Liebesgedichte

Was sind Liebesgedichte?

Ein Liebesgedicht ist eine besondere Form der Lyrik, um Emotionen, Gefühle und seine tiefe Liebe zu einem anderen Menschen auszudrücken. Es gibt verschiedene Möglichkeiten dies zu tun:

Liebesgedichte

  • Als Dichtung in Versform, das heißt, die Endungen im Gedicht reimen sich.
    Ursprünglich wurde als Dichtung Alles das bezeichnet, was schriftlich festgehalten wurde. Jegliche Schriftstücke wurden als Dichtungen bezeichnet und das änderte sich erst im 18. Jahrhundert, als der Begriff Dichtung seiner heutigen Bedeutung zugesprochen wurde. Heute wird der Begriff Dichtung nur noch in Verbindung mit der Poesie verwendet.
  • Als Lied, eine gesungene Form des Gedichtes, in der seinen Gefühlen Ausdruck verliehen wird. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten Lieder zu übermitteln. Die Mündliche und die Musikalische. Bei der mündlichen Übermittlung wird immer auch ein Text gesungen, in denen mehrere Strophen mit Reimen vorhanden sind, während es bei der Musikalischen keine Texte gibt, sondern ein Komponist eine Melodie kreiert hat, die von Strophe zu Strophe variieren kann. Dabei kann auch die Anzahl der Sänger oder Musikinstrumente unterschiedlich ausfallen.
  • Als Hymne oder Ode, dabei handelt es sich um einen feierlichen Lobgesang ohne formale Regelmäßigkeiten. Es sind meistens keine Reime oder feste Strophen zu finden. Im Mittelalter ist sie eine sehr begehrte Liedform für die Geistlichen, die bis heute traditionell für das Stundengebet genutzt wird.
    Als Hymne kennt man auch die Landes- oder Nationalhymne.



Seit wann gibt es Liebesgedichte?

Die Lyrik gibt es schon seit vielen Tausend Jahren. Ja bereits in der Antike wurden Liebesgedichte und Gesänge übermittelt. Überwiegend wurde ein Gedicht in Begleitung eines Saiteninstrumentes von einem Sänger vorgetragen. Viele der Texte waren ausschließlich für die Götter geschrieben. Das war der erste Höhepunkt der Lyrik. Da in der Antike überwiegend die Götter und Gottheiten besungen wurde, sagt man heute, dass die Poesie einen göttlichen Ursprung hat. In der Antike sprach man also von Poesie.

Im 12. und 13. Jahrhundert hatte sich der Minnegesang, so wurde die Übermittlung der Liebeslieder genannt, soweit entwickelt, dass er von vielen Adligen genutzt wurde, um ein schönes Mädchen, auch genannt schöne Maid, zu beeindrucken und um Ihre Hand anzuhalten. Es war eine Kunst und sie war sehr hoch angesehen. Es kam auch vor, dass mehrere Männer um eine Frau gebuhlt haben. Die Inhalte der Lieder waren immer sehr gefühlvoll gestaltet. Selbst der Kaiser benutzte den Minnegesang.

Später, ab dem 15. Jahrhundert wurden Liebeslieder dann auch in Liederbüchern festgehalten.

Es gibt noch das Volkslied, das sich durch verschiedene Merkmale unterscheiden lässt. Durch die Gesellschaftlichen, die Sprachlichen, die Geschichtlichen und letztendlich die Musikalischen. Typische Kennzeichen sind, Sprache, Kultur, Religion und Tradition.

Was kann Inhalt von Liebesgedichten sein?

Der Inhalt von Liebesgedichten ist breit gefächert, es muss nicht immer nur um Liebe, Freude und Glück gehen, obwohl dies sicher der erste Gedanke ist, den man mit einem typischen Liebesgedicht verbindet. Oftmals werden Gefühle beschrieben, die man für eine weitere Person empfindet. Dabei kann es um Küsse, Träume oder um das Vertrauen gehen. Liebesgedichte können aber auch negative Gefühle widerspiegeln, zum Beispiel den Liebeskummer, die Trauer über einen verlorenen Menschen, Sehnsucht nach dem Tod, oder Schmerzen. Von Freude bis zur Angst und Qual ist Alles möglich. Es gibt keine Grenzen oder Vorschriften, wie genau ein Liebesgedicht auszusehen hat. Man lässt seinen Gefühlen freien Lauf und bringt sie auf das Papier. Das kann unter Umständen sehr befreiend sein. Hierbei gibt es dann auch wieder Unterschiede, denn ein Gedicht kann sich reimen, muss es aber nicht zwangsläufig. Es ist auch ohne Reim ein Liebesgedicht, wenn über Freude, Glück oder Angst sinniert wird. Ebenso verhält es sich auch mit den Strophen, es gibt Gedichte mit nur einer Strophe und es gibt Andere mit zwei oder mehreren Strophen.

Wie beliebt sind sie?

