Liebesgedichte



Otto Julius Bierbaum - Gebet zwischen blühenden Kastanien


h1 27. August 2007 20:12 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Frühling, o du süßer Junge!
Deine Beine sind so zärtlich
Schlank und deine schmalen Lippen
Feucht.

Wie du schreitest! Wie die Locken fliegen
Und das blaue Band im blonden Haare!
Wie es duftet, wo dein Mantel wehte!
Frühling, süßer, saftgebenedeiter
Siegerknabe mit den Mädchenbrüsten,
Hauch mich an mit deinem Blumenatem,
Der ich dich jetzt tiefer kenn und liebe,
Deiner Brünste voller bin ich ehmals.

Neig dich mir, o süßer Knabe, süßres
Mädchen! Ich vergehe sonst vor Sehnsucht,
Dich zu fühlen.

von Otto Julius Bierbaum

Ludwig Uhland - Taillefer


h1 25. August 2007 22:09 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Taillefer

Normannenherzog Wilhelm sprach einmal:
“Wer singet in meinem Hof und in meinem Saal?
Wer singet vom Morgen bis in die späte Nacht
So lieblich, daß mir das Herz im Leibe lacht?”

“Das ist der Taillefer, der so gerne singt
Im Hofe, wenn er das Rad am Brunnen schwingt,
Im Saale, wenn er das Feuer schüret und facht,
Wenn er abends sich legt und wenn er morgens erwacht.”

Der Herzog sprach: “Ich hab’ einen guten Knecht,
Den Taillefer, der dienet mir fromm und recht:
Er treibt mein Rad und schüret mein Feuer gut
Und singet so hell, das höhet mir den Mut.”

Da sprach der Taillefer: “Und wär’ ich frei,
Viel besser wollt’ ich dienen und singen dabei.
Wie wollt’ ich dienen dem Herzog hoch zu Pferd!
Wie wollt’ ich singen und klingen mit Schild und Schwert!”

Nicht lange, so ritt der Taillefer in’s Gefild
Auf einem hohen Pferde, mit Schwert und mit Schild.
Des Herzogs Schwester schaute vom Turm in’s Feld,
Sie sprach: “Dort reitet, bei Gott! Ein stattlicher Held.”

Und als er ritt vorüber an Fräuleins Turm,
Da sang er bald wie ein Lüftlein, bald wie ein Sturm.
Sie sprach: “der singet, das ist eine herrliche Lust!
Es zittert der Turm, und es zittert mein Herz in der Brust.”

Der Herzog Wilhelm fuhr wohl über das Meer,
Er fuhr nach Engelland mit gewaltigem Heer.
Er sprang vom Schiffe, da fiel er auf die Hand:
“Hei,” rief er, “ich fass’ und ergreife dich, Engelland!”

Als nun das Normannenheer zum Sturme schritt,
Der edle Taillefer vor den Herzog ritt:
“Manch Jährlein hab’ ich gesungen und Feuer geschürt,
Manch Jährlein gesungen und Schwert und Lanze gerührt.

Und hab’ ich euch gedient und gesungen zu Dank,
Zuerst als ein Knecht und dann als ein Ritter frank:
So laßt mich das entgelten am heutigen Tag,
Vergönnt mir auf die Feinde den ersten Schlag!”

Der Taillefer ritt vor allem Normannenheer
Auf einem hohen Pferde mit Schwert und Speer,
Er sang so herrlich, das klang über Hastingsfeld,
Von Roland sang er und manchem frommen Held.

Und als das Rolandslied wie ein Sturm erscholl,
Da wallete manch Panier, manch Herze schwoll,
Da brannten Ritter und Mannen von hohem Mut,
Der Taillefer sang und schürte das Feuer gut.

Dann sprengt’ er hinein und führet den ersten Stoß,
Davon ein englischer Ritter zur Erde schoß,
Dann schwang er das Schwert und führte den ersten Schlag,
Davon ein englischer Ritter zu Boden lag.

Normannen sahn’s, die harrten nicht allzu lang,
Sie brache herein mit Geschrei und Schilderklang.
Hei! Sausende Pfeile, klirrender Schwerterschlag!
Bis Harald fiel und sein trotziges Heer erlag.

Herr Wilhelm steckte sein Banner auf’s blutige Feld,
Inmitten der Toten spannt’ er sein Gezelt,
Da saß er am Mahle, den goldnen Pokal in der Hand,
Auf dem Haupte die Königskrone von Engelland.

“Mein tapfrer Taillefer! Komm, trink mir Bescheid!
Du hast mir viel gesungen in Lieb’ und in Leid,
Doch heut’ im Hastingsfelde dein Sang und dein Klang,
Der tönet mir in den Ohren mein Leben lang.”

von Ludwig Uhland

Otto Julius Bierbaum - Gavotte des Verliebten


h1 23. August 2007 20:12 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Wie ging ich durch mein Leben hin?
An einem roten Bande;
Dran führte mich meine Königin
Durch lauter selige Lande.
Bald auf, bald ab, bald quer, bald krumm,
Mal rechtsherum, mal linksherum,
Doch stets am Liebesbande.

