuten Folge, breit
Wie ein Teerstrom. - Zeit, o Zeit!
Deine Minuten wie Stunden sind! …
Sieh, da flattert ihr blaues Kleid,
Flattert im Wind!
Alles Warten ist verschwunden,
Hat sich Mund auf Mund gefunden,
Blick in Blick sich eingesenkt.
Dehnten jetzt sich die S e k u n d e n
Aus zu langen Dämmerstunden,
Wärs kein Umstand, der uns kränkt,
Da der Wind mit leisem Neigen
Ein Panier aus Frühlingszweigen
Über unsern Küssen schwenkt.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Vorfrühling


h1 30. September 2007 20:18 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Sieh da: Die Weide schon im Silberpelz,
Die Birken glänzen, ob auch ohne Laub,
In einem Lichte, das wie Frühling ist.
Der graue Himmel zeigt türkisenblau
Ganz schmale Streifen, und ich weiß, das ist
Des jungen Jahres erster Farbenklang,
Die ferne Flöte der Beruhigung:
Die Liebe hat die Flügel schon gespannt,
Sie naht gelassenen Flügels, himmelher,
Bald wird die Erde bräutlich heiter sein.

Nun Herz, sei wach und halte dich bereit
Dem holden Gaste, der mit Blumen kommt
Und Liebe atmet, wie die Blume Duft.
Sei wach und glaube: Liebe kommt zu dir,
Wenn du nur recht ergeben und getrost
Dich auftust wie ein Frühlingsblumenkelch.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Verzagt


h1 27. September 2007 20:17 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Soll ich wieder schwärmen, ich,
Der ich müd bin und verdrossen,
Schicksalslaugenübergossen,
Traurig, trüb und jämmerlich?

Soll ich? Nein, ich drücke mich.
Meine Schwärmer sind verschossen,
Und das Schicksal hat beschlossen:
Keine Wonnen mehr für dich.

Aber deine Augen, Kind,
Sind bestimmt, das Glück zu schauen,
Das im schönsten Bogen geht:
Ruhe, Klarheit, Majestät,
Davon deine Augenbrauen
Allerschönstes Abbild sind.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Trost im Winkel


h1 23. September 2007 20:17 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Laß es gehen, Herz, laß dich treiben,
Alles hat hier seine Bahn,
Wenig gilt hier: Mitgetan,
Alles gilt: Im Strome bleiben.

Ist es dir bestimmt zu wohnen,
Wo die Schönheit Ruhe gibt,
Wirst du, wie du bist, geliebt, -
Liebe schenkt sich, ist kein Lohnen.

Laß es gehen, Herz, laß dich treiben,
Spare dir des Zweifels Qual,
Und du findest doch einmal
Einen Herd, beglückt zu bleiben.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Trab


h1 20. September 2007 20:16 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Gern wohl möchte mich die Braune.
Doch ich soll erst karessieren,
Redebutterbröte schmieren;
Dazu hab ich keine Laune.

Komm und küß und sei vernünftig,
Spiel nicht lange erst die Spröde!
Schönste Schmeichelbutterbröte
Und noch mehr bekommst du künftig.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Scherzo Lamentoso


h1 17. September 2007 20:16 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Heut, mein Fräulein, in der Morgenstunde,
Als der Tag mit Amselschlag begunnte
Und mit vielem, ach so vielem Sonnenschein,
Fiel mir dies und das: Wie Ihre Augenbrauen
Schön sind und wie hold sie anzuschauen,
Und wie elend ich bin, fiel mir ein.

Und mir war, als wenn mich etwas stieße,
Und mir war, das beste wär, ich ließe
Mich vom Fenster fallen nieder auf den Stein
Vor der Tür. - In der Morgenstunde,
Als der Tag mit Amselschlag begunnte,
Fielen Sie mir, Fräulein, und das ein.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Nun nimmt er sie fest


h1 14. September 2007 20:15 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Ich nehme dich und küsse dich
Und lasse dich nicht von mir,
Ein blinder Bettler wäre ich,
Wär nicht mein Herz bei dir.

Seele, Sinne, alles Meine,
Es ist deine
Jederstund;
Laß mich küssen, laß mich küssen
Deine Hände, deine Stirne,
Deine Augen und den Mund.

von Otto Julius Bierbaum





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