Liebesgedichte



Otto Julius Bierbaum - Gavotte des Verliebten


h1 23. August 2007 20:12 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Wie ging ich durch mein Leben hin?
An einem roten Bande;
Dran führte mich meine Königin
Durch lauter selige Lande.
Bald auf, bald ab, bald quer, bald krumm,
Mal rechtsherum, mal linksherum,
Doch stets am Liebesbande.

So war ich Knecht mein Leben lang?
Der Knecht am roten Bande?
O nein: es war ein Königsgang
Durch unterworfene Lande;
Ein Königsgang, ein Königstanz,
In freier Kraft durch Glück und Glanz
Am roten Liebesbande.

von Otto Julius Bierbaum

Max Dauthendey - Die Krähe


h1 20. August 2007 22:26 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Die Krähe

Es stehen die Bäume wie Sommerlauben,
Die Gräser wehen, und über die Felder voll Ähren
Gehen die Scharen der wilden Tauben.
Zwei schwarze Krähen blähen ihr finster Gefieder
Und stürzen versteckt zum Acker nieder.
Es blühen dunkelrot Kleeblüten am Wege,
Die leiden nicht an Honig Not.
Am Himmel glüht sich die Sonne tot
Und backt die Ähre und sorgt für Brot.
Das Herz ist wie eine Sommertaube,
Es schwimmt überm Staube selig und träge.
Leicht wird’s von der Leidenschaft hingestreckt
Wie von einer Krähe, die Taubenblut leckt.

von Max Dauthendey

Otto Julius Bierbaum - Fühle nur


h1 20. August 2007 20:11 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Einsam bist du? Sieh, die vielen Sterne
Stehn, ein Weltenkranz, ob deinem Haupte,
Und die Lindenbäume, Kronenträger,
Schicken ihre Düfte dir ins Zimmer.
Fühle nur! Saug ein und gib dich wieder!
Schmähe niemand, schmäh auch dich nicht selber!
Denk: du darfst auf dieser reichen Erde
Durch den sonnenvollen Weltraum fliegen,
Und dein Herz gehört auch zu den Sternen,
Die ein bißchen Licht und Wärme strahlen.

von Otto Julius Bierbaum

Emanuel Geibel - So halt’ ich endlich dich umfangen


h1 20. August 2007 19:44 - Gedicht eingereicht von romantikerin

So halt’ ich endlich dich umfangen

So halt’ ich endlich dich umfangen,
In süßes Schweigen starb das Wort,
Und meine trunk’nen Lippen hangen
An deinen Lippen fort und fort.

Was nur das Glück vermag zu geben,
In sel’ger Fülle ist es mein:
Ich habe dich, geliebtes Leben,
Was braucht es mehr als dich allein?

O, decke jetzt des Schicksals Wille
Mit Nacht und Welt und ihre Zier,
Und nur dein Auge schwebte stille,
Ein blauer Himmel, über mir!

von Emanuel Geibel

Otto Julius Bierbaum - Flieder


h1 17. August 2007 20:10 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Stille, träumende Frühlingsnacht …
Die Sterne am Himmel blinzeln mild,
Breit stand der Mond wie ein silbernes Schild,
In den Zweigen rauschte es sacht.
Arm in Arm und wie in Träumen
Unter duftenden Blütenbäumen
Gingen wir durch die Frühlingsnacht.

Der Flieder duftet berauschend weich;
Ich küsse den Mund dir liebeheiß,
Dicht überhäupten uns blau und weiß
Schimmern die Blätter reich.
Blüten brachst du uns zum Strauße,
Langsam gingen wir nach Hause,
Der Flieder duftete liebeweich …

von Otto Julius Bierbaum

Max Dauthendey - Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm


h1 15. August 2007 22:25 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm

Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm,
Sie nehmen den Sonnenschein gern in den Arm.
Der Schnee rund um den Stamm entweicht,
Soweit des Baumes Wurzel reicht.
Die Schneeglocken hocken da rund in Scharen
Begrüßt von den Staren.
Auf graslosem Boden blaß Keim bei Keim,
Beim fahlen Baum duftet’s nach Honigseim,
Es duftet nach Liebe, dem Frost entronnen,
Erste Blüte und letzter Schnee sich dort sonnen.

von Max Dauthendey

Emanuel Geibel - Rühret nicht daran


h1 15. August 2007 19:44 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Rühret nicht daran

Wo still ein Herz von Liebe glüht,
O rühret, rühret nicht daran!
Den Gottesfunken löscht nicht aus -
Fürwahr, es ist nicht wohlgetan!

