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Liebesgedichte



Karoline von Günderrode - Liebe


h1 21. November 2009 20:34 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Liebe
O reiche Armuth! Gebend, seliges Empfangen!
In Zagheit Muth! in Freiheit doch gefangen.
In Stummheit Sprache,
Schüchtern bei Tage,
Siegend mit zaghaftem Bangen.

Lebendiger Tod, im Einen sel′ges Leben
Schwelgend in Noth, im Widerstand ergeben,
Genießend schmachten,
Nie satt betrachten
Leben im Traum und doppelt Leben.

Autor: Karoline von Günderrode

Liebesgedicht Georg Friedrich Daumer - Wer kein geliebtes Wesen…


h1 18. November 2009 20:10 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Wer kein geliebtes Wesen
In seine heißen Arme schleußt,
Der ist, so viel er prahle,
Ein Körper ohne Seel’ und Geist.

Autor: Georg Friedrich Daumer

Liebesgedicht Georg Friedrich Daumer - Die Trennung vom Geliebten


h1 17. November 2009 20:05 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Die Trennung vom Geliebten soll von Höllenpein
Die Probe sein?
Dass Höllenpein die Probe sei von Trennungspein,
Hat größern Schein.

Autor: Georg Friedrich Daumer

Hugo Ball - Noch Eines, Emmy …


h1 16. November 2009 19:53 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Noch Eines, Emmy …
Wenn je ich still und ganz mich zu dir kehre,
Dann mußt du groß und schweigend mich empfangen.
Aus irrer Dunkelheit kam ich gegangen,
Besorgt, daß ich dein lichtes Bild verzehre.

Wenn ich zu forschen lächelnd dir verwehre
Nach Lust und Leid, die doch auch mir erklangen,
Nach Stern und Freund, die mir am Wege sangen,
So wisse, daß ich tiefer dir gehöre.

Nur eines war’s, das mich bewegte
Hervorzugehn aus vielem Ungemach,
Das eine nur, das fiebernd mich erregte,

Und das mich schützte, daß ich nicht erlag:
Den Kindesglanz in deinem Seelengrunde
Noch einmal trinken mit berauschtem Munde …

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Wenn du früh


h1 15. November 2009 19:46 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Wenn du früh
Wenn du früh vom Lager gleitest,
Ach, die zagen Füße,
Bitte ich, daß du nicht leidest
In des Morgens Süße.

Denn dann blicken deine Augen
Gleich zwei jungen Rehen,
Die an ihrer Mutter saugen
Und zur Weide gehen.

Mittags mit den hellen Tauben
Bin ich weiße Schwinge,
Wenn ich über grünen Lauben
Dir vom Lichte singe.

Doch der Abend ist die Wiege
Für die sanften Locken,
Daß das Haar im Winde fliege,
Wenn die Pulse stocken.

Sieh, dann komm ich mit den Träumen,
Und du flammst gleich einer Kerze
Und wir wandeln unter Bäumen
Und du lächelst und ich scherze.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Frühling


h1 14. November 2009 19:41 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Frühling
So hast du in Behutsamkeit
Mit Lauben und mit Ranken
Den Garten meiner Nacht umsäumt
Jetzt lächeln die Gedanken.

Nun singen mir im Gitterwerk
Die süßen Nachtigallen
Und wo ich immer lauschen mag
Will mir ein Lied einfallen.

Die Sonne strahlt in deinem Blick
Und geht in meinem unter.
So schenkst du mir den schönen Tag
Ein mildes Sternenwunder.

So hast du meinen dunklen Traum
Durchleuchtet aller Enden
Und wo ich immer schreiten mag,
Begegne ich deinen Händen.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Schöne Mondfrau


h1 13. November 2009 19:38 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Schöne Mondfrau
Schöne Mondfrau, gehst du schlafen
Lächelnd und so munter
Leise mit den Silberschafen
In die Nacht hinunter?

