Liebesgedichte von Dauthendey



Max Dauthendey - Die Krähe


h1 20. August 2007 22:26 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Die Krähe

Es stehen die Bäume wie Sommerlauben,
Die Gräser wehen, und über die Felder voll Ähren
Gehen die Scharen der wilden Tauben.
Zwei schwarze Krähen blähen ihr finster Gefieder
Und stürzen versteckt zum Acker nieder.
Es blühen dunkelrot Kleeblüten am Wege,
Die leiden nicht an Honig Not.
Am Himmel glüht sich die Sonne tot
Und backt die Ähre und sorgt für Brot.
Das Herz ist wie eine Sommertaube,
Es schwimmt überm Staube selig und träge.
Leicht wird’s von der Leidenschaft hingestreckt
Wie von einer Krähe, die Taubenblut leckt.

von Max Dauthendey

Max Dauthendey - Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm


h1 15. August 2007 22:25 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm

Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm,
Sie nehmen den Sonnenschein gern in den Arm.
Der Schnee rund um den Stamm entweicht,
Soweit des Baumes Wurzel reicht.
Die Schneeglocken hocken da rund in Scharen
Begrüßt von den Staren.
Auf graslosem Boden blaß Keim bei Keim,
Beim fahlen Baum duftet’s nach Honigseim,
Es duftet nach Liebe, dem Frost entronnen,
Erste Blüte und letzter Schnee sich dort sonnen.

von Max Dauthendey

Max Dauthendey - Der Regen wandert über den Fluß


h1 5. August 2007 22:24 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Der Regen wandert über den Fluß

Der Regen wandert über den Fluß,
Und Wasser durchs Wasser waten muß.
Es ist, als schwimmen die Ufer fort,
So triefend stehen die Berge dort.
Und Regen und Fluß durchs Land hingehn
Und können ihr eigenes Ende nicht seh’n.
So wanderten Sehnsucht und Blut oft zusammen
Und alle Ufer überschwammen.

von Max Dauthendey

Max Dauthendey - Der Regen scheint besessen


h1 30. Juli 2007 22:23 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Der Regen scheint besessen

Ich hör’ den Regen dreschen
Und übers Pflaster fegen.
Der Regen scheint besessen
Und will die Welt auffressen.

Ich muß mich näher legen
Ins Bett zu meiner Frauen.
Wird sich ihr Äuglein regen,
Kann ich ins Blaue schauen.

von Max Dauthendey

Max Dauthendey - Das kranke Mädchen


h1 30. Juni 2007 22:19 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Das kranke Mädchen

Des jungen Mondes Spitze ist so schlank.
Wenn ich vor meiner Türe sitze,
Wird’ ich von feinem Lichte krank.

Durchs offne Fenster kommt zur Juninacht
Heuduft ans Bett mir wie Gespenster
Und hat das Seufzen mitgebracht.

Der Mond ist weißer noch als Kreide -
Ich muß vor Angst die Finger falten -
Möcht’ morgen meine Hände beide
Nur unter Rosenbäume halten.

von Max Dauthendey

Max Dauthendey - Das Heu liegt tot am Wege


h1 25. Juni 2007 22:18 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Das Heu liegt tot am Wege

Das Heu liegt tot am Wege,
Wir gingen ohne zu sehen,
Und Amselsang im Gehege,
Wir hörten es kaum im Gehen.

Wir waren still wie Erde,
Wie zwei, die man begraben;
Unsere Seelen mit dunkler Gebärde
Durchzogen den Himmel wie Raben.

von Max Dauthendey

Max Dauthendey - Das Feuer will gebären


h1 20. Juni 2007 22:17 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Das Feuer will gebären

Mohnblumen rot umgehen,
Wie Feuerfahnen wehen.
Es trutzt des Stieres Horn,
Voll Brand ist jeder Dorn.

Am Himmel wogt ein Blitzen,
Ein Zünden und Verheeren.
Das Feuer will sich mehren
Und will nicht stille sitzen.

Die schwülen Wolken schwären,
Die Wolken um sich schlagen,
Und Feuersbrünste ragen -
Das Feuer will gebären.

von Max Dauthendey

Max Dauthendey - Das Dunkel sitzt in den Toren


h1 15. Juni 2007 22:16 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Das Dunkel sitzt in den Toren

Zur Nachtzeit wachsen den Gassen,
Den Winkeln heimliche Ohren.
Das Dunkel steht gelassen
Und horchend unter Toren.

Denn was die Füße der Leute,
Die übers Pflaster klappern,
Am Tage schwätzten heute,
Das möchten die Steine plappern.

Dann hörst Du Schritte um Ecken,
Und niemand kommt gegangen.
Es spielen da Schritte Verstecken,
Schritte, die längst verklangen.

Hörst einen hastig rennen,
Als möchte sein Leben sich sputen.
Du kannst sein Seufzen erkennen,
Als müßten die Füße ihm bluten.

Hörst leichte trippelnde Sohlen,
Die möchten gar nicht eilen;
Und schwere folgen verstohlen,
Mit ihnen das Pflaster zu teilen.

Das Dunkel sitzt in den Toren,
Und tote Schritte rauschen.
Das Dunkel ist voller Ohren
Und möchte vom Tag was erlauschen.

von Max Dauthendey

Max Dauthendey - April spricht Geistersprache


h1 10. Juni 2007 22:14 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

April spricht Geistersprache

April spricht Geistersprache.
Wie ein Vergoldermeister
Sitzt er am Nachbardache,
Spritzt Goldschaum auf Taube und Tauber,
Beklebt die Zimmer lichtsauber,
Belebt die Fenstergardinen,
Den Staub auf alten Tischen,
Vergoldet Falten und Mienen,
Sein Zauber will nie mehr verwischen.
Auf meinen Stühlen sitzt still,
Ich seh’ ihn mit blumigen Gliedern,
Ein Geist von Liebesliedern,
Der dreist erlöst sein will.

von Max Dauthendey

Max Dauthendey - Das Blut bleibt still mir stehen


h1 8. Juni 2007 22:15 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Das Blut bleibt still mir stehen

Gesträubte Bäume stehen mit hagern Zweigen,
Bestäubte Berge lagern am pechschwarzen Fluß.
Wolken gehen und steigen
Wie Feuer, Rauch und Ruß.

Im Wind eine Silberpappel
Muß ihre Blätter drehen,
Daß sie wie weiße Augen
Blind in das Chaos sehen.

Das Blut bleibt still mir stehen,
Es scheint, daß die Himmel zerreißen,
Vor der Sehnsucht Wehen.

von Max Dauthendey






Liebesgedichte von Dauthendey