Wenn’s irgend auf dem Erdenrund
Ein unentweihtes Plätzchen gibt,
So ist’s ein junges Menschenherz,
Das fromm zum erstenmale liebt.

O gönnet ihm den Frühlingstraum,
In dem’s voll ros’gen Blüten steht!
Ihr wißt nicht, welch ein Paradies
Mit diesem Traum verloren geht.

Es brach schon manch ein starkes Herz,
Da man sein Lieben ihm entriß,
Und manches duldend wandte sich
Und ward voll Haß und Finsternis;

Und manches, das sich blutend schloß,
Schrie laut nach Luft in seiner Not
Und warf sich in den Staub der Welt;
Der schöne Gott in ihm war tot.

Dann weint ihr wohl und klagt euch an,
Doch keine Träne heißer Reu’
Macht eine welke Rose blühn,
Erweckt ein totes Herz aufs neu’.

von Emanuel Geibel

Otto Julius Bierbaum - Er verreist und denkt an sie


h1 13. August 2007 20:10 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Schönes Kind, ich denk an dich,
Weil die Geigen klingen
Und im Herzen wunderlich
Stille Stimmen singen.

Schönes Kind, die Geige weiß,
Wie ich dich ersehne,
Darum klingt so schluchzend heiß
Ihre Kantilene.

Schönes Kind, mir bebt das Herz.
O, wie starr das Leben.
Und die Liebe ist der Schmerz.

von Otto Julius Bierbaum

Anna Ritter - Im herbstlichen Wald


h1 10. August 2007 22:37 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Im herbstlichen Wald

Der Herbstwind peitscht verirrten Glockenklang
In böser Luft den Waldessaum entlang,
Bis seine Seufzer todesmüd’ verschweben.
Stumm liegt der Wald. - Kein heller Vogelsang
Umgirrt die Stämme mehr, die ernst und bang
Hinauf zum sonnenlosen Himmel streben. -
Das Buchwerk hält mit knorrigem Geäst
Des letzten Jahres tote Blätter fest,
Und streicht ein Windhauch wimmernd drüber her,
So sieht es aus, als ob ein zuckend Leben
In jenen Resten noch gefangen wär’!
Sie bäumen sich, sie suchen sich zu heben,
Und sinken wieder … qualvoll … todesschwer.

Ihr öden Hallen, einst des Frohsinns Haus,
Und nun so still - ich komm’, euch zu besuchen,
Es wuchs mein G l ü c k im Schatten dieser Buchen
Und mit den Liedern zog es jüngst hinaus!
Auf diesen Wegen, die das Sommerlaub
Dem frechen Blick der Neugier keusch versteckt,
Ging meine Liebe hin!

Nun liegt im Staub,
Was sie behütet! Keine Sehnsucht weckt
Ihr Lachen mehr …

O du verlassner Wald
Verlassnes Herz: getrost, nun kommt er bald,
Der weiße Tod, der eure Not bedeckt
Mit tiefem Schweigen!

von Anna Ritter

Ludwig Uhland - Schäfers Sonntagslied


h1 10. August 2007 22:06 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Schäfers Sonntagslied

Das ist der Tag des Herrn!
Ich bin allein auf weiter Flur,
Noch eine Morgenglocke nur!
Nun Stille nah und fern.

Anbetend knie’ ich hier.
O süßes Graun! geheimes Wehn!
Als knieten viele ungesehn
Und beteten mit mir.

Der Himmel, nah und fern,
Er ist so klar und feierlich,
So ganz, als wollt’ er öffnen sich.
Das ist der Tag des Herrn!

von Ludwig Uhland






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