Liebeslyrik

Liebeslyrik ist immer Vollendung und Versuch. Mit der Beschreibung ist der Liebende um Klarheit in der Welt seiner Gefühle bemüht. Sich mitzuteilen und verstanden zu werden, bleibt aber immer ein Versuch. Das Innerste kann mitgeteilt, aber nicht geteilt werden. Die Reaktion darauf kann nur Echo sein. Ein Spiegelbild, statt Bild.
In der Liebeslyrik sollen die Gefühle durch Verdichtung erfahrbar gemacht werden. Oft hat es den Anschein, dass der Dichter sich weniger an das Objekt/Subjekt seiner Zuneigung wendet, als an sich selbst. Wer liebt, hat oft weitaus mehr Fragen als Antworten.

Ich liebe dich

Historisches

Es darf vermutet werden, dass Liebeslyrik so alt ist wie der Wunsch des Menschen, seine Gefühle mitzuteilen. Auch, wenn die Begriffe und Begrifflichkeiten erst später geprägt wurden. Aus den ältesten Zeiten der Menschheit ist leider nichts überliefert. Die mündliche Tradition wurde irgendwann abgelöst durch schriftliche Überlieferung. Die Zeugnisse aus der Zeit, als Worte noch nicht dauerhaft festgehalten werden konnten, fehlen uns. Vielleicht gibt es einen Nachhall all dessen. Ein Echo, das jeder spürt, der in den folgenden Jahrhunderten zur Feder gegriffen hat oder heute an der Tastatur sitzt. Denn darin sind sich alle einig, die jemals geliebt haben: Dieses Gefühl ist universell.
Wer glaubt, mit einem technisch/mechanischen Vehikel wie einem PC-Keybord ließe sich keine Liebeslyrik verfassen, hängt wohl einer romantischen Nostalgie an, die schön und berührend ist. Aber jede Zeit hatte und hat ihre eigene Ausdrucksweise.
Diese Art und Weise sich auszudrücken, hat immer etwas mit dem Lebensraum und den -umständen zu tun. Griechische Dichtung ist rational gefärbt, da hat der Vers ein Maß, um als solcher bezeichnet zu werden. Die Römer schwelgten in der Trunkenheit der Worte ebenso, wie sie auf ihren Festen trunken waren. Glühend heiß vor Leidenschaft ist vorderorientalische Dichtung, die aus der Nähe der Wüsten Nordafrikas oder aus Kleinasien stammt.
In unserem Kulturraum verbindet sich mit der Liebeslyrik, wie sie die Allgemeinheit empfindet, eine klare Vorstellung vom Ich und Du, von einer Beziehung, die zum Wir führt. Sie entspringt einer romantischen Gruppenbeseeltheit, die ihren schlichten und dennoch kunstvollen Ausdruck wiederfindet in dem umfangreichen Schatz an Volksliedern, der gepflegt wird.
Die lyrischen Liebeswerke großer Einzelpersönlichkeiten wurzeln zumindest zum Teil in dieser reichen Tradition. Genannt seien hier Goethe, Schiller und natürlich auch Heine, der mit seinem Zyklus „Ein Buch der Lieder“ unvergessliche und unvergesslich schöne Liebeslyrik geschaffen hat.



Liegen die Wurzeln auch im Dunkeln, existieren dennoch wundervolle, erhaltengebliebene Zeugnisse aus antiken Zeiten. Bereits von den Sumerern ist bekannt, dass sie im Namen der Liebe dichteten, von den Persern, Griechen und Römern ist es festgehalten und gesichert.
Eines der ältesten, immer wieder gelesenen Zeugnisse von Liebeslyrik alter Kultur ist das „Hohelied des Salomo“ aus dem Alten Testament.
Im Mittelalter war der Minnesang die bevorzugte Form der Liebeslyrik, die solche hervorragenden Künstler hervorgebracht hat wie Walther von der Vogelweide. In anderen Teilen Europas waren Barden unterwegs, um mit ihren Gesängen alle Schichten des Volkes zu unterhalten.
Eine große Rolle für die heutige Tradition der Liebeslyrik spielt die Epoche der Romantik. Hier war es der Schmerz um das Welken der Blauen Blume, der dem Ausdruck des Gefühls seine Richtung gab.
Während in unserem Kulturraum die Liebe zwischen zwei Menschen mit der Lyrik ausgedrückt wurde, war der Ansatz der Mystiker aus dem Vorderen Orient, der Sufis, viel weiter gefasst. Männer wie Rumi schrieben vom Geliebten, bezogen sich dabei aber nicht auf einen anderen Mann. Ihnen ging es um die Liebe zu dem, was ihrer Auffassung nach Gott ist.

Heutiges

Den Anhängern einer romantisch verklärten Liebe und ihrer lyrischen Ausdrucksweise mag die heutige Liebeslyrik profan erscheinen. Sie entstammt deutlich dem Kopf, denn heute gilt es, sich im Leben zu beHAUPTen, statt das Leben und seine Anforderungen zu beHERZigen. Aber wer liebt, drückt das eben mit den zur Verfügung stehenden Mitteln aus, die immer Mittel des Zeitgeistes sind, kombiniert mit persönlichem Stil.
Wer will bestreiten, dass Rockballaden wundervolle Liebesgeständnisse sind? Oder auch zu Herzen gehende Werke des Pop, des Folk und sogar des Hip-Hop.

