Liebesgedichte



Otto Julius Bierbaum - Scherzo Lamentoso


h1 17. September 2007 20:16 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Heut, mein Fräulein, in der Morgenstunde,
Als der Tag mit Amselschlag begunnte
Und mit vielem, ach so vielem Sonnenschein,
Fiel mir dies und das: Wie Ihre Augenbrauen
Schön sind und wie hold sie anzuschauen,
Und wie elend ich bin, fiel mir ein.

Und mir war, als wenn mich etwas stieße,
Und mir war, das beste wär, ich ließe
Mich vom Fenster fallen nieder auf den Stein
Vor der Tür. - In der Morgenstunde,
Als der Tag mit Amselschlag begunnte,
Fielen Sie mir, Fräulein, und das ein.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Nun nimmt er sie fest


h1 14. September 2007 20:15 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Ich nehme dich und küsse dich
Und lasse dich nicht von mir,
Ein blinder Bettler wäre ich,
Wär nicht mein Herz bei dir.

Seele, Sinne, alles Meine,
Es ist deine
Jederstund;
Laß mich küssen, laß mich küssen
Deine Hände, deine Stirne,
Deine Augen und den Mund.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Mädchenlied


h1 11. September 2007 20:15 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Auf einem jungen Rosenblatt
Mein Liebster mir geblasen hat
Wohl eine Melodei.
Es gab mir viele Dinge kund
Das Rosenblatt am roten Mund
Und war kein Wort dabei.

Und als das Blatt zerblasen war,
Da gab ich meinen Mund ihm dar
Und küßt an ihm mich satt.
Und viel mehr Dinge tat noch kund
Der rote Mund am roten Mund,
Selbst als das Rosenblatt.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Liebeslied im Herbst


h1 8. September 2007 20:14 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Ach, mein Herz ist bange,
Bange nach meiner Geliebten.
Sehnsucht hält die Schatten-
Flügel über mir.

Wolken fliehn im Winde;
In vergilbten Wipfeln
Stöhnt es: meine Seele
Singt und stöhnt nach ihr.

Du und unsre Liebe,
Du und dein Herz voller Güte! …
O mein Glück, mein Leben:
Einsam bin ich hier.

Doch ich will nicht klagen.
Über die grauen Weiten
Spannt sich ein Liebesbogen
Hoch von mir zu dir.

Was die Liebe bindet,
Trennen nicht Berg und Meer.
Schließe die Augen: siehe! -:
Sieh, ich bin bei dir.

von Otto Julius Bierbaum

Ludwig Uhland - Ver sacrum


h1 5. September 2007 22:11 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Ver sacrum

Als die Latiner aus Lavinium
Nicht mehr dem Sturm der Feinde hielten Stand,
Da hoben sie zu ihrem Heiligtum,
Dem Speer des Mavors, flehend Blick und Hand.

Da sprach der Priester, der die Lanze trug:
“Euch künd’ ich, statt des Gottes, der euch grollt:
Nicht wird er senden günst’gen Vogelflug,
Wenn ihr ihm nicht den Weihefrühling zollt.”

“Ihm sei der Frühling heilig! - rief das Heer -
Und was der Frühling bringt, sei ihm gebracht!”
Da rauschten Fittiche, da klang der Speer,
Da ward geworden der Etrusker Macht.

Und jene zogen heim mit Siegesruf,
Und wo sie jauchzten, war die Gegend grün,
Feldblumen sprossten unter jedem Huf,
Wo Speere streiften, sah man Bäum’ erblühn.

Doch vor der Heimat Toren, am Altar,
Da harrten schon zum festlichen Empfang
Die Frauen und der Jungfrau’n helle Schar,
Bekränzt mit Blüte, welche heut’ entsprang.

Als nun verrauscht der freudige Willkomm,
Da trat der Priester auf den Hügel, stieß
In’s Grab den heil’gen Schaft, verneigte fromm
Sein Haupt und sprach vor allem Volke dies:

“Heil dir, der Sieg und gab im Todesgraus!
Was wir gelobten, das erfüllen wir.
Die Arme breit’ ich auf das Land hinaus
Und weihe diesen vollen Frühling dir.

Was jene Trift, die heerdenreiche, trug,
Das Lamm, das Zicklein flamme deinem Herd!
Das junge Rind erwachse nicht dem Pflug,
Und für die Zügel nicht das mut’ge Pferd!

