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Liebesgedichte



Hugo Ball - Noch mischt sich das Gold


h1 9. November 2009 17:55 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Noch mischt sich das Gold 

Noch mischt sich das Gold unserer Augen,
Noch fällt ein scheuer Strahl
Auf die lächelnde Madonna
Im blauen Saal.

Noch öffnen sich unsere Arme
Beim Kommen und Gehen weit
Und unsere leuchtenden Herzen
Tragen wir über dem Kleid.

Und alle Liebesglocken
Hängen uns noch im Ohr.
Es fallen und steigen die Locken
Im Engelchor.

Und im tiefgrünen Raume,
Da tanzet unser Kind.
Es wieget sich auf den Zehen
Und hebet sein Röcklein lind.

Und über unserem Garten
Glänzet der Lilienschnee
Es spiegeln die weißen Flammen
Sich zart im blauen See.

Noch sind unsere Hände verschlungen
Noch schluchzen die Vögel leis.
Und mit den seligsten Tränen
Füllt sich der Zauberkreis.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Lied für ein Kind


h1 8. November 2009 17:51 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Lied für ein Kind
Laß uns gehen wie der Mond
Durch die große Stube,
Denn in diesem Hause wohnt
Der geblümte Bube.

Blau und weiß und schwarz geblümt
Schaut er durch das Fenster
Mit der langen Bogenhand
Streicht er die Gespenster.

Du bist schön und ich bin klug
Bis zum frühen Morgen
Deine Zähne lächeln lind
In ein Meer von Sorgen.

Auf der Stirne glüht ein Herz
Rosenrot Verwehen
Alle deine Schmerzen, Kind,
Kann ich leuchten sehen.

Aller deiner Liebe Last
Ist ein hell Verzücken
Aller deiner Wunden Weh
Ist ein still Berücken

Laß uns als ein Zwiegespiel
Gehen durch alle Nächte
Weinen, scheinen, ungesäumt
Über alle Prächte.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Kind und Traum


h1 8. November 2009 17:49 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Kind und Traum und früher Garten
Wandeln wir durch lauter Licht.
Reifer Früchte runde Schatten
Malen sich auf dein Gesicht.

Wipfel neigen grün die Zweige
Tief in den erfüllten Grund.
Wanderselig, wundertrunken
Übt ein Vogel seinen Mund.

Sieh, es hat die schöne Sonne
Sich in deinem Haar verfangen,
Deiner Augen blaue Sterne
Sind schon in mein Lied gegangen.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Ein Traum


h1 7. November 2009 17:44 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Ein Traum 

Im dunkelblauen Sunde
Landeten wir spät.
Es stand eine rote Wunde,
Der Mond überm Rudergerät.

Wir nahmen ein wenig Zehrung
Aus einem schmalen Boot,
Und stiegen über die Nehrung
Ins Morgenrot.

Durch wehende Oliven
Stiegen wir leicht hinan,
Und sahen ringsum schlafen
Die Länder im Mittagsbann.

Wir saßen an steinernen Tischen
Und tranken uns weidlich satt,
Von Brot und trockenen Fischen
Wurden die Lippen matt.

Um unsere Ohren stäubte
Das Meer, ein Muschelgetön,
Ein Veilchenduft betäubte
Die Sinne uns im Föhn.

Wir tauchten in die Fluten
Und schwammen weit hinaus.
Die Möven kamen und ruhten
Am Strande bei uns aus.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Entrückt und nah


h1 6. November 2009 17:41 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Entrückt und nah 

Entrückt und nah, belebend und doch Schein,
So seh ich, Liebste, dich vor mir errichtet.
Ein Umriß, der vor meinen Blicken flüchtet
Und dem es doch bestimmt ist, Bild zu sein.

Die Hände haben längst darauf verzichtet
Zu fassen nach Gestalt von Fleisch und Bein.
Genug zu wissen, daß du Brot und Wein
Und zartes Feuer bist, das mich belichtet.

Die Augen werden einst in Moder fallen.
Was war ich ohne dich? Ein irres Lallen,
Ein Dunkel und ein Rausch der Bitternisse.

Laß wehen durch mein Wort die lichten Küsse.
Laß sinken in mein dämmerndes Gedicht
Vom Brunnenrande her dein Angesicht.

Autor: Hugo Ball

Hugo Ball - Die überwachten Stunden


h1 6. November 2009 17:36 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Die überwachten Stunden
Fallen einander zu.
Und ach, die müden Kinder
Lächeln und gehen zur Ruh.