Nach modernem Einteilungsverständnis gliedert sich Liebeslyrik unter anderem auch in diese Untersparten:

  • Gedichte und Lieder
  • Hymnen
  • Todessehnsucht (Romantik)
  • Philosophisches über Freuden und Ängste, Qualen und Trauer der Liebe
  • Glücksballaden, Loblieder
  • Schmerz und Verzweiflung, Todeswunsch abgewiesener Liebender
  • Danksagungen und Gebete

Der Wunsch, dem Gefühl Ausdruck zu verleihen, erzeugt immer wieder auch neue Blüten. Vieles an heutiger Liebeslyrik-„Produktion“ erscheint gekünstelt, weil ein Gefühl sich nicht rationalisieren lässt. Dichtung, die nur aus dem Kopf entsteht, fehlt es oft an Schwung, an Begeisterung und Tiefe. Ausdruck ist aber zuerst der Wunsch danach und dann das Bemühen darum, sich auszudrücken.
In jüngerer Zeit werden mehr und mehr Dichter inspiriert von der Exotik fremder Dichtformen. Was das Haiku, die strengen Regeln gehorchende, kurze Versfolge aus Japan für die Betrachtung der Natur ist, ist das Senryu für den Ausdruck persönlicher Empfindungen und ihrer Objekte. Auch und gerade, was Liebe anbelangt.


Kein Mensch ist eine Träne wert

Kein Mensch ist eine Träne wert,
denn der, der sie wert ist,
würde alles dafür tun, dass du nie weinen musst…


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Ich kann ohne Dich lachen

Ich kann ohne Dich lachen,
ich kann ohne Dich weinen,
ich kann ohne Dich leben,
ich kann ohne Dich sterben,
aber ich kann niemals ohne Dich glücklich sein!


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Wenn zwei Herzen füreinander schlagen

Wenn zwei Herzen füreinander schlagen
und man fest zusammen hält
ist auch das schwerste leicht zu tragen
und doppelt schön ist diese Welt.


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Sanfte Küsse Dich zärtlich berühren

Sanfte Küsse Dich zärtlich berühren.
Ich wünschte ich könnte Dich immer spüren.
Ich hoffe Du fühlst das gleiche für mich weil sonst mein Herz zerbricht.


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Ich wünschte, ich wäre der Wind

Ich wünschte, ich wäre der Wind, der sanft durch Deine Haare streicht,
die Sonne, die dich zärtlich berührt
und der Mond, der Deinen Schlaf bewacht.
Denn ich liebe Dich.


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Liebe ist wie Wandern

Liebe ist wie Wandern – Wer die Gipfel besteigen will,
muss auch die Täler durchwandern.


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Ludwig Achim von Arnim – ERSTE LIEBE

ERSTE LIEBE

Die erste Liebe
Ihr lieben Kind
Macht hell und trübe
Als wie der Wind,
Die erste Liebe,
Die ist so dumm,
Sie bleibt viel lieber
Ganz still und stumm.

Denn die geblendet
Die sind so dumm,
Ein Wörtchen redet
Und sie sind stumm,
Auf tausend Wegen,
Sie suchen sich,
Und sich begegnen,
Weg drehn sie sich.

Sie möchten wieder
Sich recht ansehn,
Und schlagen nieder
Die Augen schön,
Ihr wollt nicht lernen
Und seid nicht klug,
Sonst sagt ich gerne
Was Recht und Fug.

Da seht sie stehen
Bei einer Blum,
Und beide sehen
Danach sich um
Und beide lassen
Die Blume da,
Denn beide fassen
Zugleich danach

Die Köpfe stießen
Dabei zusamm
Und beide grüßen
Sich dann voll Scham:
Sie sehn zusammen
Der Sterne Lauf,
Und jede Flamme
Die zehrt sie auf.

Wo eingesperret
Die Nachtigall,
Sie singt und plärret
Ganz laut die Qual,
Er läßt sich fangen
Der Freund zu ihr,
Wer so gefangen
Ist freier hier.

Lernt von den Bienen
Im Blumenschoß,
Fröhlig Erkühnen
Führet sie bloß;
Lasset das Zieren
Eh ihr sie pflückt,
Jene schon führen
Honig entzückt.

Lehrte der Biber
Bauen ein Haus
Ach nur die Liebe
Füllet das Haus,
Lernt von den Tieren
Ihr Menschenkind,
Euch aufzuführen
Wie ihr gesinnt.

Gäb nicht die Liebe
Atem voll Klang
Frühling erhübe
Nimmer den Sang,
Lernt von den Vögeln
Saget warum
Hört ihr die Regeln
Bleibet doch stumm.

Die erste Liebe u.s.w.

Autor: Ludwig Achim von Arnim  


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Hoffmann von Fallersleben – Du bist die Sonne, die nicht untergeht

Du bist die Sonne, die nicht untergeht,
Du bist der Mond, der stets am Himmel steht;
Du bist der Stern, der, wann die andern dunkeln,
Noch überstrahlt den Tag mit seinem Funkeln.

Du bist das sonnenlose Morgenrot;
Ein heit’rer Tag, den keine Nacht bedroht;
Der Freud‘ und Hoffnung Widerschein auf Erden –
Das bist du mir, was kannst du mehr noch werden!

Hoffmann von Fallersleben


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