Und was in jenen Blütengärten reift,
Was aus der Saat, der grünenden, gedeiht,
Es werde nicht von Menschenhand gestreift;
Dir sei es alles, alles dir geweiht!”

Schon lag die Menge schweigend auf den Knien,
Der gottgeweihte Frühling schwieg umher,
So leuchtend, wie kein Frühling je erschien,
Ein heil’ger Schauer waltet’ ahnungsschwer.

Und weiter sprach der Priester: “Schon gefreit
Wähnt ihr die Häupter, das Gelübd’ vollbracht?
Vergaßt ihr ganz die Satzung alter Zeit?
Habt ihr, was ihr gelobt, nicht vorbedacht?

Der Blüten Duft, die Saat im heitern Licht,
Die Trift, von neugebor’ner Zucht belebt,
Sind sie ein Frühling, wenn die Jugend nicht,
Die menschliche, durch sie den Reigen webt?

Mehr, als die Lämmer, sind dem Gotte wert
Die Jungfrau’n in der Jugend erstem Kranz,
Mehr als der Füllen auch hat er begehrt
Der Jünglinge im ersten Waffenglanz.

O nicht umsonst, ihr Söhne, waret ihr
Im Kampfe so von Gotteskraft durchglüht!
O nicht umsonst, ihr Töchter, fanden wir
Rückkehrend euch so wundervoll erblüht!

Ein Volk hast du vom Fall erlöst, o Mars!
Von Schmach der Knechtschaft hieltest du es rein,
Und willst dafür die Jugend eines Jahrs;
Nimm sie! sie ist dir heilig, sie ist dein.”

Und wieder warf das Volk sich auf den Grund,
Nur die Geweihten standen noch umher,
Von Schönheit leuchtend, wenn auch bleich der Mund,
Und heil’ger Schauer lag auf allen schwer.

Noch lag die Menge schweigend wie das Grab,
Dem Gotte zitternd, den sie erst beschwor,
Da flammt aus blauer Luft ein Strahl herab
Und traf den Speer und flammt’ auf ihm empor.

Der Priester hob dahin sein Angesicht,
Ihm wallte glänzend Bart und Silberhaar;
Das Auge strahlend von dem Himmelslicht,
Verkündigt’ er, was ihm eröffnet war:

“Nicht läßt der Gott von seinem heil’gen Raub,
Doch will er nicht den Tod, er will die Kraft;
Nicht will er einen Frühling, welk und taub,
Nein! einen Frühling, welcher treibt im Saft.

Aus der Latiner alten Mauern soll
Dem Kriegsgott eine neue Pflanzung gehn:
Aus diesem Lenz, innkräft’ger Keime voll,
Wird eine große Zukunft ihm erstehn.

Drum wähle jeder Jüngling sich die Braut,
Mit Blumen sind die Locken schon bekränzt,
Die Jungfrau folge dem, dem sie vertraut;
So zieht dahin, wo euer Stern erglänzt!

Die Körner, derer Halme jetzt noch grün,
Sie nehmet mit zur Aussaat in die Fern’,
Und von den Bäumen, welche jetzt noch blüh’n,
Verwahret euch den Schößling und den Kern!

Der junge Stier pflüg’ euer Neubruchland,
Auf eurer Weide führt das munt’re Lamm,
Das rasche Füllen spring’ an eurer Hand,
Für künft’ge Schlachten ein gesunder Stamm!

Denn Schlacht und Sturm ist euch vorausgezeigt,
Das ist ja dieses starken Gottes Recht,
Der selbst in eurer Mitte niedersteigt,
Zu zeugen eurer Könige Geschlecht.

In euren Tempeln haften wird sein Speer,
Da schlagen ihn die Feldherrn schütternd an,
Wenn sie ausfahren über Land und Meer
Und um den Erdkreis ziehn die Siegesbahn.

Ihr habt vernommen, was dem Gott gefällt,
Seht hin, bereitet euch, gehorchet still!
Ihr seid das Saatkorn einer neuen Welt;
Das ist der Weihefrühling, den er will.”

von Ludwig Uhland

Otto Julius Bierbaum - Liebe


h1 5. September 2007 20:14 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Es ist ein Glück zu wissen, daß du bist,
Von dir zu träumen hohe Wonne ist,
Nach dir sich sehnen macht zum Traum die Zeit,
Bei dir zu sein, ist ganze Seligkeit.

von Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum - Komm her und laß dich küssen


h1 2. September 2007 20:13 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Die Luft ist wie voll Geigen,
Von allen Blütenzweigen
Das weiße Wunder schneit;
Der Frühling tobt im Blute,
Zu allem Übermute
Ist jetzt die allerbeste Zeit.

