Liebesgedichte von Geibel



Emanuel Geibel - Vorüber!


h1 30. August 2007 19:45 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Vorüber!

O darum ist der Lenz so schön
Mit Duft und Strahl und Lied,
Weil singend über Tal und Höh’n
So bald er weiter zieht;

Und darum ist so süß der Traum,
Den erste Liebe webt,
Weil schneller als die Blüt’ am Baum
Er hinwelkt und verschwebt.

Und doch! Er läßt so still erwärmt,
So reich das Herz zurück;
Ich hab’ geliebt, ich hab’ geschwärmt,
Ich preis’ auch das als Glück.

Gesogen hab’ ich Strahl auf Strahl
Ins Herz den kurzen Tag;
Die schöne Sonne sinkt zu Tal.
Nun komm’, was kommen mag!

Sei’s bittres Leid, sei’s neue Lust,
Es soll getragen sein:
Der sichre Schatz in meiner Brust
Bleibt dennoch ewig mein.

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - So halt’ ich endlich dich umfangen


h1 20. August 2007 19:44 - Gedicht eingereicht von romantikerin

So halt’ ich endlich dich umfangen

So halt’ ich endlich dich umfangen,
In süßes Schweigen starb das Wort,
Und meine trunk’nen Lippen hangen
An deinen Lippen fort und fort.

Was nur das Glück vermag zu geben,
In sel’ger Fülle ist es mein:
Ich habe dich, geliebtes Leben,
Was braucht es mehr als dich allein?

O, decke jetzt des Schicksals Wille
Mit Nacht und Welt und ihre Zier,
Und nur dein Auge schwebte stille,
Ein blauer Himmel, über mir!

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Rühret nicht daran


h1 15. August 2007 19:44 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Rühret nicht daran

Wo still ein Herz von Liebe glüht,
O rühret, rühret nicht daran!
Den Gottesfunken löscht nicht aus -
Fürwahr, es ist nicht wohlgetan!

Wenn’s irgend auf dem Erdenrund
Ein unentweihtes Plätzchen gibt,
So ist’s ein junges Menschenherz,
Das fromm zum erstenmale liebt.

O gönnet ihm den Frühlingstraum,
In dem’s voll ros’gen Blüten steht!
Ihr wißt nicht, welch ein Paradies
Mit diesem Traum verloren geht.

Es brach schon manch ein starkes Herz,
Da man sein Lieben ihm entriß,
Und manches duldend wandte sich
Und ward voll Haß und Finsternis;

Und manches, das sich blutend schloß,
Schrie laut nach Luft in seiner Not
Und warf sich in den Staub der Welt;
Der schöne Gott in ihm war tot.

Dann weint ihr wohl und klagt euch an,
Doch keine Träne heißer Reu’
Macht eine welke Rose blühn,
Erweckt ein totes Herz aufs neu’.

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Nachtlied


h1 6. August 2007 19:43 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Nachtlied

Der Mond kommt still gegangen
Mit seinem goldnen Schein,
Da schläft in holdem Prangen
Die müde Erde ein.

Im Traum die Wipfel weben,
Die Quellen rauschen sacht;
Singende Engel durchschweben
Die blaue Sternennacht.

Und auf den Lüften schwanken
Aus manchem treuen Sinn
Viel tausend Liebesgedanken
Über die Schläfer hin.

Und drunten im Tale da funkeln
Die Fenster von Liebchens Haus;
Ich aber blicke im Dunkeln
Still in die Welt hinaus.

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Minnelied


h1 30. Juli 2007 19:41 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Minnelied

Es gibt wohl manches, was entzücket,
Es gibt wohl vieles, was gefällt;
Der Mai, der sich mit Blumen schmücket,
Die güldne Sonn’ im blauen Zelt.
Doch weiß ich Eins, das schafft mehr Wonne,
Als jeder Glanz der Morgensonne,
Als Rosenblüt’ und Lilienreis;
Das ist getreu im tiefsten Sinne
Zu tragen eine fromme Minne,
Davon nur Gott im Himmel weiß.

Wem er ein solches Gut beschieden,
Der freue sich und sei getrost!
Ihm ward ein wunderbarer Frieden,
Wie wild des Lebens Brandung tost.
Mag alles Leiden auf ihn schlagen:
Sie lehrt ihn nimmermehr verzagen,
Sie ist ihm Hort und sichrer Turm;
Sie bleibt im Labyrinth der Schmerzen
Die Fackelträgerin dem Herzen,
Bleibt Lenz im Winter, Ruh im Sturm.

Doch suchst umsonst auf irrem Pfade
Die Liebe du im Drang der Welt;
Denn Lieb’ ist Wunder, Lieb’ ist Gnade,
Die wie der Tau vom Himmel fällt.
Sie kommt wie Nelkenduft im Winde,
Sie kommt, wie durch die Nacht gelinde
Aus Wolken fließt des Mondes Schein;
Da gilt kein Ringen, kein Verlangen,
In Demut magst du sie empfangen,
Als kehrt’ ein Engel bei dir ein.