Und ihre traurigen Stirnen
Leuchten und senken sich tief.
In den verschütteten Nächten
War es, daß ich dich rief.

Fremd erschien mir die Nähe
Töricht Ziel und Sinn
In deine schützenden Hände
Sank ich vergehend hin.

Autor: Hugo Ball

Ludwig Achim von Arnim - ABREISE DER GELIEBTEN


h1 5. November 2009 17:32 - Gedicht eingereicht von romantikerin

ABREISE DER GELIEBTEN

Wie lebt der Kranke noch sein Leben
Dem schon der Tod vorherverkündet,
Sie reist von hier, ich bin dem Tod gegeben
Ein Wurm sich so schon vor dem Tritte windet,
So lauft ihr Ameisen eh sich der Feind genahet,
Ihr fürchtet euch eh ihr Verwüstung sahet.

Wie Atmen wird ein süß Gewöhnen
Der Schlaf die bangen Sorgen lähmt,
Wie Sehnsucht weicht im Blick des Schönen,
Der Übermut sich vor der Weisheit schämt,
Nicht fester hängt die Pflanze an der Erde,
Als ich von deiner Nähe festumschlossen werde.

O dann wird mein Gebet erwachen,
Ich bin gestraft daß ich es oft versäumet,
Es schwebet über dir im Wolken Nachen,
Und meine Seele von dem Wege träumet:
Was soll ich weihen deinem Wiederkehren,
Den Wunsch den nur die Liebe kann gewähren.

Autor: Ludwig Achim von Arnim

Ludwig Achim von Arnim - LIEBESLIED


h1 4. November 2009 17:29 - Gedicht eingereicht von romantikerin

LIEBESLIED 

Was jagt mich,
So matt und müde?
Ich such dich
In meinem Liede,
Ich such dich
In meinem Jagen;
Hier muß ich
Die Buchen fragen.

Die Frage
Im Widerhalle
Wird Klage,
Daß Laub schon falle;
Es falle
Weil es ermattet,
Es walle,
Wenn es dir schattet,

Das Windspiel
Mit deinem Bande,
Vergißt Spiel
Und spürt im Sande;
Es legt sich
Mit seinem Munde,
Es hört dich,
Verliert die Kunde.

Es weint dann,
Wie Kinder weinen,
Und gräbt dann
Mit seinen Beinen;
Begräbt sich
Im tiefen Sande,
Begrabt mich
Im Heldenlande,

In weichen Armen
In stillem Kuß,
Zu lang mir Armen
Fehlt der Genuß.
Begrab mich
Und meine Lieder,
Bald komm ich
Und hol dich wieder.

Autor: Ludwig Achim von Arnim

Ludwig Achim von Arnim - AN FRÄULEIN BETTINE BRENTANO


h1 3. November 2009 17:22 - Gedicht eingereicht von romantikerin

AN FRÄULEIN BETTINE BRENTANO
Wach auf du halbgeschlossne Blüt,
Zeig Dich in vollem Glanze,
Der Schmetterling ist rings bemüht
Und kitzelt Dich im Tanze,
Die Schäflein ziehn zur Weide bald
Einsiedler singen schon im Wald,
Du hältst die Blätter Dir vors Aug,
So schlafe nur, ich schlafe auch!

Ruh still, du rotbestäubte Frucht
Du schwebst und lebst auf Blättern,
Dich sucht das Reh in seiner Flucht,
Eichhörnlein zu dir klettern,
Es hebt sich die betaute Brust
Und alles ist Dir unbewußt,
Die ganze Luft wird busenwarm,
Wie ruhst du still auf meinem Arm.

Autor: Ludwig Achim von Arnim

Ludwig Achim von Arnim - LIEBESZWEIFEL


h1 2. November 2009 12:14 - Gedicht eingereicht von romantikerin

LIEBESZWEIFEL
Ob ich liebe, möcht ich wissen!
Ruhest Du in meinen Armen
Sinkt Dein Auge ohn Erbarmen
Nieder auf das selge Kissen.
Wie bei Sonnenfinsternissen
Alle muntern Vögel schlafen
Also fühl ich mich entschlafen
Will Dein Aug mich nicht begrüßen.

Ob ich liebe, möcht ich wissen!
Bin ich ganz mit mir alleine
Nenne ich Dich stets die Meine
Und muß immer Dich vermissen,
Dem magnetschen Schlaf entrissen
Muß ich wie Dein Traumbild leben,
Die Gedanken, dir ergeben
Lockst Du ab zu fernen Küssen.

Autor: Ludwig Achim von Arnim  







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