Liebesgedichte von Geibel



Emanuel Geibel - Einkehr


h1 6. Juli 2007 19:28 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Einkehr

Der Staub ist heiß, die Sonne glüht,
Vom langen Wandern bin ich müd;
Sieh da im Schatten der Linden
Muß ich ein Wirtshaus finden!

Gott grüß dich, schöne Kellnerin!
Du siehst wohl, daß ich müde bin;
O reiche dem durstigen Zecher
Zum Rande voll den Becher!

Dein Wohl, dein Wohl, vielholdes Kind!
Ei, wie dir so rosig die Wangen sind,
Und deine Augen wie Kohlen,
Die funkeln schelmisch verstohlen.

Dein Wein ist süß, dein Wein ist klar;
Doch schau’ ich dir auf die Lippen gar,
Da dünkt von deinem Munde
Ein Kuß mir noch süßer zur Stunde.

Da sagst nicht: ja, du sagst nicht: nein!
Da muß ich denn schon herzhaft sein;
Da hast ihn - gib mir ihn wieder! -
Was schlägst du die Augen nieder?

Ein braver Bursch, ‘ne schöne Maid,
Wo die sich treffen allezeit,
Da soll ein Küßchen in Ehren
Ihnen kein Narr verwehren.

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Du fragst mich, du mein blondes Lieb


h1 30. Juni 2007 19:27 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Du fragst mich, du mein blondes Lieb
Du fragst mich, du mein blondes Lieb,
Warum so stumm mein Mund?
Weil mir die Liebe sitzet,
Heimlich sitzet
Im Herzensgrund.

Kann denn die Flamme singen,
Wenn sie zum Himmel will?
Sie schlägt die Flügel hoch und rot,
So hoch und rot,
Und doch so still.

Die Ros’ auch kann nicht sprechen,
Wenn sie zur Blüt’ erwacht;
Sie glüht und duftet stumm hindurch,
Stumm hindurch,
Die Sommernacht.

So ist auch meine Minne,
Seit du dich mir geneigt;
Sie glüht und blüht im Sinne,
Tief im Sinne,
Aber sie schweigt.

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Drei Bitten


h1 27. Juni 2007 22:47 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Drei Bitten

Drei Bitten hab’ ich für des Himmels Ohr,
Die send’ ich täglich früh und spät empor:
Zum ersten, daß der Liebe reiner Born
Mir nie versieg’ in Ungeduld und Zorn;
Zum zweiten, daß mir, was ich auch vernahm,
Ein Echo weck’, ein Lied in Lust und Gram;
Zum dritten, wenn das letzte Lied verhallt
Und wenn der Quell der Liebe leiser wallt,
Daß dann der Tod mich schnell mit sanfter Hand
Hinüberführ’ in jenes bessre Land,
Wo ewig ungetrübt die Liebe quillt,
Und wo das Lied als einz’ge Sprache gilt.

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Wolle keiner mich fragen


h1 26. Juni 2007 19:57 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Wolle keiner mich fragen,
Warum mein Herz so schlägt.
Ich kann’s nicht fassen, nicht sagen,
Was mich bewegt.

Als wie im Träume schwanken
Trunken die Sinne mir,
Alle meine Gedanken
Sind nur bei dir.

Ich hab die Welt vergessen,
Seit ich dein Auge gesehn.
Ich möchte dich an mich pressen
Und still im Kuß vergehn.

Mein Leben möchte’ ich lassen
Um ein Lächeln von dir
Und du - ich kann’s nicht fassen,
Versagst es mir.

Ist’s Schicksal, ist’s dein Wille,
Du siehst mich nicht -
Nun wein’ ich stille, stille,
Bis mir das Herz zerbricht.

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Die Liebe gleicht dem April


h1 25. Juni 2007 22:47 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Die Liebe gleicht dem April

Die Liebe gleicht dem April:
Bald Frost, bald fröhliche Strahlen,
Bald Blüten in Herzen und Talen,
Bald stürmisch und bald still,
Bald heimliches Ringen und Dehnen,
Bald Wolken, Regen und Tränen -
Im ewigen Schwanken und Sehnen
Wer weiß, was werden will!

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Du bist so still, so sanft, so innig


h1 25. Juni 2007 19:26 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Du bist so still, so sanft, so innig

Du bist so still, so sanft, so innig,
Und schau’ ich dir ins Angesicht,
Da leuchtet mir verständnisinnig
Der dunklen Augen frommes Licht.