Und mit ihr kommt ein Bangen, Zagen,
Ein Träumen, aller Welt versteckt;
Mit Freuden mußt du Leide tragen,
Bis aus dem Leid ihr Kuß dich weckt;
Dann ist dein Leben ein geweihtes,
In deinem Wesen blüht ein zweites,
Ein reineres voll Licht und Ruh;
Und todesfroh in raschen Fluten
Fühlst du das eigne Ich verbluten,
Weil du nur wohnen magst im Du.

Das ist die köstlichste der Gaben,
Die Gott dem Menschenherzen gibt,
Die eitle Selbstsucht zu begraben,
Indem die Seele glüht und liebt.
O süß Empfangen, sel’ges Geben!
O schönes Ineinanderweben!
Hier heißt Gewinn, was sonst Verlust.
Je mehr du schenkst, je froher scheinst du,
Je mehr du nimmst, je sel’ger weinst du -
O gib das Herz aus deiner Brust.

In ihrem Auge deine Tränen,
Ihr Lächeln sanft um deinen Mund,
Und all dein Denken, Träumen, Sehnen,
Ob’s dein, ob’s ihr, dir ist’s nicht kund.
Wie wenn zwei Büsche sich verschlingen,
Aus denen junge Rosen springen,
Die weiß, die andern rot erglüht,
Und keiner merkt, aus wessen Zweigen
Die hellen und die dunklen steigen:
So ist’s; du fühlest nur: es blüht.

Es blüht; es ist ein Lenz tiefinnen,
Ein Geisteslenz für immerdar;
Du fühlst in dir die Ströme rinnen
Der ew’gen Jugend wunderbar.
Die Flammen, die in dir frohlocken,
Sind stärker als die Aschenflocken,
Mit denen Alter droht und Zeit;
Es leert umsonst der Tod den Köcher,
So trinkst du aus der Liebe Becher
Den süßen Wein: Unsterblichkeit.

Spät ist es - hinter dunkeln Gipfeln
Färbt golden sich der Wolken Flaum;
Tiefrötlich steigt aus Buchenwipfeln
Der Mond empor am Himmelssaum.
Der Wind fährt auf in Sprüngen, losen,
Und spielet mit den weißen Rosen,
Die rankend blühn am Fenster mir.
O säuselt, säuselt fort, ihr Lüfte,
Und tragt getaucht in Blumendüfte
Dies Lied und meinen Gruß zu ihr!

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Mein Herz ist wie die dunkle Nacht


h1 25. Juli 2007 19:40 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Mein Herz ist wie die dunkle Nacht

Mein Herz ist wie die dunkle Nacht,
Wenn alle Wipfel rauschen;
Da steigt der Mond in voller Pracht
Aus Wolken sacht -
Und sieh, der Wald verstummt in tiefem Lauschen.

Der Mond, der helle Mond bist du:
Aus deiner Liebesfülle
Wirf e i n e n, e i n e n Blick mir zu
Voll Himmelsruh’ -
Und sieh, die ungestüme Herz wird stille.

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Kornblumen flecht’ ich dir zum Kranz


h1 20. Juli 2007 19:39 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Kornblumen flecht’ ich dir zum Kranz

Kornblumen flecht’ ich dir zum Kranz
Ins blonde Lockenhaar.
Wie leuchtet doch der blaue Glanz
Auf goldnem Grund so klar!

Der blaue Kranz ist meine Lust;
Er sagt mir stets aufs neu’,
Wohl keine sei in dieser Brust
Wie du, mein Kind, so treu.

Auch mahnt sein Himmelblau zugleich
Mich heimlich süßer Art,
Daß mir ein ganzes Himmelreich
In deiner Liebe ward.

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Im April


h1 15. Juli 2007 19:38 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Im April

Du feuchter Frühlingsabend,
Wie hab’ ich dich so gern -
Der Himmel wolkenverhangen,
Nur hier und da ein Stern.

Wie leiser Liebesodem,
Hauchet so lau die Luft,
Es steigt aus allen Talen
Ein warmer Veilchenduft.

Ich möchte’ ein Lied ersinnen,
Das diesem Abend gleich,
Und kann den Klang nicht finden,
So dunkel, mild und weich.

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Es stand ein Veilchenstrauß an meinem Bette


h1 15. Juli 2007 19:29 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Es stand ein Veilchenstrauß an meinem Bette
Es stand ein Veilchenstrauß an meinem Bette,
Der duftete mir zu gar süßen Traum:
Ich lag am Abhang einer Hügelkette,
Und überblüht von Veilchen war der Raum;
So viele wuchsen nie an einer Stätte,
Man sah vor ihrem Blau den Rasen kaum;
Da sprach das Herz: Hier ging mein Lieb, das traute,
Und Veilchen sprossten auf, wohin sie schaute.

von Emanuel Geibel

Emanuel Geibel - Goldne Brücken seien


h1 6. Juli 2007 19:30 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Goldne Brücken seien
Goldne Brücken seien
Alle Lieder mir,
Drauf die Liebe wandelt,
Süßes Kind, zu dir.

Und des Traumes Flügel
Soll in Luft und Schmerz
Jede Nacht mich tragen
An dein treues Herz.

von Emanuel Geibel





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