romantische Gedichte



Hoffmann von Fallersleben - Du bist die Sonne, die nicht untergeht


h1 16. März 2009 23:45 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Du bist die Sonne, die nicht untergeht,
Du bist der Mond, der stets am Himmel steht;
Du bist der Stern, der, wann die andern dunkeln,
Noch überstrahlt den Tag mit seinem Funkeln.

Du bist das sonnenlose Morgenrot;
Ein heit’rer Tag, den keine Nacht bedroht;
Der Freud’ und Hoffnung Widerschein auf Erden -
Das bist du mir, was kannst du mehr noch werden!

Hoffmann von Fallersleben

Jakob Michael Reinhold Lenz - An die Sonne


h1 14. Januar 2009 22:07 - Gedicht eingereicht von romantikerin

An die Sonne

Seele der Welt, unermüdete Sonne!
Mutter der Liebe, der Freuden, des Weins!
Ach ohne dich erstarret die Erde
Und die Geschöpfe in Traurigkeit.
Und wie kann ich von deinem Einfluß
Hier allein beseelt und beseligt
Ach wie kann ich den Rücken dir wenden?

Wärme, Milde! Mein Vaterland
Mit deinem süßesten Strahl, nur laß mich,
Ach ich flehe, hier dir näher,
Nah wie der Adler dir bleiben.

Jakob Michael Reinhold Lenz

Urania - Jakob Michael Reinhold Lenz


h1 14. Dezember 2008 22:13 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Urania

Du kennst mich nicht,
Wirst nie mich kennen
Wirst nie mich nennen
Mit Flammen im Gesicht.

Ich kenne dich
Und kann dich missen –
Ach mein Gewissen
Was peinigest du mich?

Dich missen? Nein,
Für mich geboren –
Für mich verloren?
Bei Gott es kann nicht sein.

Sei hoch dein Freund
Und groß und teuer –
Doch ist er treuer
Als dieser, der hier weint?

Und dir mißfällt – –
O Nachtgedanken!!
Kenn ihn, den Kranken,
Sein Herz ist eine Welt.

Jakob Michael Reinhold Lenz

Unser Herz - Jakob Michael Reinhold Lenz


h1 25. November 2008 22:21 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Unser Herz

Kleines Ding, um uns zu quälen,
Hier in diese Brust gelegt,
Wüßte mancher was er trägt,
Würde wünschen, tätst ihm fehlen.

Deine Schläge, wie so selten,
Mischt sich Lust in sie hinein
Und wie sind sie schnell, mit Pein
Jede Lust ihm zu vergelten!

Dennoch, weder Lust noch Qualen
Wär’ weit schrecklicher als das.
Lieber schmelzt mein Herz zu Glas!
Meines Schicksals heiße Strahlen,

Lieben, hassen, streben, zittern,
Hoffen, zagen bis ins Mark.
Ach, das Leben wär’ ein Quark
Tätest du es nicht verbittern.

Jakob Michael Reinhold Lenz

Leises Lied - Dehmel


h1 6. November 2008 00:53 - Gedicht eingereicht von romantikerin

In einem stillen Garten,
an eines Brunnens Schacht,
wie wollt ich gerne warten
die lange graue Nacht.

Viel helle Lilien blühen
um des Brunnens Schlund;
drin schwimmen golden die Sterne,
drin badet sich der Mond.

Und wie in den Brunnen schimmern
die lieben Sterne hinein,
glänzt mir im Herzen immer
deiner lieben Augen Schein.

Die Sterne doch am Himmel,
die stehn uns all so fern;
in deinem stillen Garten
stünd’ ich jetzt so gern.

Richard Fedor Leopold Dehmel

Das schlafende Mädchen - von Gerstenberg


h1 4. November 2008 00:16 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Schlummre, schlummre sanft, o Schöne!
Stört sie nicht, der Nachtigallen Töne!
Sterblich ist sie nicht: ach nein!
Eine Göttin muss sie sein.
O ich will auf diesen Auen
Gleich ihr einen Altar bauen;
Weihrauch will ich auf ihn streun:
Ja! - sie kann nicht sterblich sein.
Aber wenn sie nun erwachet;
Freundlich diese Wange lachet -
Armes Herz ! wie wird dirs gehn!
O wie schlummert sie so schön!

Heinrich Wilhelm von Gerstenberg

An eine Rose - von Gerstenberg


h1 4. Oktober 2008 00:27 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Du kleine Rose, glaube mir,
Du sollst Lucindens Busen schmücken.
Ich selber will dich ihr
Itzt auf den vollen Busen drücken.

Dann sag ich: “Mädchen, küsse mich,
Sieh, dies hat Flora dir geweihet.
Sieh, wie die Rose sich
Schon über ihre Stelle freuet:”

Doch untersteht ein Jüngling sich
Dich von dem Busen abzubrechen:
Dann, Rose, räche mich,
Dann musst du ihn gewaltsam stechen.

Doch wenn in meines Mädchens Brust
Nach mir sich zarte Wünsche regen -
O die geliebte Brust !
Dann hauch ihr süßen Duft entgegen.

Heinrich Wilhelm von Gerstenberg

An Ihren Spiegel - Fleming


h1 4. September 2008 00:32 - Gedicht eingereicht von romantikerin

O Du drey- viermahl mehr glückseeliger
als ich!
Der du der Liebsten Glantz
in deinem Auge trägest
und selbst zu lieben sich
das schöne Kind bewegest
daher sie nur wird stoltz
sieht weit hin über mich
Giebt ihre Gunst ihr selbst
und achtet mehr auff dich
In dem du bist bemüht
und höchsten Fleiß anlegest
daß du dich
wie sie sich
an allen Gliedern regest
durch dich schaut sie sich an
und redet selbst mit sich.
Du rechtes Freuden-werck
von früh an bis zu Nachte
wie mach’ ichs
daß ich sie doch einmahl so betrachte
als wie du allzeit thust?
So meyn’ ich kan es gehn
Versuch es einen Tag
und gönne mir dein Glücke.
Und daß ich wieder gleich
in ihre Blicke blicke
So laß dies Auge hier
an deine Stelle stehn.

Paul Fleming

Hier im Wald mit dir zu liegen - Morgenstern


h1 4. August 2008 00:36 - Gedicht eingereicht von romantikerin

hier im Wald mit dir zu liegen,
moosgebettet, windumatmet,
in das Flüstern, in das Rauschen
leise liebe Worte mischend,
öfter aber noch dem Schweigen
lange Küsse zugesellend,
unerschöpflich - unersättlich,
hingegebne, hingenommne,
ineinander aufgelöste,
zeitvergessne, weltvergessne.
Hier im Wald mit dir zu liegen,
moosgebettet, windumatmet…

Christian Morgenstern

Schlaflied - Rilke


h1 15. Juli 2008 00:48 - Gedicht eingereicht von romantikerin

Einmal, wenn ich dich verlier,
wirst du schlafen können, ohne
daß ich wie eine Lindenkrone
mich verflüstre über dir?

Ohne daß ich hier wache und
Worte, beihnah wie Augenlider,
auf deine Brüste, auf deine Glieder
niederlege, auf deinen Mund

Ohne daß ich dich verschließ
und dich allein mit Deinem lasse,
wie einen Garten mit einer Masse
von Melissen und Stern-Anis.

Rainer Maria Rilke





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