Heute gibt es Liebesgedichte in verschiedenen Formen. Romantisch, lässig, altmodisch oder modern. Es gibt für Jeden das passende Gedicht. Wer nicht selber schreiben kann oder mag, der hat im Internet eine große Auswahl an langen Gedichten oder kurzen Sprüchen für die SMS oder als Posting. Es ist eine Art ich liebe Dich zu sagen und Gefühle zum Ausdruck zu bringen, die man für eine weitere Person empfindet.Viele Menschen lieben sie und nutzen sie deshalb bald täglich.

Zwei Sterne die strahlen sich an

Zwei Sterne die strahlen sich an,
weil der eine ohne den anderen nicht leben kann.
Sie sagen einander: Ich liebe dich.
Der eine bist du, der andere ich!


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(Ich) muss dir was sagen

(Ich) muss dir was sagen,
es hat mit (Liebe) zu tun.
Auch wenn es (Dich) nicht interessiert,
liess das in den Klammern.


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Der Gott der Eifersucht – Heinrich Wilhelm von Gerstenberg

Der Gott der Eifersucht

Wir waren in Knidos, meine holdselige Chloe und ich.

Auf ewig grünem Laube spielen
Hier Scherz, und Lenz, und Zärtlichkeit.
Die Blumen küssen, Bäume fühlen,
Und Grotten, welche Zephyrs kühlen,
Verbergen manchen holden Streit,
Wenn eine Dryas hier im Thale
Dem jungen Faun zum erstenmale
Mit lautem Zwange Küsse weiht.

Um einen zu furchtsamen Satyr zu ermuntern, der auf sein eignes Glück argwöhnisch war, floh eine schalkhafte Napäe lachend in den Lustwald. Wir eilten ihr nach, um zu erfahren, ob der Satyr sie erhaschen würde, als plötzlich die Göttinn Venus aus dem Walde hervortrat.

Mit aufgelöstem Gürtel gingen
Die Grazien leicht vor ihr hin,
Ein Amor fliegt mit regen Schwingen
Schnell auf die Brust, schnell auf das Kinn,
Sucht dort ein Knöspchen anzubringen,
Und tändelt hier ein Grübchen hin:
Mit himmlisch sanften Liebesschlägen
Lohnt ihm die Göttinn seine Müh:
Froh flattert er der Straf entgegen,
Und zur Vergeltung küßt er sie.

Unglücklicher! o daß ich diesen Amor nie gesehen hätte! Er war der boshafteste unter seinen Brüdern! der Gott der Eifersucht in seinem betrüglichen Reize.

Er wars, der im Geräusch der Blätter
Untreue Küsse rauschen hört,
Der Sicherheit in Furcht verkehrt,
Die sanftesten mit Wuth bewehrt,
Die Edelsten Neid oder Argwohn lehrt,
Ach! jedes Glück der Liebe stöhrt:
Ach! der gefährlichste der Götter!

Warum mußte der Bösewicht mir mit seinen heuchlerischen Blicken gefallen? Warum entfloh er seiner Göttinn, nur mit mir Armen zu spielen, und von mir gehascht zu werden? Warum schenkte mir ihn die Königinn der Liebe? Seitdem sind die güldnen Tage unsrer Liebe oft durch abwechselnden Kummer umwölkt worden.

Mich nagt bey Chloens besten Küssen
Ein banger schrecklicher Verdacht:
»Wie, wenn bey diesen Nektarküssen
Ein dritter oft mich still verlacht!
O Chloe! sollt ich dieses wissen!«
Dann nenn ich Chloen den Verdacht,
Und Chloe weint; und ich muß reuig flehen:
Denn weinen kann ich sie nicht sehen. –
Ach! Venus, nimm den Gott zurück!
Er bringt mich ewig um mein Glück.

Heinrich Wilhelm von Gerstenberg


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Frage – Hugo von Hofmannsthal

Frage

Merkst du denn nicht, wie meine Lippen beben?
Kannst du nicht lesen diese bleichen Züge,
Nicht fühlen, daß mein Lächeln Qual und Lüge,
Wenn meine Blicke forschend dich umschweben?

Sehnst du dich nicht nach einem Hauch von Leben,
Nach einem heißen Arm, dich fortzutragen
Aus diesem Sumpf von öden, leeren Tagen,
Um den die bleichen, irren Lichter weben?

So las ich falsch in deinem Aug, dem tiefen?
Kein heimlich Sehnen sah ich heiß dort funkeln?
Es birgt zu deiner Seele keine Pforte

Dein feuchter Blick? Die Wünsche, die dort schliefen,
Wie stille Rosen in der Flut, der dunkeln,
Sind, wie dein Plaudern: seellos … Worte, Worte?

Hugo von Hofmannsthal 


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Sturmnacht – Hugo von Hoffmannsthal

Sturmnacht

Die Sturmnacht hat uns vermählt
In Brausen und Toben und Bangen:
Was unsre Seelen sich lange verhehlt,
Da ist’s uns aufgegangen.

Ich las so tief in deinem Blick
Beim Strahl vom Wetterleuchten:
Ich las darin mein flammend Glück,
In seinem Glanz, dem feuchten.

Es warf der Wind dein duftges Haar
Mir spielend um Stirn und Wangen,
Es flüsterte lockend die Wellenschar
Von heißem tiefem Verlangen.

