Liebesgedichte von Fleming



An Ihren Spiegel - Fleming


h1 4. September 2008 00:32 - Gedicht eingereicht von romantikerin

O Du drey- viermahl mehr glückseeliger
als ich!
Der du der Liebsten Glantz
in deinem Auge trägest
und selbst zu lieben sich
das schöne Kind bewegest
daher sie nur wird stoltz
sieht weit hin über mich
Giebt ihre Gunst ihr selbst
und achtet mehr auff dich
In dem du bist bemüht
und höchsten Fleiß anlegest
daß du dich
wie sie sich
an allen Gliedern regest
durch dich schaut sie sich an
und redet selbst mit sich.
Du rechtes Freuden-werck
von früh an bis zu Nachte
wie mach’ ichs
daß ich sie doch einmahl so betrachte
als wie du allzeit thust?
So meyn’ ich kan es gehn
Versuch es einen Tag
und gönne mir dein Glücke.
Und daß ich wieder gleich
in ihre Blicke blicke
So laß dies Auge hier
an deine Stelle stehn.

Paul Fleming

Paul Fleming - Wie er wolle geküsset seyn


h1 11. Juni 2007 07:13 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Wie er wolle geküsset seyn

Nirgends hin / als auff den Mund /
da sinckts in dess Hertzens Grund.
Nicht zu frey / nicht zu gezwungen /
nicht mit gar zu fauler Zungen.

Nicht zu wenig / nicht zu viel!
Beydes wird sonst Kinder-spiel.
Nicht zu laut / und nicht zu leise /
Beyder Mass’ ist rechte Weise.

Nicht zu nahe / nicht zu weit.
Diss macht Kummer / jenes Leid.
Nicht zu trucken / nicht zu feuchte /
wie Adonis Venus reichte.

Nicht zu harte / nicht zu weich.
Bald zugleich / bald nicht zugleich.
Nicht zu langsam / nicht zu schnelle.
Nicht ohn Unterscheid der Stelle.

Halb gebissen / halb gehaucht.
Halb die Lippen eingetaucht.
Nicht ohn Unterscheid der Zeiten.
Mehr alleine denn bei Leuten.

Küsse nun ein Jedermann /
wie er weiss / will / soll und kan.
Ich nur und die Liebste wissen /
wie wir uns recht sollen küssen.

Autor: Paul Fleming





Liebesgedichte von Fleming