Nicht Worte gibst du dem Gefühle,
Du redest nicht, du lächelst nur;
So lächelt in des Abends Kühle
Der lichte Mond auf Wald und Flur.

In Traumesdämmerung allmählich
Zerrinnt die ganze Seele mir,
Und nur das e i n e fühl’ ich selig,
Daß ich vereinigt bin mit dir.

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Wohl lag ich einst in Gram und Schmerz


h1 23. Juni 2007 19:56 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Wohl lag ich einst in Gram und Schmerz,
Da weint’ ich Nacht und Tag;
Nun wein’ ich wieder, weil mein Herz
Sein Glück nicht fassen mag.

Mir ist’s, als trüg’ ich in der Brust
Das ganze Himmelreich -
O höchstes Leid, o höchste Lust,
Wie seid ihr euch so gleich!

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Wenn sich zwei Herzen scheiden


h1 20. Juni 2007 19:55 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Wenn sich zwei Herzen scheiden,
Die sich dereinst geliebt,
Das ist ein großes Leiden,
Wie’s größ’res nimmer gibt.
Es klingt das Wort so traurig gar:
Fahr wohl, fahr wohl auf immerdar!
Wenn sich zwei Herzen scheiden,
Die sich dereinst geliebt.

Als ich zuerst empfunden,
Daß Liebe brechen mag:
Mir war’s, als sei verschwunden
Die Sonn’ am hellen Tag.
Mir klang’s im Ohre wunderbar:
Fahr wohl, fahr wohl auf immerdar!
Da ich zuerst empfunden,
Daß Liebe brechen mag.

Mein Frühling ging zu Rüste,
Ich weiß es wohl, warum,
Die Lippe, die mich küßte,
Ist worden kühl und stumm.
Das eine Wort nur sprach sie klar:
Fahr wohl, fahr wohl auf immerdar!
Mein Frühling ging zu Rüste,
Ich weiß es wohl, warum.

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Wie es geht


h1 17. Juni 2007 19:55 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Sie redet ihr zu: “Er liebt dich nicht,
Er spielt mit dir!” da senkt sie das Haupt
Und Tränen perlten ihr vom Angesicht,
Wie Tau von Rosen. Weh! daß sie’s geglaubt,
Denn als er kam und zweifelnd fand die Braut,
Ward er voll Trotz, nicht trübe wollt’ er scheinen;
Er sang und spielte, trank und lachte laut -
Um dann die Nacht hindurch zu weinen.

Wohl pocht ein guter Engel an ihr Herz
- Er ist doch treu, gib ihm die Hand, o gib! -
Wohl fühlt auch er durch Bitterkeit und Schmerz
“Sie liebt dich doch, sie ist ja doch dein Lieb,”
Ein freundlich Wort nur sprich, ein Wort vernimm,
So ist der Zauber, der euch trennt, gebrochen!
Sie gingen, sah’n sich - o, der Stolz ist schlimm -
Das eine Wort blieb ungesprochen.

So schieden sie! und wie im Münsterchor
Verglimmt der Altarlampe roter Glanz,
Erst wird er matt - dann flackert er empor
Noch einmal hell, - und dann verlischt er ganz,
So starb die Lieb’ in ihnen, erst beweint,
Dann heiß zurückersehnt und dann vergessen.
Bis sie zuletzt, es sei ein Wahn gemeint,
Daß sie sich je dereinst besessen.

Nur manchmal fuhren sie im Mondenlicht
Vom Kissen auf, von Tränen war es naß,
Und naß von Tränen war auch ihr Gesicht,
Geträumet hatten sie - ich weiß nicht was,
Dann dachten sie der alten schönen Zeit
Und an ihr nichtig Zweifeln, an ihr Scheiden,
Und wie sie nun so weit, so ewig weit!
O, Gott vergib! - vergib den beiden!

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Die Küsse


h1 15. Juni 2007 22:45 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Die Küsse

In Saloniki war es nicht,
Nicht war’s im schmucken Städtchen,
Im am Wlachenland liebt’
Ich einer Witwe Mädchen.

Jetzt schmückte, Mutter, schmück’ das Haus,
Und schmücke deinen Garten!
Die Tochter dein so hold und fein
Soll mich als Braut erwarten.

Sie hat die Lippen rosenrot
Gefärbt mit rotem Scheine;
Ich neige mich und küsse sie,
Und färbte auch die meinen.

In dreien Flüssen wusch ich sie
Und färbte rot die Flüsse,
Und färbte rot das Meer dazu
Durch ihre roten Küsse.

von Emanuel Geibel






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