So war ich Knecht mein Leben lang?
Der Knecht am roten Bande?
O nein: es war ein Königsgang
Durch unterworfene Lande;
Ein Königsgang, ein Königstanz,
In freier Kraft durch Glück und Glanz
Am roten Liebesbande.

von Otto Julius Bierbaum

Max Dauthendey - Die Krähe


h1 20. August 2007 22:26 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Die Krähe

Es stehen die Bäume wie Sommerlauben,
Die Gräser wehen, und über die Felder voll Ähren
Gehen die Scharen der wilden Tauben.
Zwei schwarze Krähen blähen ihr finster Gefieder
Und stürzen versteckt zum Acker nieder.
Es blühen dunkelrot Kleeblüten am Wege,
Die leiden nicht an Honig Not.
Am Himmel glüht sich die Sonne tot
Und backt die Ähre und sorgt für Brot.
Das Herz ist wie eine Sommertaube,
Es schwimmt überm Staube selig und träge.
Leicht wird’s von der Leidenschaft hingestreckt
Wie von einer Krähe, die Taubenblut leckt.

von Max Dauthendey

Otto Julius Bierbaum - Fühle nur


h1 20. August 2007 20:11 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Einsam bist du? Sieh, die vielen Sterne
Stehn, ein Weltenkranz, ob deinem Haupte,
Und die Lindenbäume, Kronenträger,
Schicken ihre Düfte dir ins Zimmer.
Fühle nur! Saug ein und gib dich wieder!
Schmähe niemand, schmäh auch dich nicht selber!
Denk: du darfst auf dieser reichen Erde
Durch den sonnenvollen Weltraum fliegen,
Und dein Herz gehört auch zu den Sternen,
Die ein bißchen Licht und Wärme strahlen.

von Otto Julius Bierbaum

Emanuel Geibel - So halt’ ich endlich dich umfangen


h1 20. August 2007 19:44 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

So halt’ ich endlich dich umfangen

So halt’ ich endlich dich umfangen,
In süßes Schweigen starb das Wort,
Und meine trunk’nen Lippen hangen
An deinen Lippen fort und fort.

Was nur das Glück vermag zu geben,
In sel’ger Fülle ist es mein:
Ich habe dich, geliebtes Leben,
Was braucht es mehr als dich allein?

O, decke jetzt des Schicksals Wille
Mit Nacht und Welt und ihre Zier,
Und nur dein Auge schwebte stille,
Ein blauer Himmel, über mir!

von Emanuel Geibel

Otto Julius Bierbaum - Flieder


h1 17. August 2007 20:10 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Stille, träumende Frühlingsnacht …
Die Sterne am Himmel blinzeln mild,
Breit stand der Mond wie ein silbernes Schild,
In den Zweigen rauschte es sacht.
Arm in Arm und wie in Träumen
Unter duftenden Blütenbäumen
Gingen wir durch die Frühlingsnacht.

Der Flieder duftet berauschend weich;
Ich küsse den Mund dir liebeheiß,
Dicht überhäupten uns blau und weiß
Schimmern die Blätter reich.
Blüten brachst du uns zum Strauße,
Langsam gingen wir nach Hause,
Der Flieder duftete liebeweich …

von Otto Julius Bierbaum

Max Dauthendey - Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm


h1 15. August 2007 22:25 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm

Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm,
Sie nehmen den Sonnenschein gern in den Arm.
Der Schnee rund um den Stamm entweicht,
Soweit des Baumes Wurzel reicht.
Die Schneeglocken hocken da rund in Scharen
Begrüßt von den Staren.
Auf graslosem Boden blaß Keim bei Keim,
Beim fahlen Baum duftet’s nach Honigseim,
Es duftet nach Liebe, dem Frost entronnen,
Erste Blüte und letzter Schnee sich dort sonnen.

von Max Dauthendey

Emanuel Geibel - Rühret nicht daran


h1 15. August 2007 19:44 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Rühret nicht daran

Wo still ein Herz von Liebe glüht,
O rühret, rühret nicht daran!
Den Gottesfunken löscht nicht aus -
Fürwahr, es ist nicht wohlgetan!

Wenn’s irgend auf dem Erdenrund
Ein unentweihtes Plätzchen gibt,
So ist’s ein junges Menschenherz,
Das fromm zum erstenmale liebt.

O gönnet ihm den Frühlingstraum,
In dem’s voll ros’gen Blüten steht!
Ihr wißt nicht, welch ein Paradies
Mit diesem Traum verloren geht.

Es brach schon manch ein starkes Herz,
Da man sein Lieben ihm entriß,
Und manches duldend wandte sich
Und ward voll Haß und Finsternis;

Und manches, das sich blutend schloß,
Schrie laut nach Luft in seiner Not
Und warf sich in den Staub der Welt;
Der schöne Gott in ihm war tot.

Dann weint ihr wohl und klagt euch an,
Doch keine Träne heißer Reu’
Macht eine welke Rose blühn,
Erweckt ein totes Herz aufs neu’.

von Emanuel Geibel

Otto Julius Bierbaum - Er verreist und denkt an sie


h1 13. August 2007 20:10 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Schönes Kind, ich denk an dich,
Weil die Geigen klingen
Und im Herzen wunderlich
Stille Stimmen singen.

Schönes Kind, die Geige weiß,
Wie ich dich ersehne,
Darum klingt so schluchzend heiß
Ihre Kantilene.

Schönes Kind, mir bebt das Herz.
O, wie starr das Leben.
Und die Liebe ist der Schmerz.

von Otto Julius Bierbaum






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