O, und du im Maskenkleide,
Liebe Scheherazade,
Spielst du, daß die Nacht nicht leide
Deine Serenade?

Wandermüde, wundertrunken
Komm in meine Ruhe
Blaue, weiche Sternenfunken
Küssen deine Schuhe.

Sieh, die Nacht ist so lebendig
Voller Duft und Gnade
In den Bäumen eigenhändig
Spielt sie sich die Serenade.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Schmücke dich, Liebste


h1 12. November 2009 18:10 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Schmücke dich, Liebste, der Abend naht.
Winde dir Ketten ins leuchtende Haar.
Siehe, die Sonne will sich verneigen.
Tiefer noch will sich die Stille verschweigen.
Kerze flammt am Altar.

Wisse, die Seele liebt sich zu verschwenden.
Brennende Feier und wehe Musik.
Leiser noch will ihr Geheimnis lallen.
Goldener Tropfen, zögerndes Fallen
Ist ihr unsägliches Glück.

Hülle dich, Liebste, in weiße Gewänder,
Ehe die Saite zerspringt.
Lächle im Saale der Engel und Rosen,
Laß dir die kindliche Stirne kosen,
Ehe das Echo verklingt.

Sei mir ein Fest und ein zärtliches Wunder,
Milder noch blühe dein Schein.
Wenn wir die magischen Worte tauschen,
Geht durch die Seele ein Flügelrauschen,
Dem wir uns weihn.

Schmücke dich, Liebste, oh, süßes Verwehen.
Bald ist der Sommer verklungen.
Über den Hügeln welken die Kränze,
Doch in die Höhen der himmlischen Tänze
Sind wir entrückt und verschlungen.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Abschied


h1 11. November 2009 18:03 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Abschied 

Sag mir, daß du dich im Föhnwind sehnst
Und daß du trauern würdest,
Wenn ich ginge.
Sag mir, daß diese Tage schön sind
Und daß du weinen wirst,
Wenn ich nicht singe.

Sag mir, daß du dem Leben gut bist.
Sag meiner Stimme,
Daß sie nie verwehe …
Und daß du heiter und voll frohen Mut bist,
Auch wenn ich lange Zeit
Dich nicht mehr sehe.

Sag mir, daß ich ein töricht Kind bin,
Und streichle mich, wie eine junge Meise.
Sag mir, daß ich zu dir zurückfind,
Auch wenn die Nächte dunkel sind,
Durch die ich reise.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Gedicht für ein Kind (für Emmy)


h1 10. November 2009 17:59 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Gedicht für ein Kind (für Emmy) 

Oh, wie du lebtest: stets im Fluge
Und stets geschwungen von den großen Händen.
Gezaust die Flügel und das Herz verzehrt
Von Trauer und von Liebesbränden.

Wie irrtest du durch diese großen Städte,
Die Füße blutend und in Sterbensangst,
Wenn du im Straßenstaub zerschlagen knietest
Die Hände zu den eisigen Himmeln rangst.

Wie haben Traum und Trug dich hoch umbaut,
Wie sanken deine Arme auf die Stufen.
Umsonst hast du gerüttelt an den Eisentüren,
Im Schlafe noch erklang dein wehes Rufen …

Da dämmerten die frühen Rosengründe.
Da starrten um dein Haupt die goldenen Schlangen.
Du warst die Gorgo aller Fruchbarkeiten,
Gleich einem Seraph bist du in dem Glanz vergangen.

Es dringt dein Widerschein aus allen Tiefen.
Die stummen Fische jubeln deinen Namen.
Sie folgen dir im übermächtigen Zuge,
Wie sie zur Predigt des Antonius kamen.

Auf grauem Haus weht deine Siegesflagge
Und alle Fäulnis hast du hell zerteilt,
Die Todeswunden des Gekreuzigten:
Du küßtest sie und warst geheilt.

Autor: Hugo Ball







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