Die Lippen waren sich so nah,
Ich hielt dich fest umschlungen;
Mein Werben und dein stammelnd Ja,
Die hat der Wind verschlungen …

Hugo von Hofmannsthal (1890)


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Gerechte Strafe – Ludwig Thoma

Gerechte Strafe

Hierzulande war ein Gymnasiste,
Welcher sich mit Namen Hans behieß,
Und bewirkt‘, daß man aus Bildungskreisen
Ihn zum Bürgerstand hinunterstieß.

Denn an einem Mittwoch Nachmittage
Schlich er sich in einem Restorang,
Wo er eine rote Mütz‘ aufsetzte
Und von seiner Burschenfreiheit sang.

Dieses hörte jählings ein Professor,
In der Köchin ihrem Schlafgemach.
Hier vernahm er das Verbindungswesen
Und er ging dem Sachverhalte nach.

Leider fand man eine Kneipenzeitung,
Die den Jugendfreund empören muß,
Denn es zeigten sich die Gymnasisten
Ganz vertraut schon in Geschlechtibus.

Der Herr Rektor hat am Leib geschlottert,
Als er las so deutlich und verrucht,
Was er selbst in seinen jungen Jahren
Nur in aller Heimlichkeit gesucht.

Und er ging mit tief empörten Schritten,
Zum Minister, der es staunend las,
Und bei dem moralischen Entsetzen,
Was er selbst getrieben, ganz vergaß.

Aus der Schule wurde Hans verwiesen,
Weil man ihn hierfür zu schlecht befand,
Und er mußte wegen Sittenroheit
Ohne weitres in den Kaufmannstand.

(Ludwig Thoma, 1867-1921)


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Gleichgültigkeit – Ludwig Thoma

Gleichgültigkeit

Als ich gestern lag in meinem Bette,
Klopfte es so gegen Mitternacht.
Meine Meinung war, es sei Jeannette,
Und natürlich hab‘ ich aufgemacht.
Leise kam es jetzt hereingeschlichen,
Setzte sich an meines Bettes Rand,
Hat mir über meinen Kopf gestrichen
Mit der ziemlich großen, dicken Hand.
Doch ich merkte bald an ihren Formen:
Dieses Weib ist ja Jeannette nicht,
Deren Hüften nicht von so enormem
Umfang sind und solchem Schwergewicht.
Trotzdem schwieg ich. Denn ich überlegte:
Nicht das Wer, das Wie kommt in Betracht,
Außerdem, die Absicht, die sie hegte,
War entschieden löblich ausgedacht.
Was bedeutet dieserhalb ein Name?
In der Liebe ist das einerlei.
Man verlangt nur, daß es eine Dame
Und von angenehmem Fleische sei.

(Ludwig Thoma, 1867-1921)


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Gottesgericht – Ludwig Thoma

Gottesgericht

Ein Enterich hat jüngst im Freien
Der Liebe ohne Scheu gefrönt.
Natürlich waren sie zu zweien,
Und was sie taten, ist verpönt.

Er hatte das Rezept gefunden
Zu jenem alten Wonnespiel,
Wobei er oben und sie unten
Ins Auge des Betrachters fiel.

Ha! Wie ihm alle Sinne schwinden,
Da schien es manchem offenbar,
Daß jedes ethische Empfinden
In diesem Tier erloschen war.

Ein solches Beispiel öffentlicher
Verdorbenheit kommt selten vor.
Doch Gottes Mühlen mahlen sicher,
Hier war es ein Benzinmotor.

Das Rad zerquetscht sie in der Rinne
Und preßt den Enterich auf sie,
Es war wohl in gewissem Sinne
Auch eine Schicksalsironie.

(Ludwig Thoma, 1867-1921)


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Das Ärgernis – Ludwig Thoma

Das Ärgernis

Was ist das doch in diesen Tagen
Ein Summen, Surren, Hasten, Jagen!
Am Boden welch ein froh Gewühl!
Ein jeder Käfer zeigt Gefühl
Und muß sein Weibchen wild umfassen.
Die ganze Welt ist ausgelassen,
Und jedes Tier begreift sein Leben
In Liebe nehmen, Liebe geben.
Das ist ein Werben, Jubeln, Klagen
In diesen schönen Frühlingstagen!

Ein Ochse steht am Wiesenrand,
Und sein kastrierter Viehverstand
Muß unberührt von diesem Treiben
Und dieser Sinnenfreude bleiben.
Er fühlt im Fressen sich gestört
Von allem, was er sieht und hört.
Da wird gejagt und wird getanzt
Und sich ganz einfach fortgepflanzt!

Das unbekümmerte Gewühl
Verletzt sein tiefstes Schamgefühl.
Wie kann es nur der Schöpfer sehen,
Daß solche Dinge hier geschehen?!
Ihm kommt es ganz abscheulich vor,
Und klagend blickt sein Aug‘ empor.
– Ja, ja! Man sieht ’s dem Ochsen an:
Das Rindvieh ist ultramontan.

(Ludwig Thoma, 1867-1921)


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