Liebesgedichte von Wedekind



Liebesgedicht Frank Wedekind - Liebe


h1 17. März 2006 15:52 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Liebe

Es hielten die menschlichen Triebe
Einst einen großen Kongreß.
Sie stritten sich um die Ehre,
Wer wohl der Stärkste wäre,
Denn niemand wußte es.

Die Liebe war nicht zugegen.
Und als dies alle entdeckt,
Da schrien die menschlichen Triebe:
“Herrje, wo bleibt nur die Liebe!
Nein, wo die Liebe nur steckt.”

Ein geiziges Weib trat zum Altar.
Dort stand ein Misanthrop.
Und als sie zusammenkamen,
Sie sprachen Ja und Amen,
Der Pfarrer die Händ’ erhob.

Die Liebe hatte die beiden
Von allen Trieben befreit.
Zurück blieb einzig die Liebe,
Drum hatten die anderen Triebe
Auch so viel übrige Zeit.

Sie hockten noch immer beisammen
Und hielten großen Kongreß.
Nun ward die Vernunft erhoben,
Sie sei als die Stärkste zu loben,
Doch niemand glaubte es.

von Frank Wedekind

Liebesgedicht Frank Wedekind - Galathea


h1 17. März 2006 15:50 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Galathea

Ach, wie brenn’ ich vor Verlangen,
Galathea, schönes Kind,
Dir zu küssen deine Wangen,
weil sie so entzückend sind.
Wonne die mir widerfahre,
Galathea, schönes Kind,
Dir zu küssen deine Haare,
weil sie so verlockend sind.

Nimmer wehr mir, bis ich ende,
Galathea, schönes Kind,
Dir zu küssen deine Hände,
weil sie so verlockend sind.
Ach, du ahnst nicht, wie ich glühe,
Galathea, schönes Kind,
Dir zu küssen deine Knie,
weil sie so verlockend sind.

Und was tät ich nicht,
du süße Galathea, schönes Kind,
Dir zu küssen deine Füße,
weil sie so verlockend sind.

Aber deinen Mund enthülle,
Mädchen, meinen Küssen nie,
Denn in seiner Reize Fülle
küsst ihn nur die Phantasie.

von Frank Wedekind 






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