Komm her und laß dich küssen!
Du wirst es dulden müssen,
Daß dich mein Arm umschlingt.
Es geht durch alles Leben
Ein Pochen und ein Beben:
Das rote Blut, es singt, es singt.

von Otto Julius Bierbaum

Ludwig Uhland - Unstern


h1 30. August 2007 22:10 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Unstern

Unstern, diesem guten Jungen,
Hat es seltsam sich geschickt.
Manches wär’ ihm fast gelungen,
Manches wär’ ihm schier geglückt.
Alle Glückesstern’ im Bunde
Hätten weihend ihm gelacht,
Wenn die Mutter eine Stunde
Früher ihn zur Welt gebracht.

Waffenruhm und Heldenehre
Hätten zeitig ihm geblüht,
War doch in dem ganzen Heere
Keiner so von Mut erglüht;
Nur als schon in wilden Wogen
Seine Schar zum Sturme drang,
Kam ein Bote hergeflogen,
Der die Friedensfahne schwang.

Nah ist Unsterns Hochzeitsfeier,
Hold und sittig glüht die Braut;
Sieh! da kommt ein reicher Freier,
Der die Eltern baß erbaut.
Dennoch hätte die Geraubte
Ihn als Witwe noch beglückt,
Wäre nicht der Totgeglaubte
Plötzlich wieder angerückt.

Reich wär’ Unstern noch geworden
Mit dem Gut der neuen Welt,
Hätte nicht ein Sturm aus Norden
Noch im Port das Schiff zerschellt.
Glücklich war er selbst entschwommen,
Einer Planke hatt’ er’s Dank,
Hatte schon den Strand erklommen,
Glitt zurück noch und versank.

In den Himmel, sonder Zweifel,
Würd’ er gleich gekommen sein,
Liefe nicht ein dummer Teufel
Just ihm in den Weg hinein.
Teufel meint, er sei die Seele,
Die er eben holen soll,
Packt den Unstern an der Kehle,
Rennt mit ihm davon wie toll.

Da erscheint ein lichter Engel
Rettend aus dem Nebelduft,
Donnert flugs den schwarzen Bengel
In die tiefste Höllenkluft,
Schwebt der goldnen Himmelsferne
Mit dem armen Unstern zu,
Über gut’ und böse Sterne
Führt’ er den zur ew’gen Ruh.

von Ludwig Uhland

Otto Julius Bierbaum - Getrost


h1 30. August 2007 20:13 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Nein, mein Herz, so sollst du dich nicht plagen,
Sei getrost und sie die Schöne an,
Wie sie kinderfröhlich lachen kann,
Und sie hat wohl auch ein Leid zu tragen.

Doch sie ist zu stolz und stark zu klagen,
Nur ihr Blick verkündet dann und wann,
Daß sie weiß, was Leid ist. Doch in Bann
Läßt sie sich von Kümmernis nicht schlagen.

Willst du, Herz, dich liebend zu ihr wenden,
Sollst du heiter sein, wie sie es ist,
Klar und lauter, stolz und stark. Erhebe
Dich ins Reine zu der Reinen: lebe,
Lebe auf, daß du ihr würdig bist,
Und es wird die Zeit des Jammers enden.

von Otto Julius Bierbaum

Emanuel Geibel - Vorüber!


h1 30. August 2007 19:45 - Gedicht eingereicht von liebesgedichte

Vorüber!

O darum ist der Lenz so schön
Mit Duft und Strahl und Lied,
Weil singend über Tal und Höh’n
So bald er weiter zieht;

Und darum ist so süß der Traum,
Den erste Liebe webt,
Weil schneller als die Blüt’ am Baum
Er hinwelkt und verschwebt.

Und doch! Er läßt so still erwärmt,
So reich das Herz zurück;
Ich hab’ geliebt, ich hab’ geschwärmt,
Ich preis’ auch das als Glück.

Gesogen hab’ ich Strahl auf Strahl
Ins Herz den kurzen Tag;
Die schöne Sonne sinkt zu Tal.
Nun komm’, was kommen mag!

Sei’s bittres Leid, sei’s neue Lust,
Es soll getragen sein:
Der sichre Schatz in meiner Brust
Bleibt dennoch ewig mein.

von Emanuel Geibel






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